Aus der Arbeit von Bruno Gröning

Anny Freiin Ebner von Eschenbach, 1960
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Von Benediktbeuren aus fuhr ich wieder einmal, es war im Jahre 1952, zu einem Vortrag von Bruno Gröning, dieses Mal nach Tutzing. Dort waren in dem kleinen vegetarischen Ferienheim „Sonnenblick“ etwa 60 Personen zusammengekommen. Herr Walter Einbeck führte die Gäste mit Worten des Arztes Paracelsus in das Wirken des großen, aber heftigst bekämpften Heilers Gröning ein.

Er sprach von der göttlichen Kraft, wie sie über das Seelische in den Menschen eintritt, über den Astralkörper zum Ätherkörper und schließlich in den stofflich-physischen Leib. Er wies aber auch darauf hin, wie notwendig es ist, in der inneren Stille zu weilen und nicht mit eigenen Gedanken störend einzuwirken, sich somit zu versperren, sondern im Gegenteil, je besser der Mensch sich innerlich öffnet, umso stärker vermag er die göttliche Kraft aufzunehmen. Sodann wurden Stanniolkugeln ausgeteilt.

Bruno Gröning saß während dieses Einführungsvortrages mit seiner Frau auf einem der rückwärtigen Plätze. Als er nun nach vorne kam, ging er gleich auf einen jungen Mann zu und sprach ihn an: „Warum funken Sie mit Ihren Gedanken immer dazwischen? Warum sind Sie überhaupt hergekommen?“

Der junge Mann erwiderte spöttisch, aber sehr verlegen: „Nicht wegen mir, sondern für jemand anderen!“

Gröning darauf: „Sie können nur weitergeben, wenn Sie selbst aufgeschlossen sind, aber so nicht!“

Daraufhin wandte er sich an eine Dame in der ersten Reihe mit den Worten: „Was empfinden Sie?“

„Leider nichts!“, war die Antwort.

„Können Sie auch nicht, denn Ihre Gedanken wandern immer herum!“, sagte Bruno Gröning.

Als er dann eine andere Frau ansprach, sagte dieselbe: „Ich höre schlecht!“

Bruno wendete sich ab mit den Worten: „Das brauchen Sie mir gerade zu sagen!“

Bruno Gröning erklärte anschließend, wie die Gedanken an die Krankheit diese festhalten, und wie hierdurch die göttliche Kraft im wahrsten Sinne des Wortes abgehalten wird. „Ich bringe Ihnen ein Geschenk, sagen wir eine Schachtel Pralinen, aber ich kann sie Ihnen nur anbieten, nehmen und essen müssen Sie schon selbst!“

An eine Frau gewendet, frug er: „Was geht in Ihnen vor?“

„Ach, ich habe das Gefühl, wie wenn in mir Steine nach unten fielen!“

Darauf Gröning: „Ja, Sie hatten fünf Magengeschwüre, stimmt‘s?“

Erstaunt sagte die Frau:„Ja, und ich hatte immer furchtbare Magenschmerzen – nun sind sie weg!“

„Gut, holen Sie sie nicht mehr herbei, lassen Sie sich beim Onkel Doktor untersuchen, ob er noch etwas findet!“

Man sah Bruno Gröning an, dass er sich freute, was immer der Fall war, wenn Menschen das Geschenk Gottes annahmen, das heißt die göttliche Kraft wirkungsvoll erlebten.

Ich beobachtete inzwischen den anfangs zurechtgewiesenen jungen Mann und sah, dass er einen ganz roten Kopf hatte. Bruno redete ihn auch wieder an: „Na, wie ist es nun?“ „Mir ist sehr heiß und im Kopf etwas komisch!“ antwortete dieser.

„Gut, nun sagen Sie der Betreffenden einen Gruß, und sie soll Ihnen sagen, was in dieser Minute, es ist 17 Uhr 21, mit ihr los war. Und immer schön sich einstellen, auch für Sie ist das notwendig!

Ganz kleinlaut sagte der Mann: „Ja!“

Anschließend gingen wir in einen kleinen Nebenraum. Bruno wehrte jedoch ab, als nochmals Leute zu ihm wollten, um ihn, wie er sagte, zu bedrängen. „Ich bin jetzt noch so sehr bei meinen Kranken, da kann ich mich nicht so schnell herausreißen und zum Menschen machen.“

Es durfte eine Frau herein, welche von der Heilung ihres schweren Darmleidens erzählte. Seit Jahren konnte sie nicht ohne Mittel und Eingriff Stuhlgang von sich geben, selbst nicht nach einer schweren Operation. Doch als sie unter der Menge am Traberhof stand, überfiel sie plötzlich ein Drang und sie konnte mit größter Eile ein Örtchen erreichen. Seitdem geht alles ohne Weiteres. Darauf fragte Bruno Gröning: „Warum haben Sie das nicht im Saal den anderen erzählt?“

Entsetzt sagte die Frau: „Aber Herr Gröning, so etwas kann man doch nicht öffentlich erzählen!“

„Oh“, sagte Bruno, „was zum Mund hineingeht, ist wichtig, aber was hinten hinausgeht, ist noch wichtiger!“

Während dieser Unterhaltung hielt ich ein Bild eines Kriegsblinden in der Hand und wollte abwarten, bis die Unterredung beendet sei. Aber mitten darin nahm mir Bruno das Bild aus der Hand, konzentrierte sich einige Sekunden darauf und sagte zu mir: „Fragen Sie ihn, was er um diese Zeit“ – er sah auf seine Armbanduhr – „empfand.“ Als ich ihn dann bat, ob ich ihm diesen Blinden zum nächsten Vortrag in Gräfelfing persönlich zuführen dürfe, sah mich Bruno gütig an und erwiderte: „Ja, weil Sie darum bitten!“

Dann kamen noch einige Menschen herein und gaben Bruno Rosenkränze, Anhänger usw. in die Hand, damit er „es“ anspreche. Außerdem baten sie um Unterschriften.

Auch ein ganz altes Mutterle kam und klagte sehr über Kopfschmerzen.

„Mutti, wie alt sind Sie?“, frug Bruno Gröning.

„74 Jahre!“

„Ach, 47 Jahre?“, meinte Bruno und machte über ihrem Kopf eine streichende Bewegung mit seiner Hand und gab ihr eine Kugel. Verwundert sah sie ihn an: „Nun ist das Kopfweh wie weggeblasen, ich danke schön!“

„Nicht mir danken, immer schön Gott bitten und danken, Mutti, dann ist das Leben nicht so schwer, wie es bisher für Sie war!“

Als sie draußen war, sagte Bruno zu uns, dass dieses Frauchen viel Schweres durchmachen musste, ihren Mann und drei Söhne im Krieg verloren habe, und nun bei sehr bösen Menschen sei. Er bat, sich die Adresse geben zu lassen, damit man ihr helfen konnte.

Im Anschluss an diese Heilungsvorgänge, die jedes Mal sehr eindrucksvolle Erlebnisse darstellten, waren wir bei Prof. Hölscher eingeladen. Dort in seiner Villa traf sich ein kleiner Kreis von Künstlern. Elly Ney und Prof. Hölscher spielten einige Stücke auf dem Klavier und dem Cello vor, in einem großen schönen Musikraum.

„Ich habe nie Zeit, in einem Konzert Musik anzuhören“, sagte mir Bruno Gröning am Schluss des Abends, „aber ich höre auch so Musik.“

Damit brachte Gröning zum Ausdruck, dass er auch so begnadet war, geistige Musik zu hören.

 

Quelle:
Josette Gröning (Hrsg.): Der geistig-seelische Heiler (Denkendorf bei Plochingen/Neckar 1960) Nr. 3, S. 34-36