Bruno Gröning Stiftung

26. Januar 1959

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Josefine Weyland, undatiert
Abschrift (PDF)

 

Der Tag, an dem unser hilfreicher, gütiger Freund Bruno Gröning diese Erde verlassen hat und in diesen Tagen wiederkehrt, ist mir, wie uns allen Anlass, Ihm von ganzem Herzen zu danken für alles, was er für uns getan hat, bis heute getan hat und weiterhin tun wird, wie er uns versprochen hat. Keiner seiner Freunde ist imstande, auch nur annähernd ahnen zu können, was dieser große Gottesbote in dieser seiner Erdenzeit gelitten hat, um Menschen zur Umkehr zu bewegen. Denn in seinem Kampf gegen das Böse, der ein übermenschlicher war, war unser gütiger, hilfreicher Freund allein, ganz allein!

Welcher der Freunde wäre auf den Gedanken gekommen, dass unser hilfreicher Freund Bruno Gröning einmal nicht mehr bei uns sein würde? Wohl hatte Bruno Gröning einmal gesagt: „Ihr müsst nun eine Weile allein weitergehen“, aber dieses Wort ist wohl den meisten der Freunde wieder aus dem Gedächtnis entschwunden.

Es war dann in dem letzten Weihnachtsvortrag von Tonband die Rede von „einem dringenden Vorhaben.“, welches den großen Freund verhinderte, zu den Weihnachtsfeiern zu kommen und anderes, was mir damals unverständlich war. Doch versprach Bruno Gröning in diesem Vortrag, im Januar sein Versäumnis nachholen zu wollen. Dieses Versprechen hatte dann alle Unsicherheit wieder zerstreut. Wir waren also eingestellt auf sein Kommen im Januar!

Und dann, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die betrübliche Kunde: Bruno Gröning sei gestorben. Eine Nachbarin, die auch meiner Gemeinschaft angehörte, wollte es im Rundfunk gehört haben. Ich wollte es nicht glauben, ich konnte es nicht glauben. Ich war eben im Begriff, unterwegs, die zweite Schlussandacht in der gegenüber liegenden Klosterkirche noch mitzubekommen, schon am frühen Nachmittag hatte ich an der ersten Schlussandacht teilgenommen, ich wollte auf alle Fälle mit dabei sein, wenn das „Großer Gott, wir loben Dich!“ gesungen wird! Ich wollte singen, ich war so froh in meinem Gemüte. Eben wurde am Altar das feierliche Te Deum angestimmt, ich sah vor mir dieses Menschenmeer und sagte zu mir: „Ich fasse jetzt alle zusammen.“ In der Tat, der Gesang war wie aus einem Münde, wie ein Brausen, mich durchströmte es intensiv die Füße herauf.  Zu diesem Zeitpunkt, es war 3 Uhr, war unser großer, gütiger Freund, schon heimgegangen.

Bei der erwähnten zweiten Schlussfeier, die ich mit derselben Absicht besucht hatte, wollte diese Hochstimmung nicht mehr aufkommen, die sonderbare Nachricht, welche ich unterwegs gehört hatte, hat sich immer wieder in meine Gedanken gedrängt.

Der nächste Morgen brachte dann die für mich und uns alle sehr traurige Gewissheit, dass Bruno Gröning in Paris gestorben ist! Der liebevolle, gütige Freund und Helfer soll nicht mehr zu uns zurückkehren? Mich überkam ein Gefühl großer Verlassenheit und Trauer. Mehrere Freunde der Gemeinschaft, kamen an diesem Tage und bis abends zu mir, die Trauerbotschaft von Frau Gröning aus Paris, von der Sekretärin, Fräulein Ludewig, geschrieben, war gekommen und schilderte mit erschütternden Worten den Heimgang Bruno Grönings. Schweigend saßen wir beisammen und war doch ein unausgesprochenes Treuegelöbnis zu Bruno Gröning und seiner Gemeinschaft. Nun war uns klar geworden, was er einst gesagt hatte: „Ihr müsst nun eine Weile allein weitergehen!“

Unauslöschlich bleibt mir die Erinnerung an den erhebenden Gedenk-Gottesdienst in der St. Konradskirche in Plochingen. Die Kirche war voll mit Freunden aus nah und fern, die Urne, die in der Mitte aufgestellt war, war über und über mit Kränzen und Blumen geschmückt, erhebende und tief ergreifende Instrumental- und Gesangs-Solis wurden während des Gottesdienstes von Freunden dargebracht, und am Schluss erklangen, von dem Freundeskreis gesungen, zwei Strophen von dem Hymnus „Großer Gott, wir loben Dich!“ – „Wie werde ich glücklich sein, wenn ich meinen irdischen Körper ablegen darf.“ So sprach Bruno Gröning einmal.

Am Vortage waren schon viele Freunde aus nah und fern im Wohnzimmer von Bruno Gröning versammelt, wo ergreifende Worte der Dankbarkeit und Treue zu Bruno Gröning und seinem Werk gesprochen wurden. Dann folgte um 14 Uhr 15 Min. die Überführung der Urne in die Leichenhalle, wo alle anwesenden Freunde unserm großen Freund das Geleit gaben. Tiefergreifende Worte der Liebe, Dankbarkeit, Verehrung und Treue wurden gesprochen.

So wollen wir, seine Freunde, unsere Liebe, Verehrung und Dankbarkeit, nicht nur in Worten ausdrücken, sondern in der Tat, durch treue folgsame Hingabe an sein Werk und seine Lehre. Möge uns der hilfreiche Freund immer mit seiner wunderbaren Kraft, seinem Schutz und Segen durch diese Tage begleiten.

Einige Tage nach diesem Geschehen traf ich unterwegs einen Freund aus der Gemeinschaft, sie war sichtlich erfreut, mich zu treffen. Wortlos standen wir eine Weile so beieinander. Sie schaute mir dabei fast ängstlich auf die Augen und fragte dann: „Geht's weiter?“ Ich darauf: „Was denn sonst!“ Sie war sichtlich erleichtert!

 

Quelle:
Archiv des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V. Freiburg i. Br.: 20/16/001