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Brief von Hanns Schäfer an den bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard

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Hanns Schäfer, Bad König, 6.9.1949 
Abschrift (PDF)


Vorbemerkung
Ende August 1949 begann Bruno Gröning damit, auf dem sogenannten „Traberhof“ im bayerischen Rosenheim Glaubensvorträge vor Tausenden von Zuhörern abzuhalten. Viele Hilfesuchende befürchteten daraufhin, die bayerische Regierung werde ihm zum Vorwurf machen, er verstoße somit gegen das Heilpraktikergesetz und ein Verbot aussprechen wie wenige Monate zuvor im westfälischen Herford. Zudem war das Gerücht aufgekommen, Gröning wolle nach Amerika auswandern, weil ihn dort weniger bürokratische Hürden behindern würden. In der Folge gingen beim bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard Dutzende Briefe ein, deren Verfasser inständig darum baten, Bruno Gröning keine Steine in den Weg zu legen.


Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst. Alle Unterstreichungen wurden wie im Original vorgenommen.

 

Hanns Schäfer
Bahnhofstr. 13
(16) Bad König i. Odw., 6.9.49

Herrn
Ministerpräsident Dr. Ehard
München

Betr.: Bruno Gröning

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Meine Frau leidet seit 1942 an chronischem Gelenkrheumatismus, und das Leiden wird trotz aller ärztlicher Mühe von Tag zu Tag schlimmer, sodass sie schon kaum noch laufen kann. Nachdem meine Frau mindestens 10-12 Ärzte aufgesucht hat, die alle nichts Nachhaltiges gegen die Krankheit tun konnten, erklärte vor einiger Zeit ein hiesiger Arzt, dass er kein Mittel mehr gegen die entsetzliche, schleichende Krankheit habe und daher auch keinen Rat mehr geben könnte.

In den letzten Wochen hat nun meine Frau sehr viel von Herrn Bruno Gröning gelesen und sie ist der felsenfesten Überzeugung, dass er auch ihr helfen kann. Leider war es uns seither noch nicht möglich ihn zu erreichen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel erhielten wir jetzt Kenntnis davon, dass bayrische Behörden Herrn Gröning jegliche Tätigkeit verbieten und sogar Strafverfolgung gegen ihn durchführen wollen.

Ich trete daher an Sie, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, mit der Bitte heran, alle Ihnen zur Verfügung stehenden Befugnisse dafür einzusetzen, dass Herr Gröning recht bald seine Tätigkeit ausüben darf.

Tausende von geplagten Menschen werden Ihnen aus vollem Herzen dankbar sein, und spitzfindige Paragraphen kann man auch einmal anders auslegen oder wenn es sein muss, in diesem Falle für ungültig erklären. Ich bin überzeugt, dass andere Völker Herrn Gröning mit offenen Armen aufnehmen würden.

Gerne hoffe ich, in Bälde eine recht günstige Nachricht und, falls möglich, auch Herrn Grönings Anschrift von Ihnen zu bekommen.

Seien Sie schon im Voraus meines und meiner Frau aufrichtigsten Dankes versichert.

Mit vorzüglicher Hochachtung!

Hanns Schäfer

Anlage: Rückporto

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung