Hinweis:

Auf Einladung des Hamburger Großkaufmanns Westphal reiste Bruno Gröning am 25. Juni 1949 nach Hamburg. Am letzten Tag seines Aufenthalts, dem 29. Juni 1949, gab er um 14.00 Uhr im Hotel „Wandsbeker Hof“ eine Pressekonferenz, deren stenografisches Protokoll hier wiedergegeben wird.

Pressekonferenz Bruno Gröning, 29.6.1949, 14.00 Uhr, Hamburg, Hotel „Wandsbeker Hof“

Herr Hülsmann wies in einem Vorwort darauf hin, dass Bruno Gröning den Pressevertretern nun einmal eine grundlegende Richtung geben würde.

Bruno Gröning: Das Geschehen in der Presse hat ein Durcheinander gegeben. Wenn Sie etwas schreiben, dann die Wahrheit schreiben. Wenn das nicht geschieht, dann ist es nicht meine Schuld, wenn dann etwas anderes geschehen sollte. Es steht Ihnen frei, sich von all dem zu überzeugen, wie Sie diese Dinge sehen. Es geht nicht an, dass einer wie der andere nach seiner Nase schreibt, es könnte so sein oder er hat dieses oder jenes gehört und es wird schon so richtig sein.

Nehmen wir an, ich möchte einen Handwagen haben und ich suche mir die Stücke zusammen, dann ist der Wagen nicht einwandfrei. Dagegen der Handwerker, der das richtige Material und die richtigen Werkzeuge hat, kann den richtigen Wagen fertigbringen.

Ich habe es bisher nicht gewagt, Zeitungen in die Hand zu nehmen und Artikel zu lesen, ich weiß es ja schon vorher. Es gibt einzelne Menschen unter Ihnen, die ich als „Schreiber“ bezeichne, weil es vorgekommen ist, dass Journalisten Quatsch verzapft haben. Ich will nicht den einen oder anderen schief über die Schulter ansehen. Ich wünsche heute noch meinem Todfeind das Beste. Ich setze ja mein ganzes Leben dafür ein, Menschen zu helfen. Ich habe schon einem großen Teil geholfen, wozu andere nicht in der Lage sind. Wenn einer sagt, er sei der größte Kommunist, dann reich ich ihm trotzdem die Hand. Er ist ein Mensch. Gerade auf den schmutzigen Artikel hin, der in der „Freien Presse Herford“ erschienen ist, fanden Menschen zu Gröning. Wie der Lizenzträger sagte, reagierten die Leser mit 800 Abbestellungen darauf. Der Schreiber wagte es auch, in die Wohnung des Herrn Hülsmann zu kommen, als wäre er derjenige, der mir gut gesonnen war. Es ging aber auch hier wie bei einer Waage: Das Schmutzige drückt immer herunter und das Gute geht nach oben. Ich bleibe dadurch oben. Ich nenne diese Menschen, die so blindlings etwas hinschreiben, nur „Schreiber“.

Wir müssen bei der Sache und bei der Wahrheit bleiben. Wir wollen uns keine Blöße geben. Ich selbst tue schon das, wozu ich mich verpflichtet fühle. Ich will niemanden hier beschuldigen. „Bei Kaffee und Kuchen“ – das müssen Sie selbst zugeben, dass es nicht schön ist, dass man dieses Große so in Schmutz und Dreck zieht. Die Menschen fragen nicht danach, ob sie Unterkunft haben oder nicht, ob sie lange warten, das Warten lohnt sich. Bei den so geduldig Wartenden erfüllt sich während meiner Abwesenheit ihre Hoffnung.

In Herford selbst wurde das Kind aus der Taufe gehoben. Durch Herrn Hülsmann. Der Obermedizinalrat lehnte es ab, mit mir zu sprechen. Der Oberstadtdirektor wurde gedrängt, ein Verbot zu erlassen. Kurz darauf habe ich den Herren zu wissen gegeben, dass so ein Verbot rechtswidrig ist. Für meine Tätigkeit besteht ja überhaupt kein Gesetz. Man hat versucht, mich unter die Heilpraktiker zu setzen. Einer Prüfung sollte ich mich unterziehen. Ich lehnte ab. Der Oberstadtdirektor sagte, dass es nur der Form halber sei, man könnte mich ja doch nicht daran hindern, meine Tätigkeit zu unterbinden. Sie werden jetzt alles daransetzten, Sachen hervorzuholen, dass ich mich schuldig gemacht habe.

Wenn Sie irgendwo dienstlich hingehen, dann dienstlich, wenn privat, dann privat. Ob das in Herford die Polizei war, ein Oberstadtdirektor oder ein Stadtdirektor, sie meldeten sich vorher privat an, während der Unterhaltung wurden sie dienstlich. Ist das recht? Ich sage nein. Meinen Wissens nach sind sie ihres Amtes enthoben.

Presse: Ich habe wie jeder Journalist mit Interesse die Sache verfolgt. Jeder der Kollegen, der Gelegenheit hat, wird naiv-gläubig daran glauben, wenn er die Heilung sieht. Sie wissen selbst, welche Anziehungskraft Sie auf die Menschen ausüben. Welche Möglichkeit besteht, uns Journalisten dessen zu überzeugen?

Bruno Gröning: Einem Menschen zu helfen, ist für mich selbstverständlich, aber um Beweise zu stellen niemals. Wenn Menschen da sind, die einen anderen vorschieben, um sich davon zu überzeugen, das spricht nicht an.

Ich kann nicht jeden Einzelnen von Ihnen empfangen, sonst hätte ich nur mit Pressevertretern zu tun und meine Heilungen fallen ins Wasser. Stellen Sie einen von Ihnen an meine Seite, tagtäglich und nachts, er kann sich von meinem Leben überzeugen, Ihnen genug Material geben, an dem Sie aber nichts entstellen. Und lassen Sie die Stimme des Volkes hören: Schlechtes und Gutes.

Presse: Dass ich Sie „bei Kaffee und Kuchen“ antraf, ist ja die optische Wahrheit. Wenn die Leute so etwas lesen, kommen sie mit viel mehr menschlichem Vertrauen zu Ihnen. Von den 5.000 stehen 4.000 Menschen auf dem Wilhelmsplatz, die etwas Angst vor Ihnen haben, weil Sie einen Nimbus haben. Ich traf einen Herrn, der sagte, dass Herr Gröning solchen Dingen, wie sie in der Presse vor sich gegangen waren, zutreffen, wisse dem zu strafen. So etwas lasse ich mir nicht gefallen.

Bruno Gröning: Wenn ich eine Stunde mal privat bin, gehört sich das nicht, es herunterzureißen. Einmal hier rudern und eine Segelpartie in Schleswig, ist das Erste, was ich mir erlaubt habe. Und trotzdem haben sich Menschen darüber geärgert.

Presse: Ich habe gestern drei Stunden in der Waldstraße gestanden, um die Menschen zu beobachten. Die einen der Zeitungen bringen diese Dinge unter Kommentar, die anderen als Glossar. Ich aber wollte mir eine objektive Meinung holen. Da sagte man mir an der Tür, Sie schliefen, ein anderer nach einer Weile, Sie ruhten, aber ich würde rechtzeitig Bescheid erhalten. Derweil ich wartete und wartete, hat man aber nichts mehr von sich hören lassen.

Bruno Gröning: Ich trudelte morgens ein, wollte meine Beine strecken. Herr Hülsmann wachte darüber, dass ich meine Ruhe hatte. Nach dem Aufstehen wurde ich gebeten, sofort hinunterzugehen, da man die Menschenmenge nicht mehr zu bändigen wüsste. Ich hatte noch nicht einmal mehr Zeit, mir den Bart abzunehmen, etwas zu essen. Jede Minute muss ausgenutzt werden, Menschen zu helfen.

Sie dürfen auch nicht sagen, Sie wollen etwas beantwortet wissen. Ich bin nicht dazu da, Ihre Neugier zu stillen. Ob ich das Volk in Spannung setzen muss, damit es an mich glaubt oder an den Herrgott, ist gleich.

Presse: Wenn da ein Herr ist, den ein Arbeiter fragt, wie er an Sie herankommen soll und dem geantwortet wird, „schreiben Sie einen Zettel“ und der weiterhin lässig ge- fragt wird „was fehlt Ihnen denn?“, ist das in Ihrem Sinn?

Sie wollten doch nach Hamburg gekommen sein, sich hier den Ärzten und Wissenschaftlern zu stellen. Sie brauchen doch nur einen Rheumatismus zu heilen, einen Arzt dabei heranziehen und sich von ihm bestätigen lassen, dass Sie geheilt haben.

Bruno Gröning: Ich habe das in Herford getan. Aber das ist ein Druck. Nach all dem, was ich geleistet habe, brauche ich das nicht mehr. Ich tue alles aus freien Stücken. Ich will nur Menschen heilen, Menschen helfen. Ich denke nicht daran, mich einem Mediziner zu unterwerfen, der kommt und sagt: „Beweis“. Ich sollte mich ja auch in Herford einer ärztlichen Prüfung unterziehen. Ich habe das abgelehnt. Die höheren Dienststellen sagen ja doch: „Und wenn er tausend Heilungen vollzieht, die Genehmigung erhält er nicht.“

Bevor ich Herford verließ, sagte der Oberstadtdirektor: „Nicht 500 Beweise, nur fünf brauchen Sie zu erbringen.“ Ich bringe ja die menschlichen Beweise. Noch bevor ich bekannt wurde, habe ich geheilt. Wenn man plötzlich da und dort sagte: „Es ist ein Wunder geschehen“, dann habe ich geschwiegen und ruhig weitergearbeitet, ich wollte keine Propaganda machen. Man sagte in Herford: „Nervenleiden können Sie ja heilen, aber keine organischen.“ Zufällig kam zu dieser Besprechung ein Herr, der ein schwer organisches Leiden hatte. Er sollte operiert werden, lag auch schon auf dem Tisch, als die Ärzte feststellen mussten, dass eine Operation nicht mehr nötig war. Die drei Professoren wollten diesen Fall trotzdem nicht anerkennen. Sie legten nur Wert auf den Fall von Hülsmanns Sohn.

Ich habe Beweise gehabt, aber man hat versucht, mich totzuschweigen, mich zu unterdrücken. Das ist nicht geschehen. Ich habe gesagt, wenn es nicht Deutschland ist, dann ein anderes Land. Das Ausland wartet, aber ich habe den Deutschen versprochen, erst ihnen zu helfen.

Jeden Tag sind Ärzte bei mir gewesen, aber keiner hat auch nur den Namen derer notiert, die wieder sehen konnten und so weiter und so fort. Was brauche ich noch Beweise zu erbringen? Ich brauche kein Geld. Und ich halte es für richtig, dass kein Mensch in der Lage ist, sich die Gesundheit zu erkaufen.

Presse: Nun, auf Ihren Vorschlag zurückzukommen: In der Presse ist es nicht so üblich, dass einer autorisiert wird, um alle Heilungen zu unterrichten.

Bruno Gröning: Dann wird meine Begleitung Sie davon unterrichten, wo ich mich befinde.

Presse: Werden Sie in Hamburg einen bestimmten Platz haben, wo Sie immer wieder einkehren? Werden Sie hin- und herpendeln?

Bruno Gröning: In Zukunft wird alles geordneter zugehen. So geht es nicht wie im Augenblick.

Oberregierungsrat Müller: Verhandlungen wegen Niederlassung und Räumlichkeiten sind im Gange, die morgen zum Abschluss kommen.

Presse: Setzen Sie sich in jeden hinein oder handeln sie intuitiv?

Bruno Gröning: Ich zerbreche mir nicht den Kopf dabei. Darüber denke ich gar nicht nach. Ich tue nichts dazu. Ich bin dann so eingeschaltet, wenn der eine oder andere in seinem Glauben kommt.

Presse: Haben Sie eine Erklärung dafür? Üben Sie die Heilung bewusst aus? Sind Sie sehr religiös?

Bruno Gröning: Ja. Ich glaube an Gott. Ich lebe mit Gott.

Presse: Glauben Sie auch an das Wunder?

Bruno Gröning: Ich wundere mich über nichts mehr. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit. Ich sag es nur, dann geschieht es. Ich berühre den Menschen nach Möglichkeit gar nicht. Ich lasse die Leute in einem anderen Raum sitzen. Heute Nacht habe ich Fernheilungen durchgeführt nach dem Ausland, nach Kanada. Mein Bestreben geht dahin, Menschen zu helfen, aber dafür kann ich nicht. Fragen sie Herrn Hülsmann, um den Menschen das Wissen zu geben, wer ich bin.

Ich weiß, dass ich gestern vielen Menschen mit organischen Leiden geholfen habe. Ein Blinder rief heute Morgen an. Er habe große Schmerzen. Ich nahm den Hörer: „Sehen Sie gar nichts?“ – „Nein“ – „Schließen Sie die Augen!“ – – – „Und jetzt auf!“. Kurz darauf sagte er: „Ich sehe schon Schatten!“ – „Was machen Ihre Schmerzen?“ – „Die habe ich gar nicht mehr, in meinem Körper ist ein Kribbeln – verschwindet jetzt“.

Ich will den Ärzten nicht das Butterbrot nehmen. Ich möchte den Menschen helfen, denen die Ärzte nicht mehr helfen können. Und wo die Ärzte ratlos stehen, die Krankheit nicht definieren können, dann bin ich da.

Presse: Können Sie auch Krankheit geben?

Bruno Gröning: Ja, das kann ich. Aber das tue ich nicht. Und ich bin stolz darauf, so eingestellt zu sein.

Quelle: Archiv Bruno Gröning Stiftung

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