Brief von unbekanntem Absender an den bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard

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ohne Namensnennung, Bad Reichenhall, 19.9.1949
Abschrift (PDF)

Vorbemerkung
Ende August 1949 begann Bruno Gröning damit, auf dem sogenannten „Traberhof“ im bayerischen Rosenheim Glaubensvorträge vor Tausenden von Zuhörern abzuhalten. Viele Hilfesuchende befürchteten daraufhin, die bayerische Regierung werde ihm zum Vorwurf machen, er verstoße somit gegen das Heilpraktikergesetz und ein Verbot aussprechen wie wenige Monate zuvor im westfälischen Herford. Zudem war das Gerücht aufgekommen, Gröning wolle nach Amerika auswandern, weil ihn dort weniger bürokratische Hürden behindern würden. In der Folge gingen beim bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard Dutzende Briefe ein, deren Verfasser inständig darum baten, Bruno Gröning keine Steine in den Weg zu legen.

Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst.


Reichenhall, 19.9.49

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Seien Sie mir bitte nicht böse, dass ich mich heute an Sie wende, aber ich habe eine große Bitte u. ich weiß mir wirklich keinen Rat, wenn Sie, Herr Ministerpräsident, nicht helfen. 

Heute habe ich gelesen, dass man Herrn Gröning seitens der Ärzte immer noch Schwierigkeiten macht. 

Ich bitte Sie nun recht herzlich, helfen Sie, dass uns Herr Gröning erhalten bleibt, haben Sie doch bitte Erbarmen mit den Hoffnungslosen. Die Ärzte können doch sowieso nicht mehr helfen. Warum gönnt man diesen Menschen die so lang entbehrte Gesundheit nicht. Sie wissen doch auch, dass Herr Gröning kein Schwindler ist. Lieber Herr Ministerpräsident, helfen Sie, wir haben so großes Vertrauen zu Ihnen, denn einmal haben Sie schon geholfen, bitte tun Sie es auch ein zweites Mal. Ich bin Ihnen fremd, aber seien Sie versichert, ich sowie alle Hoffnungslosen werden Ihnen immer dankbar sein. Heute müssen Sie mir bitte erlauben „Unbekannt“ bleiben zu dürfen, aber ich werde mich im Namen vieler Kranken bedanken u. dann werde ich versuchen, unsere Dankbarkeit Ihnen wenigstens ein klein wenig zeigen zu dürfen.

Ich bitte noch einmal, helfen Sie uns, dass Gröning uns erhalten bleibt, dass das große Elend wenigstens ein kleines bisserl behoben wird.

Im Voraus ein herzliches „Vergelt?s Gott“ u. liebe Grüße

Reichenhall

 

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung