Der Presseschmutz wird abgewaschen – Teil 3

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Josette Gröning, 1960
Abschrift (PDF)

 

1955 erschien in der Flut von Hetzartikeln über Bruno Gröning auch ein längerer Artikel mit der Überschrift „Ist etwas dran?“ Der Verfasser war ein Arzt, der schon mehrmals für diese Zeitschrift geschrieben hatte.

Wegen seiner Länge kann der Artikel hier nicht vollständig wiedergegeben werden. Es ist deshalb nur möglich, einzelne Stellen herauszugreifen. Die Überschrift heißt in vollem Wortlaut: „Alter Wunderheiler auf neuem Kurs – Wieder Aufsehen um Gröning – Was steckt hinter dem Zauber der Stanniolkugel?“

Nach einführenden Worten über Grönings erstes Hervortreten spricht er von „Persönlichkeiten mit klangvollem Familiennamen“, die sogar eine eigene Vereinsorganisation für den „seltsamen Mann“ auf die Beine gestellt hätten. Außerdem seien schon von Anfang an vereinzelte Ärzte da gewesen, die ihm eine „gewisse angeborene Heilungsgabe“ nachgesagt hätten. Ein hoher Münchner Polizeibeamter habe damals Grönings Anerkennung als „Heilspender“ durch den bayerischen Landtag erreichen wollen und ein bayerischer Landtagsabgeordneter habe die Bevölkerung aufgefordert, an Grönings „Berufung zum Heilen“ zu glauben. Bald darauf kommt der Autor zu der oberflächlichen Feststellung, „dass der Gröning der leidenden Menschheit auf die Dauer nichts zu bieten vermochte, was seinen Ruhm über wenige Monate hinaus hätte aufrecht erhalten können“. (!?)

Hierzu ist Folgendes zu bemerken: Erstens lag Gröning gar nichts daran, einen „Ruhm“ einzuheimsen. Er war allen seinen Freunden und vielen Bekannten als bescheiden bekannt. Er lehnte immer wieder nach erfolgten Heilungen Dankesbezeugungen mit den Worten ab: „Dankt nicht mir, sondern GOTT!“ Außerdem sprach er Heilungssuchenden gegenüber immer nur von dem „kleinen Gröning“ (in Nr. 1 des „Geistig-seelischen Heilers“ wurde eingehend hierüber berichtet).

Zweitens hat Gröning nicht nur wenige Monate, sondern bis einige Tage vor seinem Tode unermüdlich trotz schärfster Angriffe, Verleumdungen und Bekämpfungen weiter geheilt. Dass er sich allerdings dabei von der Öffentlichkeit mehr oder weniger zurückgezogen hat, ist angesichts der kaum vorstellbaren Bekämpfungskampagne, die einen Großteil der bundesdeutschen Zeitungen umfasste, durchaus zu begreifen.

Ich möchte dem Verfasser dieses entstellten Berichtes gleich eine erste Frage vorlegen: Sind die so zahlreichen HEILUNGSBERICHTE, die Bruno Gröning aufzuweisen hatte, in seinen Augen nichts? Will man sie einfach totschweigen? Ist man in Ärztekreisen nicht wenigstens so ehrlich, diese einer eingehenden Prüfung zu unterziehen? Oder fürchtet man die Konsequenzen, die aus diesen nicht abstreitbaren Tatsachen gezogen werden müssten? Glauben die Ärzte wirklich, dass sich unter den vielen Gruppen und Kreisen, die über ganz Deutschland verteilt waren, die es aber auch im Ausland gab, nur Dumme befanden, „leicht erregbare und geschwächte Naturen, welche sich sehr schnell in einen Massenrausch hineinsteigern lassen“ (um den Verfasser zu zitieren), nur Menschen, die nicht selbstständig denken konnten, die Bruno Gröning angeblich nicht zu „durchschauen“ vermochten, nur Menschen, die den „Aberglauben“ üppig wuchern ließen? Man beachte, dass der Verfasser eingangs von „Persönlichkeiten mit klangvollem Familiennamen“ sprach. Es war doch sehr auffällig, dass nicht nur arme, sondern auch sehr viele reiche Leute, die z. B. Fabriken und Geschäfte besaßen, zu seinen „Anhängern“ gehörten, ferner Menschen, die verantwortungsvolle Berufe ausübten, wie z. B. Lehrer, darunter auch mehrere Professoren (allerdings meistens keine Mediziner), Pfarrer, Zahnärzte usw. Ob sie sich wohl jahrelang Schwindel und Betrug, Suggestion, Hypnose und wie die Vorwürfe im einzelnen lauten, hätten bieten lassen? Es gibt unter den Genannten viele Menschen, die Jahrelang Mitglieder der Ortsgemeinschaften und persönliche Freunde von Bruno Gröning gewesen sind. Ob da nicht einer von ihnen wenigstens so „helle“ gewesen wäre, den „Schwindler“, den „Scharlatan“, den „Kurpfuscher“ zu erkennen, wenn diese Begriffe tatsächlich im Falle Bruno Grönings gepasst hätten?

Meinen die Ärzte wirklich, dass sich alle diese Menschen nur Täuschungen hingegeben hätten; dass immer wieder neue Menschen, d. h. zumeist von den Ärzten Aufgegebene, zu ihm hinfanden; dass solche Leidenden „tagelang, ja wochenlang auf dem nackten Erdboden aushielten“ (wie Dr. G. in seinem Bericht weiter fort-fahrend schreibt), wenn die Chance ihrer Wiedergesundung nicht größer gewesen wäre, als man Grönings Können in Ärztekreisen zubilligt? In dem Buche „Wunderheiler und Heilwunder“ von Andre Sonnet wird zum Beispiel nur von – ich glaube, 2 oder 3 Fällen gesprochen, die Gröning geheilt habe. Dabei liegen allein im Archiv Bruno Gröning nicht nur Einzelberichte, sondern viele, viele Ordner voll Dankschreiben, die genügend Beweise dafür liefern, dass wirklich „an Gröning etwas dran ist“! Ein altes Sprichwort aus kriegerischen Zeiten lautet: „Viel Feind, viel Ehr!“, das man natürlich als Pazifist ablehnen muss, das aber dennoch eine bestimmte Wahrheit zum Ausdruck bringt!

Gröning hatte aber den Menschen nicht nur Heilung ihres Körpers, sondern er hatte auch die Heilung der seelischen Schäden „zu bieten“, indem er – was als seine Hauptaufgabe und Hauptarbeit gesehen werden muss! – sie wieder zum rechten Verhältnis zu GOTT zurückführte und ihnen eine heilsame seelische Einstellung zum verursachenden Faktor der Krankheit vermittelte!

An anderer Stelle schreibt der Verfasser des Artikels: „Trotzdem bleibt unbestreitbar, dass am Ende für Zehntausende Gröning-Gläubige nur eine bittere Enttäuschung übrig blieb. Solche Enttäuschung wäre den zahllosen Unglücklichen erspart ge-blieben, wenn diese sich von vorneherein über das Wesen derartiger „Wunderheiler“ und über das Wesen der Massensuggestion klar gewesen wären.“

Hierzu einige Gegenfragen an den Verfasser: Haben Sie schon einmal die Patienten eines Krankenhauses gefragt, ob sie mit Ihrer Behandlung bzw. mit deren Resultat zufrieden sind? Haben Sie schon einmal die als „unheilbar“ Entlassenen gefragt, ob sie enttäuscht waren? Könnte man auch einmal zu Ihnen einen Reporter schicken, nachdem man alle Ihre Patienten in ein Versammlungslokal gebeten hätte? Oder dürfte ich auch einmal im Patientenkreis Ihrer Praxis herumhören? Möchten Sie hierbei gerne zugegen sein? – Haben Sie schon darüber nachgedacht bzw. einmal erforscht, ob man Gröning immer das Recht und die Möglichkeit gegeben hat, sich genügend zu verteidigen? Können Sie mir über Ihre Nachforschungen die Unterlagen zugänglich machen? Haben Sie Aussagen der angeblich Enttäuschten gesammelt? Wie viele? Und wo sind sie? Stehen Namen auf diesen anscheinend von Ihnen so zahlreich (Sie sprechen von Zehntausenden!?) gesammelten „Zeugnissen“, und gestatten Sie eine Nachprüfung?

Es wird anschließend von „Suggestionskräften“ berichtet: „All die großen und vielfältigen Erfolge der wissenschaftlich erprobten so genannten Psychotherapie (Seelenheilkunde) und der so genannten Psychosomatik (körperlich-seelische Behandlungsmethoden) beruhen auf solcherlei Erkenntnis … In allen nur erdenklichen „Stärkegraden“ strömen täglich solche Heilkräfte von besonders begnadeten Menschen auf Leidende über, sei es von einer Mutter auf ihr Kind, vom Seelsorger auf den Gläubigen, vom Arzt auf den Patienten, von der Krankenschwester auf die Pflegebefohlenen, und ebenso auch abseits der Heilberufe von irgendwelchen suggestiv veranlagten Personen auf beeinflussbare Mitmenschen.“

Wie sieht es aber nun mit der bewussten Anwendung dieser Kräfte in der Praxis aus? Eine Bekannte von mir war einige Zeit in einem Heilberuf in der chirurgischen Klinik in H. tätig. Dort erlebte sie, dass die Patientinnen der Frauenstation Gedichte auf die Gemeinheit der Schwestern machten! Nur eine einzige Schwester war darunter, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. – Sie konnte aber bei keiner einzigen dieser Schwestern feststellen, dass Heilkräfte auf die Patienten übertragen worden sind. Wenn man sich schließlich vergegenwärtigt, wie sehr die Schwestern infolge des großen Nachwuchsmangels in diesem Beruf überarbeitet sind, wie wenig Freizeit sie zur Verfügung haben usw., so kann man eher von einem vielseitigen Kräfteverbrauch reden als von einer zusätzlichen Übertragung von Heilkräften. Meine Bekannte könnte jedenfalls einige Zeugenberichte von erschütternden, vor allem lieblosen Vorkommnissen in Krankenhäusern beibringen, aus denen man sehr deutlich entnehmen würde, dass es solche „besonders begnadete Menschen“ zumindest in Krankenhäusern zum Leidwesen der Patienten äußerst selten oder überhaupt nicht gibt.

Der Verfasser schreibt an anderer Stelle: „… Die dadurch ausgelöste Welle der Glaubensbegeisterung und der Heilungsgewissheit reißt unzählige Leidende mit sich fort und löscht für eine kürzere oder längere Zeit ihre Schmerzen aus.“

Warum können zum Beispiel nicht auch Pfarrer in diesem Sinn wirken und Schmerzen ausschalten? Dies wäre doch eine sehr lohnende Aufgabe! Immerhin wird Gröning die Fähigkeit, Glaubensbegeisterung hervorzurufen, nicht abgesprochen, während die Predigten der heute amtierenden Pfarrer die Menschen weit überwiegend weder heilen, noch in ihnen eine Glaubensbegeisterung auslösen können, genauso wenig wie sich der überbeanspruchte Kassenarzt mit den seelischen Ursachen abgeben kann. Hier liegt der Fehler in einem falsch gesteuerten und verkehrt aufgebauten Krankenkassenwesen, dort – in der Kirche bzw. in dem fast fatalistischen Dogma, das nur noch wenig mit dem Erstchristentum, wie es Christus in Wahrheit lehrte, zu tun hat. Fast überall wird gepredigt, Gott schicke die Krankheiten als „Prüfung“ oder zur „Läuterung“ der Menschen. Dies verursacht nicht nur einen gestörten inneren Kontakt zu GOTT und eine völlig falsche Einstellung zur Krankheit, sondern lähmt auch in gewissem Sinne die „Reservekräfte der Seele“, von denen der Verfasser an einer anderen Stelle seines Artikels spricht.

Welcher Kritiker hat sich denn eigentlich die Mühe gemacht, sich mit dem zu Befassen, was Bruno Gröning lehrte!? Beispielsweise über die Einstellung des Menschen zu GOTT, über sein Verhältnis zur Krankheit? Das wäre wirklich sehr lehrreich für alle Ärzte! Sie sollten einmal endlich ihren Hochmut, ihren Standesdünkel und ihre Besserwisserei ablegen und sich nicht scheuen, seine Erkenntnisse (ja, ganz recht: Bruno Grönings Erkenntnisse in Bezug auf religiöse und seelische Einstellung!) anzunehmen und in ihrer Praxis anzuwenden. Dies könnte von Heil und Nutzen für alle Menschen sein! Die Ärzte sollten ihren Brotneid, der sich hinter bestimmten Methoden ihres Kampfes gegen Gröning verbarg und ihren beruflichen Ehrgeiz ablegen – und sie sollten daran denken, dass GOTT der größte Arzt ist und dass ohne ihn auch ihre ärztliche Kunst ein Ende hätte!!! Sie sollten ihre Aversion gegenüber Bruno Gröning überwinden („Liebe deinen Nächsten“ gilt auch für sie!), überhaupt ihre Verachtung derjenigen (Gröning ist kein Einzelfall!), die nicht auf einer Universität studiert haben. Und vor allem: Sie sollten sich darauf besinnen, dass Meister Jesu auch „nur“ aus dem Wissen seines Herzens, das mit Gottvater geeint war, schöpfte; dass er auch „nur“ MIT DER HEILKRAFT SEINES VATERS, GOTTES, geheilt hat – ohne Spritzen, ohne Tabletten oder anderweitige medizinische Künste!!!

Aber das ist es ja, was viele Ärzte nicht wahr haben wollen, was die Gegner von Bruno Gröning nicht anerkennen möchten, und sie benehmen sich dabei wie moderne Pharisäer in verschiedenen Berufsgewändern, auf ihr Studium pochend, das ihnen zu erlauben scheint, über die seelischen und geistigen Massen- und Einzelgesetze zu urteilen, obwohl diese Gesetze noch viel zu wenig, erst in Ansätzen oder überhaupt nicht bekannt sind; und obwohl sie dies alles in Wirklichkeit gar nicht studiert haben. Ja, dieses eine ist es, das sie vielleicht erst sehr spät, womöglich nie anerkennen oder zugeben werden: dass Bruno Gröning ganz einfach MIT DER GÖTTLICHEN KRAFT HEILTE („Nicht ich heile, sondern „ES“ heilt“, womit er die Heilkraft Gottes meinte, deren er sich bediente, auf die er sich meditativ einstellte und konzentrierte)!!!

Ob man ihm diese Heilkraft, die also nicht seine menschliche, persönliche Heilkraft war, die aber durch den Menschen, das Werkzeug Bruno Gröning hindurch floss – so, wie die Christuskraft durch den vorbereiteten Menschen Jesus hindurch strahlte – auch dann aberkannte, wenn er einen medizinischen Doktortitel gehabt hätte? Wahrscheinlich aber wäre man auch im gegebenen Falle nicht dazu übergegangen, DIE HEILKRAFT GOTTES in demütiger, bescheidener und wahrer innerer Größe anzuerkennen, sondern man hätte unter Umständen von „großen triumphalen neuen psychosomatischen, psychoanalytischen oder massenpsychologischen Erfahrungen der Medizin“ gesprochen.

Dass GOTT durch einen „einfachen Laien“, einen „ungebildeten Naturburschen“, eventuell sogar durch einen Analphabeten, möglicherweise auch durch einen Neger, durch einen „Heiden“ oder, wie gesagt, durch einen Nichtakademiker hindurch wirken kann, steht anscheinend bei dem Bildungsniveau des Volkes der „Dichter und Denker“ außer jeglicher herzensmäßig aufrichtiger Betrachtung.

 

Quelle:
Josette Gröning (Hrsg.): Der geistig-seelische Heiler (Denkendorf bei Plochingen/Neckar 1960) Nr. 5, S. 72-76