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Brief von Friedrich Krauß an den bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard

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Friedrich Krauß, München, 5.9.1949
Abschrift (PDF)

Vorbemerkung
Ende August 1949 begann Bruno Gröning damit, auf dem sogenannten „Traberhof“ im bayerischen Rosenheim Glaubensvorträge vor Tausenden von Zuhörern abzuhalten. Viele Hilfesuchende befürchteten daraufhin, die bayerische Regierung werde ihm zum Vorwurf machen, er verstoße somit gegen das Heilpraktikergesetz und ein Verbot aussprechen wie wenige Monate zuvor im westfälischen Herford. Zudem war das Gerücht aufgekommen, Gröning wolle nach Amerika auswandern, weil ihn dort weniger bürokratische Hürden behindern würden. In der Folge gingen beim bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard Dutzende Briefe ein, deren Verfasser inständig darum baten, Bruno Gröning keine Steine in den Weg zu legen.

Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst.


Friedrich Krauß
Cand. phys./math.
München 19, Amelungenstr. 5

München, den 5.9.49

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Ich ersuche Sie, alles zu unternehmen, und seien es auch außergewöhnliche Schritte, um Herrn Gröning hier in Bayern und Deutschland endlich seine Arbeit zu ermöglichen. Ich möchte erwähnen, dass ich als Naturwissenschaftler fern jeder Romantik stehe! Die zahlreichen erfolgreichen Heilungen - von keinem Ärztegremium widerlegt – haben seine einmalige Begabung in dieser Art von Heilmethode wohl unter Beweis gestellt, sodass wohl ein ungewöhnlicher und schneller Schritt gerechtfertigt erscheint.

Als Deutscher möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, zu bedenken geben, wie erschütternd es ist, sehen zu müssen, wie in unserem Volke eine Periode der vollkommenen Auflösung von Rechtsbegriffen wechselt mit einer, in der nur der Paragraph gilt (noch dazu was für einer!). Land der nie begreiflichen Gegensätze! Letztlich scheint mir aber, und das ist das Betrüblichste, dass sich diese Extreme doch in einem Punkte sehr eng berühren: Der Staat ist alles, der Mensch nichts!

Als gläubiger Katholik möchte ich Ihnen zu bedenken geben, dass es für Sie als gläubigem Staatsmann äußerst erfreulich sein kann, wenn in unserem Lande derartige Glaubenskundgebungen stattfinden, wie sie sich anlässlich der Heilungen ereignet haben.

Im Vertrauen auf Sie, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, schließe ich mit der einleitenden Bitte.

Hochachtungsvoll

Ihr sehr ergebener

Friedrich Krauß

 

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung