W. R.

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ohne Ortsangabe, 21.9.1952
Brief an Bruno Gröning
Abschrift (PDF)

 

Sehr geehrter Herr Gröning!

Noch einmal möchte ich Ihnen auf schriftlichem Weg von Herzen danken für meine Heilung.

Nun will ich Ihnen aber vor allen Dingen den Hergang berichten.

Seit 1943 hatte ich mit einem schweren Augenleiden, verbunden mit heftigen Kopfschmerzen, zu tun. Ende 1943 wurde ich auf dem rechten Auge vollkommen blind. Für mich war das furchtbar. Ich habe mich besonders mit dem Fahren des Pkw sehr schwer getan, da ich nie die Entfernung schätzen konnte. Immer wieder habe ich bei Ärzten Zuflucht gesucht, ohne mehr zu hören, als dass ich eine schwere Sehstörung hätte.

Anfang 1950 war es dann so weit, dass auch das linke Auge krank war und die Ge-fahr bestand, ganz zu erblinden. Der Arzt brachte mir in schonender Weise bei, dass nicht zu helfen sei.

Nun glaube ich, dass ein gesunder Mensch es nie verstehen kann (ich meine richtig verstehen), wie schwer es ist, beide Augen zu verlieren. Auf jeden Fall war ich am Ende. Ich wollte nur noch einmal die Schönheiten der Berge sehen, um mich dann heimlich und unauffällig aus dem Leben zu stehlen. Wie, das war alles fertig, aber davon ist ja heute keine Rede mehr. Gerade der Urlaub aber sollte mir Heilung bringen. Mit einem Bekannten bin ich mit meinem Wagen nach Bayrisch Zell gefahren und kam bei der Rückfahrt in Schwärzenbach. Mein Bekannter, Herr H. H., ist Kriegsversehrter und geht mit zwei Stöcken.

Herr T. empfing uns an der Tür und hatte wohl sehr Mitleid mit Herrn H. Er fragte, was wir von Gröning halten. Nun, ich habe gelacht und sagte „Nichts“ (H. T. kannte ich nicht, da ich das erste Mal in Schwärzenbach war). Ich hätte von Gröning so viel gelesen, aber ich kann solche Dinge einfach beim besten Willen nicht für möglich halten. Herr H. war auch schon im Traberhof. Er hat wohl Verschiedenes gesehen an Heilungen, doch ich glaubte das nicht.

Herr T. setzte sich zu uns an den Tisch. Wir haben uns nett unterhalten. Da sagte H. T.: „Wo Sie sitzen, hat Herr Gröning gesessen; wollen Sie eine Kugel?“, stand auf und brachte eine Stanniolkugel von Ihnen. Nun, da die Kugel da war, wollte ich doch erst dem Kriegsversehrten helfen, da es für mich aussichtslos war, geheilt zu werden. Ich glaubte einfach nicht daran. Herr H. meinte jedoch wörtlich:

„Du hast drei Kinder“, und so entstand ein kleiner Streit. Ich wollte sie nicht, aber es muss doch irgendetwas gewesen sein;  ich nahm die Stanniolkugel letzten Endes doch.

Herr Gröning, es war furchtbar. Erst hat es mich geschüttelt, dann glaubte ich, zu sterben, dann wieder war mir furchtbar heiß, musste schwitzen. Ich kann es heute nicht für möglich halten, wenn nicht mein Auge seit dieser Zeit, es war am 12. April 1950, vollkommen geheilt wäre.

Der ganze Vorgang hatte zwei Minuten gedauert. Als erstes konnte ich eine Frau mit einem Waschtiegel erkennen, dann habe ich vor Freude geweint und auch der Versehrte, der mit war. Ich war wie vom Tod erlöst.

Als ich nach Hause kam, sagten mir meine Angehörigen, sie haben es gefühlt, dass ich nicht mehr heim kommen wollte.

Immer und immer wieder wollte ich Ihnen danken, aber ich kannte Sie doch nicht, und heute nach 2 1/2 Jahren sehe ich genau so wie am ersten Tag meiner Heilung, und ich muss sagen, besser als ich je gesehen habe. Hatte ich doch schon seit 1938 beim Lesen die Brille. Heute brauche ich keine Brille mehr und bin der glücklichste Mensch, und meine Kinder haben ihre Mutter.

Ich bin glücklich, Ihnen das alles sagen zu können, nun, nachdem ich Sie auch vorige Woche persönlich mit meiner Tochter kennen lernen durfte, ist mein Leben reicher geworden. Aber so danken, wie ich es fühle, das kann ich wohl nicht. Immer wenn ich etwas Schönes sehe, kommt der Gedanke „wenn du damals nicht gesund geworden wärst, wäre vieles anders“.

Verstehen kann ich nur eines nicht, dass Sie nicht heilen sollen. Warum denn nicht? Es geht doch so vielen Menschen, und es sind die Ärmsten, so wie mir, aber was wissen gesunde Menschen schon von diesen Armen?

Sollte mein obiger Bericht bezeugt werden, so bin ich gerne bereit zu beeiden.

In tiefster Dankbarkeit Ihre Frau W. R.

 

Zu diesem Erfolgsbericht geben wir aus der Erinnerung Worte unseres Freundes und Lehrmeisters wieder, die von außerordentlicher Bedeutung sind, und die Schilderung unseres Freundes Bruno, was diesem Zeichengebenden Geschehen vorangegangen war, für viele Menschen noch unfassbarer erscheinen lässt.

Zu oben aufgeführtem Erlebnisbericht gab unser Lehrmeister folgende Schilderung:

Als er in Schwärzenbach mit dem Besitzer circa 1/2 Jahr vor der Heilung an dem Tisch saß, an dem Frau R. ihre Heilung empfangen hat, sagte im Laufe des Gesprächs unser Freund Bruno zu dem Besitzer: „Auf diesem Stuhl, auf dem ich sitze, wird sich in einem halben Jahr eine Frau ihre Gesundheit abholen“, wobei unser Freund Bruno Herrn T. eine Stanniolkugel für diese Frau übergab.

Diese Worte unseres Freundes und Lehrmeisters lassen erkennen, in welch hoher Ebene der göttlichen Sphären der Geist unseres Freundes bewegt ist; für das menschliche Verstandesdenken unfassbar, jedoch für uns Gemeinschaftsfreunde unerschütterlich glaubend, da von uns solche Zeichen erlebt und bei anderen Menschen miterlebt wurden. Wir wollen auch nur durch die Weitergabe dienen und für die herrlichen Zeichen danken, die durch Gottes Kraft geschehen sind. Dies ist uns heilig, denn wir preisen Gottes Herrlichkeit, aus der diese wundervollen Zeichen gegeben werden.

 

Quelle:
FREIE ARBEITSGEMEINSCHAFT BRUNO GRÖNING (Hrsg.): Das Tor zum Weg (Stephanskirchen bei Rosenheim 1960) Juni, S. 4-5