A. R.

ohne Ortsangabe, 10.6.1955
Brief an Bruno Gröning
Abschrift (PDF)

 

Sehr geehrter Herr Gröning!

Es sind nun gerade zehn Jahre verflossen, seitdem mich mein Arzt infolge eines Lungendefektes in ein Sanatorium einwies.

Befund: Cavernöse Tuberkulose des rechten Lungenflügels unter dem Schulterblatt. Nach sechsmonatiger erfolgloser Kur wurde ein Pneu-Motorax angelegt und kurz darauf die Kaustik vorgenommen. Wiederum folgten Kuren während fast drei Jahren. 1949 heiratete ich, und kurz darauf erwartete ich ein Kind. Die Voraussetzungen zu einem mehr oder weniger schweren Rückfall waren geschaffen und von den Ärzten befürchtet. Richtig kam im vierten Monat eine katastrophale Brustfelltuberkulose hinzu. Trotz zehnmonatiger strenger Kur und ständiger Bettruhe, trotz wöchentlichen Punktionen und erstklassigen Medikamenten konnte von Besserung keine Rede sein. Der Pneu konnte nicht mehr aufgefüllt werden, die Temperatur wollte nicht zurück, die Blutsenkung war ca. 72. Der Kurarzt stellte mir nochmals eine zweijährige Kur in Aussicht. So war mein Zustand als ich von Ihnen hörte. Auf meine Bitte hin erhielt ich Ihre Stanniolkugel und durch allzu langes Siechtum mürbe gemacht, glaubte ich unerschütterlich an Ihre Kraft.

Krank wie ich war, kehrte ich nach Hause zurück. Sechs Wochen später war meine Brustfelltuberkulose vollständig geheilt. Etwas später erholte sich auch die Lunge, und die Ärzte standen vor einem Rätsel. Einen Rückfall habe ich nie mehr erlitten.

Für Ihre Hilfe danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Gebe Gott Ihnen weiterhin die Kraft, kranken Menschen auf diese wunderbare Art zu helfen.

Ich habe Ihnen in meinem letzten Schreiben vor ca. vier Jahren mitgeteilt, dass Sie bei uns immer willkommen sein werden. Ich wiederhole es heute, denn es würde mich außerordentlich freuen, Ihnen persönlich meinen Dank auszusprechen.

Mit herzlichen Grüßen

A. R.

 

Quelle:
FREIE ARBEITSGEMEINSCHAFT BRUNO GRÖNING (Hrsg.): Das Tor zum Weg (Stephanskirchen bei Rosenheim 1960) S. 11-12