Aus der Fülle der Erlebnisse und Begegnungen mit Bruno Gröning

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Hilde Riedinger, undatiert
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Lassen Sie mich aus der Fülle der Erlebnisse und Begegnungen mit Bruno Gröning heute einiges berichten:

Erstmalig trafen wir mit ihm im Hause eines früheren Kollegen meines Mannes zu-sammen. Der Sohn dieses Kollegen, der an Muskelatrophie litt, war mit seiner Mutter zuvor bei Bruno Gröning in München gewesen, und Bruno Gröning hatte versprochen, nach Karlsruhe zu kommen, sobald ihn dort eine größere Zahl Hilfesuchender erwarten würde.

Bei unserer Ankunft im Hause des Kollegen war Bruno Gröning mit dem Sohn zu einem Spaziergang unterwegs. Bei seiner Rückkehr in das Haus – er hatte den Raum noch nicht betreten – setzte in meinem Körper ein starkes Durchströmen ein, das sich bei seinem Eintritt in das Zimmer noch außerordentlich verstärkte. Zunächst blieb er schweigend stehen, dann sprach er kurz zu uns. Anschließend richtete er an mich als erste die Frage: "Was stellen Sie Neues an Ihrem Körper fest?" Ich berichtete ihm über die starke Durchströmung mit dem Bemerken, dass ich die Durchströmung schon vor seinem Eintritt in den Raum verspürt hätte. Seine Antwort war: "Ich brauche ja nicht hier zu sein." Er legte mir ein Stanniolplättchen auf den Kopf mit der Aufforderung, meinen Körper auf das Neue, was in ihm vorgehe, zu beobachten. Ich bekam Kopfschmerzen. Er sprach dann der Reihe nach die übrigen Anwesenden an und kam dann auch zu meinem Mann. Die Frage, was er in seinem Körper Neues verspüre, beantwortete mein Mann wie folgt: "Wenn ich ehrlich sein soll, gar nichts!" Darauf Gröning: "Sie sollen ehrlich sein! Sie beschäftigen sich dauernd mit den Nöten Ihrer Frau, das stört die Wellen." Es war schon richtig, mein Mann war in großer Sorge um mich und deshalb nicht fähig, selbst Kraft aufzunehmen. Bei dieser ersten Begegnung war manches für uns noch rätselhaft geblieben, doch das sollte sich im Laufe der Zeit ja noch ändern.

Nach dem zweiten Besuch Bruno Grönings in Karlsruhe baten uns die Gastgeber, nach dem Vortrag noch dazubleiben. Den Ansatz zum Gespräch gab ein Kruzifix, das eine alte Frau Bruno Gröning zum Geschenk gemacht hatte. Ich saß neben ihm, und an mich richtete er nun die Frage: "Was bewegt Sie beim Betrachten dieses Kruzifixes?" Ich war zunächst um eine Antwort verlegen, weil die Einstellung gegenüber solchen Dingen sehr vielfältig sein kann. Dann bekannte ich aber meine Auffassung, nach der Christus ein gottgesandter Mensch war, der den Auftrag hatte, Menschen wieder zur Ordnung und zu ihrem Heil zu führen. Darauf erzählte ich, dass ich tags zuvor den Bernadette-Film angesehen hätte und dass ich mir das Erleben der Bernadette so erklärt hätte, dass sie ob ihrer großen gesundheitlichen Nöte – sie war ja schwer lungenkrank – zur Aufnahme heilender Kräfte besonders bereit und geneigt gewesen sein muss. Darauf bat mich Bruno Gröning, meine Erzählung zu unterbrechen, da er selbst zu uns reden wolle. Wir möchten ihn nicht stören und aufmerksam zuhören. Dann sprach er zu uns. Seine Worte, wiewohl schlicht und einfach, wirkten mit einer Gewalt auf uns ein, die nur schwer zu beschreiben ist. Am Ende seines Vortrages nahm er die Hände vor das Gesicht, und Tränen standen in seinen Augen. "Fürchten Sie sich nicht vor dem Tode", sagte er, "ich freue mich, wenn ich eingehe in die Herrlichkeit Gottes." Er forderte uns auf, das Gehörte gemeinsam zu Papier zu bringen. Aber obwohl der Vortrag von Bruno Gröning für uns alle ein großes Erlebnis bedeutet hatte, war es uns nicht möglich, das Gehörte niederzuschreiben. Es war das zweite Mal, dass ich Bruno Gröning erlebt hatte, und zwar am 16.3.1952.

Am anderen Morgen fuhren wir nochmals zu der Gastgeber-Familie, um Bruno Grö-ning zu sehen und ihm herzlichst zu danken. Ich hatte furchtbare Rückenschmerzen und konnte mich kaum gerade halten. Es war zweifellos die Reaktion auf den vergangenen Abend.

Wir trafen Bruno Gröning am Frühstückstisch an. Das Frühstücksei bot er mir zum Essen an. Ich wollte es zuerst nicht annehmen, da ich ja gefrühstückt hatte. Doch er schlug das Ei an meinem Kopf auf, das schien mir irgendwie bedeutsam, und ich aß das Ei. Darauf war mir, als ob eine unsichtbare Hand meine Schmerzen vom Rücken abgezogen hätte. Ich begann zu weinen vor Glück, und auch Bruno Gröning standen die Tränen in den Augen. Er schenkte mir sein Bild mit der Widmung: "Aus Dankbarkeit." Mir war im Augenblick nicht bewusst, warum "aus Dankbarkeit", wo doch die Dankesschuld allein bei mir liegen musste. Später erst wurde mir bewusst, dass der Dank Bruno Grönings meiner Schilderung über Bernadette am vergangenen Abend gegolten hat. Bei der Übergabe des Bildes bemerkte er: "Das habe ich noch niemandem geschrieben."

Wir nutzten in der Folge jede Gelegenheit, mit Bruno Gröning zusammenzutreffen. Wenn nicht hier in Karlsruhe selbst, so an anderen Orten, wo er jeweils im südwest-deutschen Raum sprach. Wir erlebten auf diese Weise sehr vieles, was unser Wis-sen um Lehre, Wesen und Wirken Bruno Grönings erweiterte und vertiefte.

Voraussetzung für jeden Erfolg auf diesem Wege ist der von jedem Zweifel freie, bedingungslose Glaube daran, dass wir unsere Heil bringenden, guten Gedanken verwirklichen können, wenn wir sie nur kompromisslos realisieren.

Ein weiteres Erlebnis hatte ich, als wir einmal bei Herrn Direktor Weisser in Stuttgart mit Bruno Gröning zusammentrafen. Frau Weisser war lange Jahre gelähmt und hatte viele Ärzte konsultiert. Es konnte ihr niemand helfen. Schließlich hat sie durch Bruno Gröning Heilung gefunden.

Bei unserem Besuch fanden sich noch zwei Männer mit einem etwa 16 Jahre alten Jungen ein, die bei Bruno Gröning Hilfe suchen wollten. Sie befanden sich im Zim-mer nebenan. Als Bruno Gröning zu ihnen hineinging, bat ich, mitkommen zu dürfen. Er gestattete mir dies. Bruno Gröning sprach zuerst zu den Dreien, um dann zu fragen: "Sie wissen ja, wozu Sie gekommen sind. Sie wollen helfen, und das ist schön, aber Sie müssen glauben und Vertrauen haben." Und dann sagte der eine Mann – er war wie verzaubert –: "Ja, Herr Gröning, ich glaube, ich glaube, ich glaube!" Darauf Bruno Gröning streng: "Sprechen Sie nicht so viel von Glauben, tun Sie es!" Dieses "Tun Sie es" ist mir immer wieder in Erinnerung gekommen, und mir wurde klar, wie entscheidend das "Tun Sie es" für jeden Erfolg ist.

Zu einer Gemeinschaft in der Nähe von Heilbronn waren Leute gekommen, um Bruno Gröning zu erleben. Die Menschen warteten in einer Schule auf Bruno Gröning. Er selbst hielt sich in einem benachbarten Hause auf, dessen Besitzer selbst Heilung gefunden hatte. Auch wir waren zugegen. Da kam ein aus Korea zurückgekehrter Missionar, der schwer krank war, in den Raum. Er konnte kaum gehen und trug eine schwarze Brille. Und er hat Bruno Gröning gefragt: "Sagen Sie, Herr Gröning, was wird das noch werden? Was ich erlebt habe und was die dort drüben machen und wie sie schon die kleinsten Kinder ausbilden, wenn ich mir das alles vorstelle! Und was ich durchgemacht habe und was man sonst mit den Menschen angestellt hat, es ist schrecklich! Ich kann Ihnen das gar nicht beschreiben." Bruno Gröning schwieg zunächst. Der Missionar fragte dann: "Warum wendet Gott das nicht ab?" Darauf Bruno Gröning: "Manches muss sein!" Er forderte den Missionar auf, seine schwarze Brille abzunehmen, zu hüpfen und die Arme zu bewegen. Vorher hatte sich der Missionar kaum bewegen können, und sein Sehvermögen war auch sehr schlecht. Bruno Gröning fragte ihn anschließend, wie es ihm jetzt gehe. Darauf der Missionar: "Herr Gröning, ich bin wunderbar frei!" Anschließend gingen wir in den Schulsaal, und Bruno Gröning sprach zu den Anwesenden. Auch hier hatten etliche Menschen ihre Beschwerden verloren, wie uns später berichtet wurde.

So haben wir in jeder Gemeinschaft Erfolge erlebt und daraus erfahren, wie einfach es klingt: "Glauben Sie, vertrauen Sie, tun Sie es" – und wie schwer es ist, das in die Tat umzusetzen, wenn man selbst große Beschwerden hat. Das habe ich des Öfte-ren an mir selbst erlebt.

Ich hatte viele Schmerzen, die von Bandscheibenschäden herrührten. Nach einem Vortrag von Bruno Gröning steigerten sich diese ins Unerträgliche, sodass ich kaum gehen, sitzen oder liegen konnte. Es war zweifellos die Reaktion auf den Vortrag von Bruno Gröning. Ich legte mich hin, weinte und begann mit mir selbst zu hadern und mich anzuklagen: "Warum verstehe ich es noch nicht, mich von meinen Schmerzen zu lösen?" Plötzlich kam mir der Gedanke – der entscheidend war –: "Wenn du jetzt plötzlich aufstehen und gehen würdest, wie wenn du überhaupt keine Beschwerden hättest, wenn du glaubtest und vertrautest, du könntest davonspringen, jetzt abschalten, und wie beim Auto einen anderen, gesunden Gang einlegen", so war bei mir die Vorstellung, und danach handelte ich. Spontan sprang ich von der Liege auf und rannte im Zimmer umher. Alle Schmerzen waren weg, und ich begriff, dass man dem Ungemach nur so entrinnen kann. Mein Mann sah mich ganz groß an. Mir selbst wurde erneut klar, wie entscheidend für eine Heilung die Worte "Tun Sie es" sind. Ich war also vorher auf meinen Schmerzen sitzen geblieben und bin durch mein rasches und entschlossenes Denken und Handeln frei geworden. "Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft." So lehrte uns Bruno Gröning. Ein andermal war bei mir nach einem Vortrag die Reaktion außerordentlich stark. Ich bekam zuerst einen Schnupfen und anschließend große Atemnot, die sich bis zum Abend noch steigerte. Ich war allein zu Hause, da mein Mann dienstlich verreisen musste. Deshalb bat ich meine Schwester, die Nacht über bei mir zu bleiben, forderte sie aber auf, mich mir selber zu überlassen. Sie wusste, dass sie mich auf dem Weg der geistigen Heilung, den uns Bruno Gröning gewiesen hatte, nicht stören durfte.

Ich saß allein im Zimmer. In meiner Not klammerte ich mich an die vielen, mir be-kannten Berichte über Heilungen. Und so wurde ich in dem Glauben bestärkt, dass auch mir geholfen würde. Nach etlichen Stunden der Atemnot befiel mich mit solcher Macht der Gedanke: "Trinke etwas Heißes!" Der auf dem Ofen stehende, sprudelnde Wasserkessel unterstützte diese Vorstellung. Ich füllte in mein Glas etwas Rotwein, den mir mein Mann bereitgestellt hatte, und schleppte mich mit letzter Kraft zum Ofen. Ich übergoss den Wein mit dem heißen Wasser und trank schluckweise das warme Gemisch. Ich spürte, wie die Atemnot zusehends schwand und ich wieder frei atmen konnte. Ich ging zu Bett, wurde sehr stark durchströmt und schlief bald darauf ein. Als ich am Morgen erwachte, war ich vollkommen frei und ein glücklicher Mensch. Ich hatte in diesem Falle die Erkenntnis gewonnen, dass einem bei gläubigem Vertrauen die Hilfe bringenden Gedanken zufallen.

Bald darauf habe ich eine herbe, aber lehrreiche Erfahrung machen müssen. Ein Bekannter meines Mannes besuchte uns und brachte seinen schwer lungenkranken Freund mit, der von mir hören wollte, welche Beschwerden ich durch die Vorträge Bruno Grönings verloren hätte. Ich berichtete ausführlich darüber. Er hörte mir aufmerksam zu, konnte sich aber nicht entschließen, zu Bruno Gröning zu kommen. Diese Entscheidung bleibt eben jedem selbst überlassen. Nachdem die Männer weggegangen waren, befiel mich wieder die Atemnot, doch nicht so stark wie früher. Es war mir damals noch nicht bewusst geworden, dass ich mit der Erzählung meiner Krankheitsnöte all die früheren Beschwerden wieder herbeigeholt hatte. Die Belehrung darüber erteilte mir beim nächsten Besuch Bruno Gröning selbst mit dem folgenden Gleichnis:

Er sagte zu mir: "Ihrem Mann gefällt Ihr altes Kleid nicht mehr, er kauft Ihnen ein neues; warum tragen Sie einmal das neue Kleid auf dem alten und dann wieder das alte Kleid auf dem neuen? Tragen Sie doch das neue Kleid allein! Haben Sie mich verstanden?" Mir war sofort klar geworden, dass ich durch das Berichten über meine frühere Krankheit die alten Beschwerden wieder zurückgerufen hatte. So schnell zieht das Böse, wie Bruno Gröning sagte, wieder in den Körper ein.
Halten wir alle also unsere Gedanken immer auf das Gute gerichtet!

"Wer an die Krankheit denkt, hat Gott vergessen,
wer sie besitzt, hat Gott verlassen.
Reich sein, heißt gesund sein",

so hat uns Bruno Gröning gelehrt.

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung