Aktuell

Brief von Edith Schmauffe an den bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard

E-MailPDFDrucken

Edith Schmauffe, München, 5.9.1949 
Abschrift (PDF)


Vorbemerkung
Ende August 1949 begann Bruno Gröning damit, auf dem sogenannten „Traberhof“ im bayerischen Rosenheim Glaubensvorträge vor Tausenden von Zuhörern abzuhalten. Viele Hilfesuchende befürchteten daraufhin, die bayerische Regierung werde ihm zum Vorwurf machen, er verstoße somit gegen das Heilpraktikergesetz und ein Verbot aussprechen wie wenige Monate zuvor im westfälischen Herford. Zudem war das Gerücht aufgekommen, Gröning wolle nach Amerika auswandern, weil ihn dort weniger bürokratische Hürden behindern würden. In der Folge gingen beim bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard Dutzende Briefe ein, deren Verfasser inständig darum baten, Bruno Gröning keine Steine in den Weg zu legen.


Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst. Alle Unterstreichungen wurden wie im Original vorgenommen.

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

„Bruno Gröning geht nach Amerika“ Diese Schlagzeile bewegt und erregt heute viele Gemüter. Er geht, weil es ihm hier in Deutschland – nun, nicht unmöglich, aber sehr schwer gemacht wird, seiner Berufung zum Helfen und Heilen nachzukommen. Muss es denn sein, dass immer große Könner hier aufgeben müssen, weil sie kein Verständnis finden? Muss es denn immer sein, dass man in Deutschland an den Gesetzen scheitert und sich in ein „freieres“ Land retten muss? Glauben Sie nicht, es mitverantworten zu können, dass man bei Herrn Gröning einmal beide Augen zudrückt? Auf ihn ist doch keines unserer Gesetze anwendbar, weil er nun einmal über nicht alltägliche Kräfte verfügt; weil er aus der Masse herausragt! Lassen Sie sich von den Vielen, die geheilt worden sind, überzeugen, dass sie gesund oder zu mindestens wesentlich gesünder sind als sie es früher waren. Ich glaube kaum, dass Herr Gröning irgendwo Schaden angerichtet hat. Und dann: Es ist ja jedermanns eigene Sache, ob er sich von ihm behandeln lassen will oder nicht. Ich glaube nicht, dass etwa unsere Ärzte durch ihn brotlos werden. Und andere, z. B. die Eisenbahn, die Taxichauffeure und die Gasthofbesitzer um Rosenheim werden zu Geld kommen, wenn man Herrn Gröning im Traberhof heilen lässt. Die Ausländer, die ihm bisher so glänzende Angebote gemacht haben, werden sich, wenn er hier bleibt, wohl auch besinnen und selbst herkommen, um sich heilen zu lassen. Traberhof wird ein neuer Wallfahrtsort werden! Mit dem erfreulichen Unterschied, dass dort wohl mehr Menschen geheilt werden als z. B. in Lourdes. Solche Wallfahrtsorte mit wundertätigen Quellen werden ja auch anerkannt. Warum kann man nicht glauben, dass auch wieder einmal ein Mensch, in der Art wie Herr Bruno Gröning, Wunder tun kann.

Sehen Sie, ich möchte Sie herzlich bitten, bemühen Sie sich, dass dieser Mann hierbleiben kann. Er ist doch Deutscher, nicht wahr. Lassen Sie ihn heilen, so, wie er es in Amerika darf: „Wenn er sich nicht als Arzt ausgibt und keine ansteckenden Krankheiten heilt“. Geht das nicht? Ist dabei ein großes Risiko? Ich glaube es wirklich nicht. Und ich denke auch, dass Herr Gröning doch auch erkannt hat, wo seine Grenzen liegen. Nun, Sie werden sagen, dass Gefahr besteht, dass er über sein Ziel hinausschießt. Aber ist dann nicht immer noch Zeit, ihm wieder etwas zu verbieten. Aber nicht gleich seine ganze Heiltätigkeit. Denn vor lauter Verbieten kann er ja sonst gar nicht zeigen, wie vielen er helfen kann!

Herr Gröning bittet alle, die geheilt worden sind, ihm zu schreiben und nochmals über die Heilung zu berichten. Könnten Sie sich nicht diese Dokumente auch zeigen lassen, um alle Schwankenden zu überzeugen?!

Ich hoffe, dass dieser Brief einer von vielen ist. Und ich hoffe, dass Sie nicht böse darüber sind! Bitte, halten Sie diesen Mann, halten Sie ihn mit allen Mitteln und lassen Sie ihn heilen. Bitte, handeln Sie schnell, denn sonst ist er schon unterwegs in ein Land, das, wie er hofft und wie man ihm, wenn er hier wirklich nicht arbeiten kann, auch wünschen möchte, ihn freudig aufnimmt und ihm die Möglichkeit gibt, seine Gaben auszuweiten.

Es dankt Ihnen im Voraus Ihre

Edith Schmauffe
München 22
Tattenbachstr. 12

 

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung