Erlebnisbericht

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Anny Pelz, München, 18.1.1975
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Ein herzliches "Grüß Gott" allen, die jetzt diese Worte hören!

Oft, wenn ich in meiner Einsamkeit zurückdenke an die schöne Zeit, die mein Mann und ich mit vielen, vielen Freunden erleben durften, dessen Mittelpunkt für uns alle unser Lehrer und Meister Bruno Gröning war, dann möchte ich allen Gläubigen und denen vor allem, die glauben möchten, es aber heute nicht so leicht und so schön haben wie wir damals, weil dieser von Gott gesandte Mann nicht mehr lebend unter uns weilt, aus der Fülle der Erlebnisse aus dieser Zeit erzählen. Aber da ich noch beruflich tätig bin und meine Freizeit dadurch sehr beschränkt ist, bleibt es oft bei dem Wunsch. Plötzlich kommt dann etwas, was die meisten Menschen sicher eine "Krankheit", ganz allgemein eine "Grippe", nennen, und diesen Anlass will ich nun aber benützen und meinen Wunsch, aus dieser gesegneten Zeit zu erzählen, hiermit mir und anderen erfüllen.

Gerade jetzt in diesen Tagen, wo ich nicht ins Büro gehen kann, weil eine starke Erkältung meinen Körper befallen hat, fällt mir ein, wie Bruno Gröning einmal gesagt hat: "Die Menschen nennen so vieles eine Krankheit, was oft gar keine ist, sondern eher eine Entschlackung, und so eine Entschlackung sollte der Mensch sogar zweimal im Jahr durchmachen, denn dadurch wird der Körper wieder gereinigt." So habe ich diese Tage wohl das Bett gehütet, gehustet, geschwitzt und was noch alles dazu gehört, aber ich habe ohne Medikamente meinen Körper wieder gereinigt bekommen und fühle mich heute wieder wohl. Wie wichtig ist es für mich zu wissen, dass uns Bruno Gröning damals schon darauf aufmerksam gemacht hat, dass nicht alles eine Krankheit ist, sondern dass in uns sich eine Reinigung vollzieht, wenn sie nötig wird. Dabei wurden wir immer wieder darauf aufmerksam gemacht, zum Arzt zu gehen, ihm unser Vertrauen zu schenken und dabei Gott um seine Hilfe zu bitten, denn nur Gott ist unser größter Arzt. Nachdem ich aber im Arbeitsverhältnis stehe, musste ich mich doch bei meinem Hausarzt melden und ihn bitten, mich zu besuchen, weil ich mit 40 Grad Fieber nicht das Bett verlassen konnte. Nun habe ich das Glück, einen Arzt zu haben, der meine Allergie gegen alle pharmazeutischen Medikamente kennt und nachher erst feststellte, dass die Lunge frei ist, mir auch nichts verschrieben hat. Als er aber dann die Arbeitsunfähigkeitsbestätigung ausfüllte, sah er das Bild von Bruno Gröning und fragte mich, ob ich diesen Mann kannte. Und als ich es bejahte, wurde er nachdenklich und sagte: "Jetzt ist es mir erklärlich, warum Ihr Mann zehn Jahre ohne messbaren Puls leben konnte, und wenn ich ihn fragte, wie es ihm gehe, hat er mir freimütig den gleichen Satz gesagt: Herr Doktor, mir geht es immer gut.' Sein Glaube und Ihre Liebe, Frau Pelz, hat ihm dieses Leben ermöglicht." Dies war die Äußerung eines modernen Internisten, der aber doch schon drauf gekommen ist, dass nicht alles rein wissenschaftlich und medizinisch erklärt werden kann.

Als mein Mann vor zehn Jahren ein halbes Jahr völlig blind war, hatte er nur einen Gedanken, nämlich sich von dem berühmten Prof. Linnen in Frankfurt operieren zu lassen. Denn sowohl unser Augenarzt wie Hausarzt sahen eine Operation als lebensgefährlich und ohne Erfolg versprechend an. Nach einigem Kampf um eine Untersuchung auf eigene Verantwortung, fuhren wir nach Frankfurt, und dieser Prof. Linnen machte uns darauf aufmerksam, dass nach einer Operation auf dem Auge, wo mein Mann noch einen Lichtschein erkennen konnte [Vorlage hier unvollständig]

Mein Mann aber bat ihn: "Herr Professor, operieren Sie mich, denn der Schein nützt mich nichts, und ich weiß, wenn Sie mich operieren, werde ich wieder sehen können!" Ich muss noch einflechten, bevor wir nach Frankfurt fuhren, hatten wir noch eine Gemeinschaftsstunde in Rosenheim, und mein Mann sprach zu den anwesenden Freunden und sagte: "Wenn ich zurückkomme, werde ich Sie wieder sehen können."

In der Klinik in Frankfurt wurde ein Internist zugezogen, weil die Voraussetzung für eine Operation nicht gegeben war und zwar wegen seines kaum messbaren Pulses. Alle Medikamente und Injektionen konnten aber seinen Puls nicht verändern, und so wurde die Aussicht auf eine Operation immer geringer. Nach Wochen erst wurden wir darauf aufmerksam gemacht, wenn es sein Wille wäre und nur auf seine Verantwortung, würde eine Operation gewagt werden, aber ich musste dies mit Unterschrift bestätigen. Mein Mann wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass die üblichen Vorbereitungen wie Injektionen und Medikamente bei ihm nicht angewendet werden könnten, nur eine kleine örtliche Betäubung könnte gemacht werden. Auch dies beeindruckte meinen Mann keineswegs, und am 10. Mai 1964 wurde dann operiert. Eine OP-Schwester erzählte mir hinterher, dass mein Mann während der OP. noch zum Prof. sagte, dass er überzeugt sei, dass er wieder sehen könnte, wobei Ärzte und Schwestern sehr skeptisch aussahen. Es dauerte Wochen – im ganzen lag mein Mann zehn Wochen in der Klinik – bis der Verband entfernt wurde, und eines Tages fragte er mich, ob ich gerade am Fußende seines Bettes eine Bewegung gemacht hätte. Er sah einen Schatten. Und dann kamen die Untersuchungen, und es konnte ein kleines Sehvermögen mittels einer Starbrille festgestellt werden. Wenn ich mir den Tag ins Gedächtnis zurückrufe, an dem die Operation stattfand, dann muss ich bekennen , dass ich sehr klein und hässlich in der Hauskapelle auf den Knien lag und nur eine Bitte im Herzen hatte, wenn er nur am Leben bleibt und keine Embolie eintritt, wie allerseits befürchtet wurde. Dieser unerschütterliche Glaube, der meinem Erich die Kraft gab, ruhig und ohne Schmerzen – er sagte mir nach der Operation er habe gar nichts gespürt, nur einen kleinen Stich, wie mit einer Stecknadel – alles über sich ergehen zu lassen, fiel sogar den Ärzten auf, und die Oberärztin sagte mir selbst: "Ihr Mann gab uns die Bestätigung, dass der Glaube Berge versetzen kann." Und als wir in den folgenden Tagen im Garten der Klinik Sehproben machten, er musste sich ja erst an die Brille gewöhnen – da fassten wir uns wie zwei glückliche Kinder an den Händen und hatten nur ein Dankgebet auf den Lippen. Und mein Mann sagte zu mir: "Schau, wenn ich nicht ganz blind gewesen wäre, so könnten wir heute das Glück, dass ich wieder sehen kann, gar nicht in seiner Größe ermessen." Nicht, dass mein Mann jetzt wieder hätte lesen können oder alleine sich auf der Straße behelfen können, das Sehvermögen, das durch die Operation erreicht wurde, war, so erklärte er es mir, wie wenn man durch ein Opernglas nur einen kleinen Ausschnitt erkennen kann, und dies auch nur in der Ruhestellung. Aber was er in dieses kleine Sehvermögen einstellte, sah er deutlich und in den natürlichen Farben. Als dies erreicht war, bat er den Prof., auch das rechte Auge zu operieren. Aber davon wollte der Prof. nichts wissen und schlug ihm diese Bitte ab. Wir beide gaben uns mit diesem kleinen Erfolg auch zufrieden, und bei der Entlassung aus der Klinik wurde ich auf die Gefahr aufmerksam gemacht, dass mein Mann poröse Adern am Augenhintergrund hätte und dass, wenn so ein Äderchen platzt, er wieder völlig blind sei und nicht mehr operiert werden könnte. Aber gegen alle Befürchtungen hat mein Mann dieses erreichte Sehvermögen behalten bis zu seinem Tod am 25. Aug. 1970.

Viele Freunde wissen, dass wir bis 1970 alle Reisen zu den einzelnen Gemeinschaften machten, dass mein Mann stehend Vorträge hielt und auch immer guter Dinge war, obwohl er für nicht weniger als vier Ärzte klinisch tot war. Und so leben viele Freunde, die durch Bruno Gröning auf den geistigen Weg geführt wurden, die von ihm und mit ihm immer wieder den Glauben an Gott und seine Wirkung lernten. Oft hörten wir die Worte, wir müssen wieder glauben lernen, wie ein Kind seinem Vater glaubt und vertraut, denn ein Kind ist noch frei von allen Zweifeln. Einem Kind fällt es daher auch viel leichter, an Dinge zu glauben, die mit dem Verstand nicht zu erklären sind.

Da möchte ich heute noch von dem Jungen Ernst Lantenhammer erzählen, der mit seiner Mutter beim Hals- und Nasenarzt war. Die Untersuchung ergab, dass die Mandeln und Wucherungen in den Schulferien herausgenommen werden müssten. Und als die Mutter sah, dass der Junge ein sehr langes Gesicht über diesen Befund machte, wollte sie ihn auf der Straße bei seiner Ehre nehmen und sagte: "Du musst doch keine Angst haben, bist doch sonst so ein tapferer Bub." Da meinte er ganz verzagt: "Aber, da muss ich doch ins Krankenhaus, und da bist du dann nicht bei mir. Sie tröstete ihn und versprach ihm, ihn alle Tage im Krankenhaus zu besuchen und was man halt noch so sagt, um ein Kind zu trösten. Der Ernsti aber sagte plötzlich zu seiner Mutter: "Aber gell, bei uns gibt's es doch, dass es auch gar nicht sein müsste." Die Wochen vergingen und die Ferien nahmen ihren Anfang. Eines Morgens ging Frau Lantenhammer mit ihrem Ernsti wieder zum Arzt, um einen Termin zu vereinbaren, damit sie die Sache bald hinter sich haben und dann die Ferien ungetrübt genossen werden könnten. Beim Arzt wurde er nochmals untersucht, und dann tat der Arzt ganz erstaunt: "Ich habe Sie bestellt, das kann ich mir gar nicht erklären, ich wüsste nicht, warum man seine Mandeln entfernen sollte, es ist ja alles in Ordnung." Und sehen Sie, meine lieben Freunde, dieser Ernsti ist heute 18 Jahre alt und hat noch immer seine Mandeln und Polypen. Ein Kind kann eben noch so glauben.

Ich muss dazu noch erklären, dass der kleine Ernsti den Onkel Bruno persönlich kannte, dass er von seiner Mutter immer wieder gehört hat, dass und wie dieser Onkel Bruno helfen kann, darum stand für ihn fest: Bei uns gibt's das doch, dass es gar nicht nötig ist.

Je älter man wird und Rückschau hält, wie das Leben mit seinen Härten und Tiefen diesen Glauben, von dem uns Bruno Gröning immer wieder sagte, dass er das Wichtigste im Leben ist, der Glaube an Gott und seine immerwährende Hilfe, erschüttern will und wie oft im Leben man kleinmütig und gar nicht stark im Glauben sein will, weil der Wunsch in uns andere, eigene Wege gehen will. Aber wer einmal diesen Weg des Glaubens an Gott beschritten hat, wird sich immer wieder finden und dann demütig folgendes Gebet sprechen:

Anmerkung der Bruno Gröning Stiftung

Am Ende ihres Erlebnisberichts zitiert Anny Pelz das Gedicht „Die schwerste Bitte“ von Hermann Enke, gibt dessen Wortlaut jedoch nicht ganz originalgetreu wieder. Dieses Gedicht erscheint seit 1956 im SCHÄFER-VERLAG PLAUEN i. V. (www.schaefer-verlag.de) und lautet korrekt wie folgt:
 
Die schwerste Bitte“: „Herr, Dein Wille geschehe!“

„Dein Wille geschehe!“ So sprach ich auch gern,
als Not und Trübsal und Sorge fern.
Dann kamen Stunden, so bang und so schwer,
da wollt' es kaum über die Lippen, o Herr.
Wenn das Herze blutet, die Seele weint,
wenn der helle Tag uns wie Nacht erscheint,
dann, dann ist es so unsagbar schwer,
zu sprechen: „Dein Wille geschehe, o Herr!“
Dann möchte ich rufen: „Herr, muß es denn sein?
Nur das nicht, nur das nicht, o Vater mein!“
Und das Herze sträubt sich, den Weg zu gehn,
es kann den Allmächtigen nicht verstehen,
und es ruft wohl in all dem Schmerz und der Pein:
„Mein Gott! Mein Gott! Soll das Liebe sein?“
Und wieder und wieder: „O Vater, vergib,
vergib meine Zweifel, Du hast mich doch lieb;“
verzehrt sich mein Herz auch in Weh und Pein,
muß dennoch Dein Weg der rechte sein.
Dein Wille geschieht zwar, wenn ich's auch nicht will,
doch macht dieses Wissen das Herz mir nicht still.
Herr, lehr Du mich rufen von Herzensgrund,
Daß ich sprech‘ mit dem Herzen, nicht nur mit dem Mund:
„Dein Wille geschehe! Nicht wie ich will!“
Nur so wird es in mir allmählich still.
Herr, wende mein Herz ganz ab von der Welt,
und führe Du mich, wie Dir es gefällt.
Sind rauh auch die Wege und dornenvoll,
ich weiß, Du führest mich dennoch wohl.
Dies soll meine tägliche Bitte sein:
„Daß ich nichts mehr begehre, als Dich, Herr, allein.“
Dein Wille gescheh', wenn die Sonne lacht,
Dein Wille gescheh', in Trübsalnacht,
Dein Wille gescheh' jetzt und ewiglich,
so nimm Herz und Hände und führe mich!
Wenn ich auch das Ziel Deiner Wege nicht seh‘,
Du führst mich doch wohl, Herr, Dein Wille gescheh‘!

Hermann Enke
 



Quelle:
Archiv des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V. Freiburg i. Br., Bestand: 20/16, Signatur: "Schulungsbriefe 1976/1977"