E. Z.

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P., 7.4.1957
Brief an Bruno Gröning
Abschrift (PDF)

 

Dankschreiben
an Herrn
Bruno Gröning
Plochingen-Stumpenhof
Im Dornendreher 117

In der Nacht vom 24. Oktober 1951 war ich plötzlich von einer bösen, heimtückischen Krankheit befallen worden. Ich hatte plötzlich starken Schwindelanfall bekommen und zitterte am ganzen Körper so stark, dass ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Es überkam mich ein Gefühl, als ginge in meinem Körper alles unter- und übereinander. Besonders im Kopf empfand ich eine komische Leere. Ich schleppte mich gerade noch zu meinem Bett. Als dies nach einer Weile etwas abgeklungen war, merkte ich, dass ich an meinem linken Auge im Sehen behindert war und dass ich nicht mehr aufrecht gehen konnte. Alles schwankte unter mir, und ich hatte das Gefühl, als ginge der Boden, unter mir weg. Dasselbe wiederholte sich nach einigen Tagen noch einmal.

Der sofort zugezogene Arzt stellte Blutgerinnsel am Auge fest, das die Netzhaut verletzt habe. Das Auge konnte deshalb kein klares Bild mehr geben. Es stellten sich auch noch Gleichgewichtsstörungen und Herzbeschwerden ein. Ich war von diesem Zeitpunkt an nicht mehr fähig, mich im Hause frei zu bewegen, noch auf die Straße zu gehen. Stets hatte ich das Gefühl, ich müsste umfallen.

Mehrere Ärzte, die wir zugezogen hatten, konnten mir nicht helfen. Auch ein zugezogener Heilpraktiker (X.) und ein homöop. Arzt (Dr. X.) hatten keinen Erfolg bringen können. Ebenso wusste der zugezogene Augenarzt keinen Rat. Seitens der Ärzte wurde auch festgestellt, dass der Blutdruck zu hoch sei. Ich war der Verzweiflung nahe, und ich fristete noch ein Leben ohne Mut und Freude. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich damit abzufinden.

Ich verblieb nun bei dem Heilpraktiker unter ständiger Kontrolle, um möglichst zu verhindern, dass sich mein Zustand nicht noch weiter verschlechtern sollte. Der Heilpraktiker war ein sehr gütiger Mensch. Er versuchte alles, um mir zu helfen. Er war auch sonst sehr empfindsam und hatte für meine Lage großes Verständnis. Er hatte wirklich den Vorsatz, mir zu helfen und glaubte, es müsste ihm gelingen, hier etwas zu tun, aber es wurde nicht anders. Mein Zustand blieb derselbe.

So war ich schon seit 1951 leidend, als ich im Jahre 1954 Sie, Herr Gröning, kennen lernte.

Durch eine Familie H., die schon längere Zeit der Ortsgemeinschaft angehörte und Ihre Vorträge besuchte, erfuhr ich zum ersten Male von Ihnen, Herr Gröning, sowie, dass Sie auch nach P. kommen. Die Familie H. wollte mir in meiner großen Not und Angst helfen. So bat ich diese, es zu ermöglichen, dass ich in Verbindung zu Ihnen, Herr Gröning, kommen könnte. Herr H. überbrachte mir nun das Buch „Die große Umkehr“[1] und versprach mir, in den nächsten Tagen mit Herrn Sch., Gemeinschaftsleiter der Ortsgemeinschaft P.,vorbei zu kommen, da ich selbst nicht gehen (laufen) konnte. Dies war Mitte Februar 1954.

Herr Sch. kam sehr bald. Er hat mich über das Allernötigste und Wichtigste aus Ihrer Lehre aufgeklärt und mir zum Schlusse die Frage gestellt, ob ich alles begriffen habe und glauben könne. Dabei sagte er: „Es ist kein kleines Opfer, das Sie bringen müssen, es bedarf einer Umstellung, einer großen Umkehr!“ Ich bejahte seine Frage, denn ich wollte glauben.

Schon am gleichen Abend durfte ich an meinem Körper wahrnehmen, dass alles ganz anders war, als bisher. Es überkam mich eine starke Glaubenskraft an das GÖTTLICHE, und ich hatte plötzlich keine Angst mehr!

Zwei Tage später konnte ich schon frei am Spülstein stehen. Ich verspürte, wie eine große Wandlung in meinem Körper vorging.

Anfang März 1954 konnte ich in Begleitung zum ersten Male wieder das Haus verlassen. Ich durfte an der Gemeinschaftsstunde der Gröning-Freunde in P. im Hause Sch. zum ersten Male teilnehmen. Das war für mich ein großes Ereignis. Nun erst war mir klar, dass ich den Weg gefunden habe, den ich künftig gehen wolle, den Weg in die „göttliche Ordnung“, den Weg zu „GOTT“!

Am 20. März durfte ich Sie, Herr Gröning, zum ersten Male sehen und sprechen hören. Als Sie mir die Hand reichten, sagten Sie zu mir: „Fremd und doch nicht fremd!“ Was wusste ich damals, was in diesen wenigen Worten für ein reicher Inhalt lag. Es war das größte Erlebnis meines Lebens!

In derselben Nacht gegen 1:00 Uhr nach beendigter Gemeinschaftsstunde, besuchten Sie noch meinen Mann in der Wohnung, in Begleitung des Herrn Sch. und dessen Tochter. Mein Mann war kurz vorher (15. März) aus der Dr.-X.-Klinik in H. als unheilbar entlassen worden. Die Diagnose der Ärzte, die ihm nur noch einige Tage Lebensdauer zusprachen, lautete: „Lungentumor im vorgeschrittenen Stadium und Lebergeschwulst“. Man hatte ihn in H. nur noch unter Morphium gehalten, damit er nicht so sehr leiden musste.

Ich hatte ihm Ende Februar 1954 nach H. mitgeteilt, dass ich die Verbindung zu Ihnen, Herr Gröning, suchte. Er hatte nie zuvor von Ihnen gehört.

Als Sie, Herr Gröning, am Bette meines Mannes standen, sagten Sie: „Der Körper weist schon viele kalte Stellen auf!“

Unter anderem frugen Sie auch meinen Mann, was er in H. geträumt habe. Mein Mann erzählte darauf, dass sein Traum folgender war: „Ich habe Sie, Herr Gröning, so gesehen vor meinem Bett stehen, genau so sahen Sie aus, obwohl ich Sie noch nie persönlich gesehen habe, auch nie auf einem Bild.“ – „Aber Sie haben doch noch etwas geträumt“, sagten Sie, Herr Gröning. „Oh ja“, sagte mein Mann. „Ich sah, wie ich selbst in einen Sarg gelegt wurde und dahinter im Sonnenaufgang stand der Heiland und Sie, Herr Gröning!“

Zu mir gewandt sagten Sie noch: „Grübeln Sie nicht so sehr, und bauen Sie keine Mauer um den Vater; lassen Sie kommen was will, haben Sie keine Angst!“

Ich wusste damals noch nicht, dass ein jedes Wort, das Sie, Herr Gröning, aussprechen, eine besondere Bedeutung hat. Wir waren ja eben zu dieser Zeit noch Neulinge. Aber auch diese Worte konnte und werde ich nie vergessen. Bei Ihrem Weggange schenkten Sie, Herr Gröning, meinem Mann und meinem Schwiegersohn je eine Fotografie. Dieses Bild hat uns über die schweren und schwersten Stunden hinweggeholfen.

Bei mir selbst aber war die körperliche Ordnung schon so weit vorwärts gegangen, dass ich bis zum letzten Atemzug meines Mannes die Pflege selbst ausführen konnte. Die Pflege war keine leichte Arbeit. Die Schmerzen, die er hatte, waren sehr groß. Wenn es ganz schlimm war, dann habe ich mich zu ihm gesetzt, habe das Bild von Ihnen, Herr Gröning, vor mich gelegt und immer wieder um Erlangung der „göttlichen Kraft“ für meinen Mann gebeten. Und was das „Wunderbare“ daran war, mein Mann wurde dann stets für einige Zeit schmerzfrei und schlief regelmäßig dabei ein. Ich bin ja so dankbar, dass auf diese Weise mein Mann Erleichterung und sogar Schmerzfreiheit für einige Stunden erfahren durfte, indem er immer wieder zwischendurch schlafen konnte.

Nach Anordnung der H. Ärzte musste der P. Arzt Dr. X. weiterhin Morphium in Form von Tropfen verschreiben. Mein Mann sollte davon einnehmen, wenn die Schmerzen zu stark wurden. Er nahm aber keine mehr ein, weil, wie er sagte, ihm das alles doch nicht mehr helfen könne, sondern nur betäube. In H. habe er doch alles Mögliche eingespritzt und eingegeben bekommen, ohne dass sich der Zustand gebessert hätte, im Gegenteil, jeden Tag ging es, wie er selbst an sich wahrnahm, mehr abwärts. Wohl auf Weisung von H. wurde ihm von Herrn Dr. X. ein Blutbild gemacht und im Städtischen Krankenhaus P. ausgewertet. Dabei meinten die Ärzte, dass das Blutbild trotz der schweren Krankheit fast einem gesunden Menschen gleichkomme.

Für diesen Körper aber war schon ein anderer Weg bestimmt. So wie für alle Menschen in ihrer Erdgebundenheit einmal die letzte Stunde kommen wird, so war es auch hier. „Gott“ hatte eine andere Aufgabe für ihn und holte meinen Mann im schönsten SONNENAUFGANG heim, so wie er geträumt hatte. Es war am 11. Mai 1954, früh um 6 Uhr.

Mir aber war die Kraft gegeben, dass ich bis zur letzten Minute bei dem ruhigen, friedvollen Abschied meines Mannes aus der Erdgebundenheit in eine andere Welt, ohne Angst und Furcht vor dem Alleinsein, mit dabei sein durfte. Ich hatte das Gefühl, dass ich gar nicht allein war. In dieser Stunde fand ich immer mehr den Glauben an Ihre Lehre, Herr Gröning, und ich bin Ihnen heute noch dankbar, für die lieben Worte, die Sie Ihren Nächsten gegenüber finden, die einem immer Trost und neuen Mut und neue Stärke im Glauben sind.

Mein Befinden hat sich seit dem Tage, an dem ich von Herrn Sch. in Ihre Lehre eingeführt wurde und dann Sie, Herr Gröning, persönlich kennen lernen durfte, ständig gebessert. Ich gehe wieder auf die Straße, zwar immer noch in Begleitung, aber im Garten kann ich wieder allein säen und pflanzen. Ich gehe wieder auf den Speicher und in den Keller, hole den Brand allein, obwohl ich im 3. Stock wohne und versorge wieder ganz allein den Haushalt, da meine Tochter und Schwiegersohn arbeiten.

Ich danke dem himmlischen Vater für die große Gnade, die ich erlangen durfte und auch dafür, dass er mich Sie, Herr Gröning, hat finden lassen, einen Menschen und Freund, der mir zum Wegweiser und Helfer geworden ist, um ein Leben in der göttlichen Ordnung führen zu können.

Ich bitte Gott zugleich, dass er Sie, Herr Gröning, noch recht lange im Erdenleben erhalten möge, zum Segen der leidenden Menschheit!

(gez.) E. Z.

P., 7. April 1957

 

Quelle:
Josette Gröning (Hrsg.): Der geistig-seelische Heiler (Denkendorf bei Plochingen/Neckar 1960) Nr. 5, S. 69-71



[1] Gemeint ist das Buch „Die große Umkehr – Fragen um Bruno Gröning“ von Dr. Kurt Trampler, Heering-Verlag, 1949. Ein originalgetreuer Nachdruck, herausgegeben vom Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebensgrundlagen Klagenfurt, 2001, kann online unter folgender Internetadresse bestellt werden: www.bruno-groening-vortraege.de/groening-buecher.htm