Ernst Braun

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Augsburg, 14.4.1953
Brief an Bruno Gröning
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Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst.


Ernst Braun, Augsburg 10, Haspingerstr. 4

Augsburg, den 14. April 1953

Sehr geehrter Herr Gröning!

Am Dienstag, dem 31. März 1953, kam ich zu Ihnen mit dem festen Vertrauen und der Hoffnung darauf, dass Sie mir helfen werden. Sie waren meiner festen Überzeugung nach der Einzige, der imstande war, mich von meiner Krankheit zu befreien.

Ich bin noch nicht ganz 24 Jahre alt und war schon mit einem schweren Nierenleiden behaftet. 1947 sind die Schmerzen zum ersten Mal aufgetreten. Vermutlich ist der Ausbruch zurückzuführen auf einen Sturz beim Skifahren. Ich musste daraufhin mehrere Wochen ins Krankenhaus und wurde entlassen mit der Feststellung, dass meine rechte Niere „tot“ sei. Bei späteren Untersuchungen hat sich ergeben, dass meine Niere doch noch ein klein wenig arbeite. Nach einem Aussetzen der Schmerzen bis 1951/52 brachen sie im Winter 1952 mit größter Heftigkeit herein. Vom Januar 1953 bis März hatte ich z. B. 21 Tage Nierenschmerzen. Ich konnte damit rechnen, dass ich jede Woche ein paar Tage im Bett liegen musste. Abgesehen von den oft rasenden Schmerzen bedeutete dieses Leiden für mich einen schweren Hemmschuh in meiner beruflichen Laufbahn. Im Sommer des vergangenen Jahres habe ich mein Studium in München abgeschlossen. Sofort nahm ich eine Stelle in einem Industriebetrieb an. Infolge meiner Krankheit fehlte ich derart häufig, dass ich mir sagen musste, lange kann das so nicht weitergehen.

In der Zwischenzeit war ich nicht müßig und bin von einem Arzt zum anderen gegangen. Ich war in Augsburg, München und Ulm. Aber überall mit dem gleichen Ergebnis. Niemand konnte mir helfen. Sogar Schmerzlinderungsmittel waren häufig ergebnislos. Von ärztlicher Seite sagte man mir schließlich, ich werde nur dann Ruhe bekommen, wenn ich mir die Niere herausnehmen lasse. Andere jedoch behaupteten, es sei möglich, dass die umliegenden Organe schon so in Mitleidenschaft gezogen wurden, dass die Beseitigung der Schmerzen durch eine Operation nicht garantiert werden könne.

Glücklicherweise unterstehe ich einem sehr verständnisvollen Chef. Aber außerhalb des Berufes war ich so lustlos und niedergeschlagen. Ich war doch noch so jung und wie waren meine Aussichten! Ein jahrelanges Studium unter großen Entbehrungen wäre doch nahezu nutzlos gewesen. Und immer in der Angst leben, alle Augenblicke können die Schmerzen wiederkommen, denn sie blieben ja nie aus.

In der Kleidung und im Essen habe ich mich umgestellt. Ich tat es gerne, meiner Gesundheit zuliebe. Aber es war alles umsonst. So wie die Schmerzen nach ein paar Tagen vergingen, so bestimmt kamen sie wieder. Unabhängig von mir bekannten Einflüssen, obwohl ich alles tat, um neue Anfälle zu vermeiden.

Ich wusste oft nicht mehr, wie es weitergehen sollte.

Ich bin verlobt. Meine Braut war in der langen Zeit meiner Krankheit so gut wie vorher, als ich noch gesund war. Sie hat mir auch immer neue Hoffnung gegeben. Und diese Hoffnung setzte ich dann ganz auf Sie. Plötzlich sagte ich, jetzt kann nur noch einer helfen, der Herr Gröning. Warum ich nicht früher den Weg zu Ihnen gegangen bin, weiß ich nicht. Vielleicht aber musste es so sein.

Täglich habe ich zu Gott gebetet, ob ich Schmerzen hatte oder nicht. Ich dankte ihm, wenn ich einmal einige Tage „wohlauf“ war. Ich bat für Linderung, wenn ich in Schmerzen dalag. Kein Tag verging, wo ich nicht für meine Gesundheit betete. Und dann auf einmal kam mein Entschluss: Nur noch der Herr Gröning kann mir helfen. Ich war überzeugt, dass Sie mich heilen würden, auch in meinem Falle, wo es sich um ein rein organisches Leiden handelt, denn Dr. Hösel, Chefarzt der urolog. Klinik in Ulm, sagte, ich hätte eine Sackniere.

Schon hatte ich mich zur Fahrt zu Ihnen angemeldet, als ich erneut heftige Schmerzen bekam. In diesen Stunden beschäftigte ich mich ganz fest mit Ihnen, las Ihr Buch und bat Sie in Gedanken um Ihre Hilfe. Der Anfall wurde derart stark und auch von dauerndem Erbrechen begleitet, dass meine Mutter den Arzt holen musste. Schmerzlinderungsmittel waren das Einzige, was ich bekam. Dieses Mal dauerte es vom 23. März bis zum 28. März. Wenn ich es heute überdenke, so glaube ich, dass es Regulierungsschmerzen waren. Jetzt war ich ja voller Zuversicht. Ich war überzeugt, mein Herr Christus würde mich schon den richtigen Weg führen, zu Ihnen, Herr Gröning.

In Ihrem Heftchen habe ich gelesen, dass man Zweiflern vor der Heilung nichts sagen sollte, da dies stören könnte. Ich habe es nicht getan. Allen Leuten in meinem Büro erzählte ich davon, auch meinem Chef, dem Prokuristen des Hauses. Dieser, wie auch die meisten anderen Mitarbeiter glaubten und hofften mit mir. Meine Braut war so fest überzeugt, dass Sie mich heilen würden, wie ich und meine Eltern. Zweifler, und es sind erfreulicherweise nur wenige, waren mir damals wie auch heute unbeachtlich.

Und dass ich recht behalten habe, das sagte mir der 31. März, der Tag, an dem ich zu Ihnen kam. Was ich gespürt habe, brauche ich Ihnen ja nicht noch einmal zu erzählen. Von da ab war ich überzeugt, jetzt geht es wieder aufwärts. Ich bin wieder gesund. Frohen Herzens bin ich wieder heimgefahren. Und Ihre Worte, die Sie mir zum Abschied sagten, werde ich nie vergessen: „Sie haben sehr viel gebraucht; Sie haben aber auch alles genommen, was ich Ihnen gegeben habe.“ Mein Vertrauen war vollkommen gefestigt.

Dies konnte auch nicht im Geringsten erschüttert werden, als ich am 9.3. mit etwas Nierenschmerzen aufwachte. Ich nahm meine Hilfe und eine Auflage, die ich von Frau Drexel bekommen habe, und bald waren die Schmerzen vollkommen verklungen. Es verblieb nur ein dauerndes Erbrechen. Ich nahm es gerne in Kauf, zumal ich glaube, dass es Regulierungserscheinungen waren.

Seit dem 31.3. geht es von Tag zu Tag wieder aufwärts. Ich bekomme wieder Appetit, werde wieder lebenslustig, kann wieder froh sein. Jeden Tag danke ich Gott dafür, dass ich wieder gesund werden durfte. Und jeden Tag verweilen meine Gedanken dabei, dass Sie es waren, der mir geholfen hat, Herr Gröning. Ich danke Ihnen heute nochmals von ganzem, ganzem Herzen dafür, dass Sie mir geholfen haben. Ich weiß wie viel es ist, was ich Ihnen verdanke. Mein ganzes Leben darf wieder eine andere Bahn nehmen.

Schon immer habe ich mir vorgenommen, ein recht anständiger und guter Mensch zu sein. Durch Ihre Heilung fühle ich mich mehr denn je dazu verpflichtet. Jeden Tag danke ich dafür, dass ich wieder gesund werden durfte. Nacht für Nacht nehme ich meine Hilfe und schlafe damit ein. Damit will ich alles recht tief in mich dringen lassen.

Bitte, Herr Gröning, denken Sie doch wieder einmal an mich.

Und bitte helfen Sie auch meiner Braut und meiner Mutter. So fest, wie sie davon überzeugt waren, dass mir geholfen wird, so glauben sie auch, dass ihnen geholfen wird. Herr Gröning, bitte helfen Sie ihnen, ich glaube fest daran. Wenn es vielleicht auch nicht notwendig ist, so möchte ich Ihnen doch die Namen sagen: Meine Mutter: Sophie Braun, Augsburg; meine Braut: Elfriede Hehr, Augsburg.

Für Ihre Hilfe, die Sie mir brachten und die Sie auch meiner Mutter und meiner Braut zuteil werden lassen, danke ich Ihnen nochmals aus tiefstem Herzen. Vielleicht kann ich Ihnen irgendwie einmal einen Dienst erweisen. Bitte lassen Sie es mich dann wissen. Vorerst glaube ich, Ihnen meinen Dank damit am besten zu beweisen, dass ich nach Gottes Wort lebe und insbesondere Ihre Worte beherzige, die Sie über gut und bös aussprachen.

Von dem Inhalt meines Briefes, oder auch auszugsweise, können Sie jederzeit Gebrauch machen unter voller Nennung meines Namens und Anschrift. Ich bin gerne bereit, Ihnen mitzuteilen, wie es mir nach Ablauf einer gewissen Zeit geht. Ohnehin möchte ich, sobald es mir gelingt, wieder zu Ihnen kommen.

Wie ich Ihnen danken will, das habe ich Ihnen oben mitgeteilt. Ich weiß, dass ich der Wiedererlangung meiner Gesundheit nicht mit Geld begegnen darf. Die beiliegenden 20 Mark sollen auch in diesem Sinne nicht eine Bezahlung Ihrer Hilfe sein, da ich mir sehr wohl klar darüber bin, dass Derartiges nicht bezahlt werden kann. Aber ich glaube, dass es bei Ihnen selbst am besten angebracht ist, da so vielen Leuten durch Sie geholfen werden kann.

Abschließend spreche ich die Hoffnung aus, dass Sie nun endlich einmal Ihre offizielle Zulassung bekommen werden.

Mit dem Versprechen, dass ich Ihnen stets für Ihre Hilfe dankbar sein und dementsprechend leben und sein will, danke ich Ihnen nochmals von ganzem Herzen.

In tiefer Dankbarkeit

Ihr

Ernst Braun

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung