R. M., Brief 2

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ohne Ortsangabe, 16.8.1957
Brief an Bruno Gröning
Abschrift (PDF)

 

Sehr geehrter Herr Gröning!

Erlaube mir, heute einen Bericht über mich zu geben. Vor einiger Zeit ermutigt vom „Neuen Blatt“, der Zeitschrift, die von Ihrem Tun und Wirken berichtete, wagte ich es, auch einmal mich an Sie zu wenden mit der herzlichen Bitte, doch auch einmal meiner zu gedenken.

Leide seit meiner Kindheit an einer Schuppenflechte, einer Darm-Allergie. Als ich dann an Fronleichnam an Sie geschrieben habe, da waren bei mir weite Gebiete der Haut belegt mit den so gefürchteten roten Flecken mit Schuppenbelag. Am Tage, als ich mich mit dem Gedanken trug, mich an Sie zu wenden, schnitt ich ein Bild von Ihnen aus der Zeitung aus und ich stellte fest, wenn ich alle anderen Gedanken ausschalte und mich auf Sie konzentriere, meine roten Stellen auf den Armen blasser wurden. Nach einigem Beobachten sagte ich dies meinem Manne, der sehr geistig veranlagt ist, ob es Einbildung sei oder ob es so was gäbe? Darauf mein Mann mir sagte, dass es unbedingt möglich wäre, da in geistigen Bezirken Raum und Zeit keine Rolle spielen.

Mein Glück war unvorstellbar, meine Arme frei, bis einige Tupfen um den Ellenbogen. Alle kleinen Stellen an den Beinen sind verschwunden; nur noch am linken Knie ein handgroßer Kreis und daneben eine handgroße Stelle, die sehr am abheilen ist. Und leider am selben Bein daumenbreiter Krampfaderverlauf, der mir zu schaffen macht.

 Was musste ich früher salben das ganze Jahr und nicht nur eines; und nun diese Wendung. Als mein Brief drei Tage weg war, wurde ich nachts wach. Mir war so komisch; ich hatte einen Krampf in meinen Därmen wie noch nie in meinem Leben. Mir war es zu Mute, als würde meine Bauchdecke aufgemacht und eine starke Hand würde meine Därme aufrollen wie einen Gartenschlauch, dann eine andere Lage geben. Ich war ängstlich, weil ich so etwas noch nie erlebte, machte Licht und sah auf die Uhr. Es war 03:00 Uhr morgens. Dann aber fiel mir blitzartig ein, dass es wohl der Augenblick war, an dem Sie Ihren HEILSTROM sendeten.

 Sehr geehrter Herr Gröning, alle Worte, die man darüber machen kann, wirken abgegriffen. Man steht ergriffen seiner Winzigkeit bewusst, man wird so demütig, steht man Gottes Güte gegenüber, und die Tränen laufen einem heiß über die Backen. Man will arbeiten an sich immer mehr, besser werden. Ein kleines Stück auf abseitigen Pfaden zu Gott glaube ich mit meinem Manne zu gehen, seit meiner Ehe vor drei Jahren. Wir haben eine andere Art als modern zu leben. Es ist ungeheuer, dass man sich an einen Menschen wenden darf, der praktisch wirkt wie CHRISTUS zu seiner Erdenzeit, der viele für sich hatte und viele gegen sich und den man auch gerne ans Kreuz nageln möchte. Das sah man am Münchner Prozess. Es hat sich kaum etwas geändert bis heute. Auch damals war es wie heute; gewisse Machtgruppen, die um ihre Position fürchteten. Es bleibt nur zu wünschen, dass Sie nicht den Staub Deutschlands von Ihren Füßen schütteln und da hingehen, wo man mit mehr Verständnis rechnen darf. Wir würden sehr sehr viel verlieren.

 Sehr geehrter Herr Gröning, nehmen Sie meinen tiefsten Dank entgegen, soweit man es in Worten sagen kann: GOTT möge Sie noch lange wirken lassen. Ich danke Ihnen für alles, was Sie an mir getan haben.

 Es grüßt Sie hochachtungsvoll

Frau R. M.

  

Quelle:
FREIE ARBEITSGEMEINSCHAFT BRUNO GRÖNING (Hrsg.): Das Tor zum Weg (Stephanskirchen bei Rosenheim 1960) August, S. 7-8