Erlebnisbericht von Clanner

Baronin Sophie Koch von Clanner, undatiert
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Ich hatte das Glück, oft und durch Jahre hindurch an den Zusammenkünften mit Bruno Gröning teilnehmen zu können, hatte auch persönlich mit ihm Kontakt und habe unzählige seiner Heilungen miterlebt. Ich fühle mich daher berechtigt und auch aus Dankbarkeit verpflichtet, meine Erlebnisse und Erkenntnisse anderen und im besonderen unserer Gemeinschaft mitzuteilen.

Als im Jahre 1949 alle Zeitungen von den Aufsehen erregenden Heilungen Grönings berichteten, bat mich meine Tochter, die Verbindung mit Gröning herzustellen, zum Zwecke der Heilung ihres Mannes. Im Rheinland, wo sich meine Tochter aufhielt, war für Gröning Heilverbot, sogar Haftbefehl erlassen worden. Mein Schwiegersohn litt an Schüttellähmung. Geistig wirkte sich die Krankheit bereits stark aus. Im übrigen wurde er als vollkommen gesund erachtet. Die Ärzte hatten erklärt, ihn nicht heilen zu können, er bekam Beruhigungsmittel wie Atropin und Scopolain.

Meine Tochter und ich waren trotz dem damaligen „Gröning-Rummel“ skeptisch und abwartend Gröning gegenüber eingestellt. Da der Kranke aber seine ganze Hoffnung auf Gröning setzte und seine Frau beständig bestürmte, wollte sie ihm diesen letzten Versuch, gesund zu werden, nicht abschlagen. Trotz Bekanntschaft mit Harwart  scheiterten alle Versuche meinerseits, an Gröning heranzukommen.

Ich entschloss mich kurzerhand, mit dem Kranken, der mittlerweile nach hier gekommen war, zum Traberhof zu fahren, um dem Willen des Kranken Genüge zu tun.

An einem Dienstag kamen wir mittags an. Eine große Menge wartete bereits auf Gröning und vermehrte sich noch in den darauf folgenden Tagen. An der Längsseite des Gebäudes lagen und saßen die Schwerstkranken, Fälle, die in der Öffentlichkeit im allgemeinen nicht zu sehen sind, dahinter waren die Autos mit den Kranken aufgereiht und hinter letzteren die große Menge der Menschen, teils Kranke, teils Neugierige.

Gröning war nicht anwesend. Von Zeit zu Zeit kam ein Mann auf den Balkon des Hauses, der der Menge zusprach und erklärte, dass, wenn auch Gröning nicht da wäre, so sei diese Stelle von ihm angestrahlt, für mich damals ein unklarer Begriff. Die Menschen sollten an ihre Genesung glauben und zu Gott beten. Gelegentlich kam auch ein Herr aus dem Hause, um einen Kranken zu behandeln. Die Behandlung bestand aber nur darin, dass er dem Kranken zusprach, aber ausdrücklich erklärte, dass er nicht durch eigene Kraft heile, sondern in Verbindung mit Gröning stehe, der ihm die Kraft zu Heilung sende. Um den Heilenden bildete sich eine Traube von Menschen, die es mir unmöglich machte mit meinem Kranken zu ihm zu gelangen. Heilungen kamen zustande, einige durch Einwirkung des Heilenden, die meisten aber ohne seine Mitwirkung. Wenn eine Heilung erfolgt war, riefen die Leute: „Heilung!“, beteten und sangen: „Gott, wir loben Dich!“ Sie glaubten verständlicherweise an Wunder. Ich dagegen glaubte nicht, dass ein Mensch Wunder tätigen kann. Man hörte die Rufe der Heilung einmal im vorderen, dann im hinteren Teil der Menge, einmal rechts, einmal links.

Ich berichtete nur über die Fälle, die sich in meiner nächsten Umgebung abspielten, die ich einwandfrei beobachten konnte. Ich sah ein vorher gelähmtes Kind mit Erfolg seine ersten Gehversuche machen, sah einen Mann, der seine Krücken wegwarf und davonging, als ob er sich nie anders bewegt hätte. Ich beobachtete eine Zigeunerin, die sich in Heilschmerzen am Boden wand, inbrünstig betete und uns aufforderte, sie mit unserem Gebet zu unterstützen. Plötzlich sprang sie auf mit dem Ruf: „Ich bin geheilt!“, und stürmte auf eines ihrer Familienmitglieder los, das in der Nähe mit gelähmten Beinen saß. Sie umarmte ihn voller Freude. Und nun begann auch er die Beine zu bewegen. Man half ihm auf, und schon machte er, obwohl noch unterstützt, die ersten Gehversuche.

In einem Auto nahe meinem Standort war ein Ehepaar mit einem ungefähr zwei Jahre alten Kinde. Es lag auf dem Rücken, sitzen konnte es nicht, die Bewegungen der Arme waren zuckend, das Gesicht verkrampft, um es milde auszudrücken. Das Ehepaar war den Tag vor mir angekommen und erzählte voller Freude, dass das Kind, das nie einen richtigen Schlaf kannte, hier gleich fest eingeschlafen sei. Nach seinem ersten Erwachen und in den darauf folgenden Tagen, bemerkten sie bereits eine Besserung des Befindens, berichteten sie, und wir mussten auch jeden kleinsten Fortschritt bewundern, der sich während dem Schlafe in dem Kinde voll-zogen hatte. Sie wollten bleiben, bis das Kind ganz gesund wäre.

Am Freitag Nachmittag kam Gröning, und noch dieselbe Nacht fuhren die beiden nach Hause. Das Kind saß fröhlich lachend auf dem Arm des Vaters und machte den Eindruck eines vollkommen normalen Kindes.

Am zweiten Abend meines dortigen Aufenthaltes goss es in Strömen. Ich suchte einen Unterschlupf und fand am Parkplatz einen Omnibus, der nur mit einigen Personen besetzt war. Ich frug den Fahrer, ob wir uns hereinsetzen dürften, was er auch gestattete. Unerwartet kam der Heiler in den Omnibus, ging auf eine Frau zu – ich hatte vorher nicht beobachtet, was ihr fehlte – und heilte sie. Sie erklärte auch, dass sie geheilt sei.

Bevor mir ein anderer zuvor kommen konnte, interessierte ich den Heiler für meinen Kranken. Er forderte ihn auf, die zitternden Hände auf die Knie zu legen und sie festzuhalten, was trotz wiederholter Aufforderung nicht gelang, denn die Hände rutschten immer wieder an den Schenkeln hoch. Mein Kranker machte einen voll-kommen hilflosen Eindruck und wurde immer hilfloser, je mehr sich der Heiler um ihn bemühte, bis, offen gesagt, mir die Geduld riss und ich dem Kranken kategorisch sagte: „Wenn du geheilt werden willst, musst du tun, was dir befohlen wird.“ Sei es, dass ihm meine Energie übertragen wurde, oder der Kranke sich zusammenriss, das Zittern verringerte sich merklich, bis es schließlich ganz aufhörte.

Der Heiler verließ den Wagen. Nun saß im Wagen auch eine dicke Frau, scheinbar auch eine Heilsuchende. Diese fing im wahrsten Sinne des Wortes zu keifen an. Sie war scheinbar aufgebracht, dass ich, der Eindringling in dem von ihnen gemieteten Wagen die Heilung meines Kranken erreicht hatte. Diese Anrempelung regte meinen Kranken auf, er wünschte, zu gehen, ich wollte aber nicht so ohne weiteres nachgeben. Erst als ich merkte, dass mein Kranker wieder zu zittern anfing, entsprach ich seinem Wunsche. Der Zustand meines Kranken war durch die Aufregung wieder derselbe wie vor der Heilung. Wir gingen auf das Haus zu, dessen Türe gerade geöffnet wurde, und erreichten, eingelassen zu werden und so konnte ich gerade noch das Glück einer Mutter sehen, deren Tochter eben das Augenlicht wieder bekommen hatte.

Nun kam ein Pole herein, er trug ein Menschenbündel, das er auf den Tisch legte. Die Glieder waren verkrampft, das Gesicht zeigte deutlich an, dass er ein Trottel war, der Mund war verzerrt, und er gab tierähnliche Töne von sich. Gelegentlich wurde er in einen anschließenden Raum getragen und nach geraumer Zeit wieder zurückgebracht, und nun setzte man ihn bereits auf den Tisch. Die Füße waren nicht mehr eingezogen, sondern hingen von dem Tisch herunter, auch bewegte er sie, lachte vergnügt, sich über seine Füße freuend, und dabei bekam sein Gesicht einen menschenähnlicheren Ausdruck.

Im selben Raum befand sich auch ein Mann, der auf Stöcken ging und die Füße ganz nach auswärts aufsetzte, sodass sie rechtwinklig nach außen standen. Auch dieser ging in den Raum und kam heraus, zupfte mich am Arm und sagte: „Sehen sie nicht, meine Plattfüße sind weg!“, und ging ganz normal auf und ab. Später ging er auch allein, ohne Stöcke, die Stiege herunter.

Wir wurden kurz gebeten, das Haus zu verlassen. Ich brachte meinen Kranken zu Bekannten und ging in einem angrenzenden Wald spazieren, um alles was ich gesehen habe, zu überdenken und zu versuchen, das Erlebte auf einen Nenner zu bringen. Und da ich zu keinem Resultat kam, beschloss ich, zu bleiben bis Gröning käme und hoffte, durch ihn eine Erklärung der Vorkommnisse zu bekommen.

Am Freitagabend kam Gröning, von Schutzleuten vor der Menge geschützt, die ihm die Hände entgegenreckten und ihn zu berühren suchten. Er trat auf den Balkon und bat um eine halbe Stunde Ruhepause. Mit der Anwesenheit Grönings hatte sich die Stimmung der Menge geändert. Aus einer wogenden unruhigen Masse war ein ruhiges friedliches Volk geworden. Es herrschte die Atmosphäre einer andächtigen Kirchengemeinschaft.

Und dann kam Gröning, er stand, die Arme auf die Brüstung gestützt und schaute lange in die Ferne und dann in die Menge und sprach zu ihnen. Was Gröning sagt, ist so allgemein bekannt, dass ich es an dieser Stelle nicht wiederholen möchte. Dann ruhte sein Blick wieder auf der Menge. Zwischendurch blickte er einen Krankheitsfall besonders scharf an, vor allem, wenn er ein Stöhnen hörte, das dann auch sofort verstummte.

Die Heilungsrufe kamen zuerst von der Peripherie der Menge und rückten gegen die Mitte vor bis man sie ganz vorne hörte. Da ich mich entschlossen hatte, eine Heilung an mir auszuprobieren, um einen Schlüssel zu bekommen, habe ich die Zahl der Heilungen, die während der Anwesenheit Grönings erfolgten, nicht beobachten können.

Im Frühjahr wurde ich aus dem Krankenhaus nach der Ausheilung eines Magengeschwürs entlassen mit dem Bemerken, vorsichtig zu sein, da Magengeschwüre besonders im Herbst sich leicht wiederholten. Ich war geheilt, konnte aber fette Speisen und kalte Flüssigkeiten nicht vertragen.

Ich setzte mich bequem ins Auto, konzentrierte mich und beobachtete, was nun in meinem Körper sich entwickeln würde. Ich spürte plötzlich, wie sich mein Magen bewegte als ob er umgestülpt wurde und ein warmes Etwas an der Innenseite strich. Seitdem funktioniert mein Magen. Nun hatte ich auf Grönings Heilung wohl selbst reagiert, der Lösung der Frage, wie sich eine erklären könnte, war ich nicht näher gekommen.

Einige der in der Nähe des Balkons Stehende warfen Gröning Stanniolkugeln zu, damit er sie berühre. Gröning bat, keine Kugeln zu werfen. Wir sollten jeder einen Gegenstand in die Hand nehmen, den er bestrahlen werde. Auch ich nahm einen Metallgegenstand in die Hand und beobachtete, was erfolgen würde. Plötzlich fühlte ich einen Strom entlang meinen Arm laufen, ähnlich einem elektrischen, aber mit dem Unterschied, dass er sich langsam bewegte, bis er den Gegenstand in meiner Hand erreichte.

Meiner Auffassung nach war das Rätsel für mich gelöst. Ich kam zu der Überzeugung, dass Gröning Strahlen aussendet. Er war der Sender, die Kranken die Empfänger.

Um zum Schluss auf meinen Kranken zurückzukommen. Er fuhr geheilt zurück.

Einem Heilungssuchenden, der nach Rosenheim zum Traberhof fahren wollte, wo Gröning hinkommen sollte, bot ich an, ihn zu begleiten.

Auf einer großen Wiese vor dem Haus waren Hunderte von Menschen versammelt, die auf die Ankunft von Gröning warteten. Aber was für Menschen! Ich hatte noch nie so viel körperliches Elend vereint gesehen. Mütter mit verkrüppelten Kindern, deren Gliedmaßen ganz verzerrt waren, Trottel etc. Ich möchte dies nicht weiter schildern, es war furchtbar anzusehen.

Ich zog mich in den rückwärtigen Teil der Wiese zurück, da war man nicht dem Anblick dieses Elends ausgesetzt.

Gröning sollte kommen, wurde aber während der Fahrt immer wieder von anderen Heilungssuchenden aufgehalten und Gröning kann nicht „Nein“ sagen, wie ich später oft erlebte, wenn er helfen kann.

Wir warteten den Nachmittag, die Nacht über, erst am nächsten Tag kam Gröning. Während unserer Wartezeit wurde uns mitgeteilt, dass Gröning uns sagen ließe, er sei gedanklich bei uns und mit uns verbunden. Und plötzlich wurde jemand aus der Menge geheilt, und er stimmte das Lied an: „Großer Gott, wir loben Dich!“, und wir alle sangen mit. Und immer wieder ertönte das Lied, mal da, mal dort. Wieder war eine Heilung erfolgt.

Ich kann nur über die Heilungen berichten, die in meiner unmittelbaren Nähe geschahen, denn die Ansammlung der Menschen war zu dicht, als dass man an den jeweilig Geheilten heran kam. Auf einer Decke saß ein etwa 20-jähriges Mädchen, beide Beine von der Hüfte aus gelähmt. Nicht weit von ihr ein junger Mann, ihr Bruder, desgleichen gelähmt. Plötzlich fing sie an, sich wie eine Schlange zu winden, um dann aufzuspringen, auf den jungen Mann zuzulaufen, den sie aus Freude über ihre Heilung umarmte. Nicht lange darauf erhob auch er sich; seine Lähmung war behoben.

Endlich kam dann Gröning. Er forderte uns auf, wir sollten uns vollkommen entspannen, unsere Gedanken abschalten. Wir sollten nicht an unsere Krankheit denken, dagegen in uns hineinhorchen und beobachten, was im Körper geschieht. Man konnte beobachten, dass Gröning vom Balkon aus sich auf einen bestimmten Kranken konzentrierte, der auch dann stöhnend reagierte. Er war im Kampf mit seinem Gebrechen. Alles was ich sah, vielmehr erlebte, war mir so unergründlich, dass ich mich entschloss, zu versuchen, ob auch ich auf diese Einwirkung Grönings ansprechen würde. Ich glaubte damals, nur so diese Vorkommnisse verstehen zu können.

Später als ich mit Gröning sprach, d. h. ich brauchte nicht zu sprechen, er las meine Gedanken, sagte er mir: „Versuchen Sie doch nicht zu verstehen, mit dem Verstand ist dies nicht zu erfassen.“

Aufgefallen ist mir damals auch, dass ich während der ganzen Wartezeit (einen Nachmittag, eine Nacht, einen Vormittag) keinerlei Bedürfnis zum Essen hatte. Dies kam mir erst bei meiner Abreise zum Bewusstsein. Auch die übrigen Menschen ver-zehrten nichts.

Man hatte das Gefühl, dass die ganze Masse der Menschen in eine erhabene Stimmung versetzt sei. In keiner Kirche habe ich dies je in solcher Intensität erlebt. Die Menschen wirkten wie ein geschlossener Block, ausgerichtet auf Gröning. Wenn Gröning den Versammlungsraum betrat, es herrschte Totenstille, stand er eine Zeit lang regungslos da. Mit äußerst angespanntem Gesichtsausdruck analysierte er die Leiden der Anwesenden und ordnete sie nach Krankheitsgruppen. Alle krankhaften Schwingungen, die die Kranken ausstrahlten, konzentrierte er auf sich. Er wusste, an was jeder litt, wenn auch äußerlich nichts an ihm zu bemerken war. Der Kranke durfte ihm gar nicht von seiner Krankheit erzählen. Auch eine körperliche Berührung des Kranken gab es nicht. „Ich sehe, sagte Gröning, durch die Menschen hindurch, ich sehe jeden Nerv, jede Verästelung. Erklären darf ich es nicht, Gott lässt es mich erkennen.“ Und er lehrte uns, wie wir uns verhalten sollten. Nicht an unsere Krankheit denken, in uns hineinhorchen, die Wirkungen im Körper beobachten. Diejenigen, die sich so einzustellen verstanden, empfanden den seelischen Kontakt, anders gesagt, emp-fingen die Strahlen, die von Gröning ausgingen. Diese Strahlen bewirken einen Ausgleich der Kräfte im Körper, verstärken dessen Antriebskraft – sprich Seele, die aus unserem Fleisch erst einen Menschen macht. Gröning spricht die Seele des Menschen an, aktiviert die Seelenkräfte in ihm und belebt so das Ursächliche, denn dieses Ursächliche ist die Schuld an der Wirkung, „die Krankheit“.

Ich habe erlebt, dass Gröning, noch bevor er zu sprechen anfing, auf einen Herrn im Hintergründe zueilte, vor ihm stehen blieb und sagte: „Sie können gehen, Sie kann ich nicht heilen!“ Der Mann machte keine Anstalten den Raum zu verlassen, worauf Gröning sagte: „Überlegen Sie sich einmal, wie Sie ihr Geld verdient haben.“ Der Herr stand auf und ging.

Später kamen Jahre, in denen ich oft nach Gräfelfing fuhr, um auch privat Gröning zu treffen. Ich konnte damals Grönings Einwirkung auf Pflanzen und Hunde be-obachten. Blumen waren in seiner Nähe im Wachstum nicht zu bändigen, und den Hunden sah man das Wohlbehagen an, das sie empfanden, wenn sie ihr Lieblingsplätzchen zu Grönings Füßen einnahmen. Ein Wachhund wäre bei Gröning illusorisch gewesen. Gröning konnte damals tagsüber das Haus nicht verlassen, ohne von Heilungssuchenden bestürmt zu werden. So ging er nur aus, wenn es dunkel wurde.

Sein Spaziergang führte ihn dann einen Waldweg mit den zwölf Stationen des Leidens Christi entlang; der nach Maria-Eich führte. Eines Tages erzählte mir Gröning, dass er gelegentlich auf einem dieser Spaziergänge einen Stein aufgehoben habe, denselben „angesprochen“ habe, um ihn dann in der Nähe einer dieser zwölf Stationen niederzulegen. Er sagte, wer den wohl mal zufällig aufheben würde? Nun war zu dieser Zeit die ganze Länge dieses Waldweges frisch geschottert worden. Ich wollte diesen Stein haben, unter den Millionen, ja Milliarden von Steinen wollte ich ihn herausfinden.

Ich hatte einmal eine Katze des Abends beobachtet, es war dunkel. Ein Vogel saß hinter dem Stamm eines Baumes, sodass die Katze, von der Richtung, aus der sie kam, ihn nicht sehen konnte, und doch kam sie in gerader Linie auf den Vogel zu und war von der Richtung nicht abzubringen. Warum sollte ich mich nicht auf die Strahlen von Gröning einstellen können? Ich ging einige Stationen ab. Plötzlich wusste ich, diese ist die richtige. Ich hielt die Hand offen, suchend über all die Steine und spürte plötzlich den mir bekannten Strom Grönings. Ich war keinen Augenblick im Zweifel, dass dies der Stein war. Deutlich spürte ich die Strahlung, die von ihm ausging. Als ich Gröning wiedersah, fragte ich ihn: „Ist dies der Stein?“. Er besah ihn sich und bejahte. Den Stein habe ich noch heute.

Man kann Grönings Wirken und dessen Ergebnisse sich nur dadurch veranschaulichen – verstehen kann man es nicht – indem man Vergleiche mit der Natur zieht, denn der Mensch ist ein Teil der Natur, – letzteres in einem sehr weiten Sinn verstanden – und den Regeln derselben unterworfen. Um ein Beispiel zu geben: Ein Hamster geht, nachdem er in einem Bau seinen Wintervorrat an Futter gestapelt hat, das Revier, das darum liegt, ab. Durch keine sichtbaren Zeichen oder wie der Fuchs durch Losung, hat er die Grenze markiert. Der fremde Hamster, der dieses Revier betritt, ist sich bewusst, dass er in einen fremden Bereich eindringt und verhält sich danach. Wenn er vom Eigentümer dieses Bereiches gestellt wird, stellt er sich nicht dem Kampf, sondern flüchtet schuldbewusst.

Ein Ausspruch Grönings – damals mitgeschrieben: „Wenn ich eine Kugel berührt habe,“ – gemeint sind die Stanniolkugeln – „so kehren in ihr alle Strahlungen, von denen unsere Erde umflossen ist, in ihr wieder und bringen den Menschen mit den himmlischen Strahlen in eine niemals mehr erschöpfende Verbindung. Er erfährt eine vollständige Neuregelung.

Da von Krankheiten bei den Zusammenkünften nicht gesprochen werden durfte, denn mit den Gedanken daran hält man sie fest, konnte man Heilungen nur bei sichtbaren Krankheiten, wie Lähmungen, Tauben, Blinden, Geisteskranken etc. feststellen. Nur an den Reaktionen, wie Zittern, Schwitzen, von Heilungsschmerzen verzogenen Gesichtern konnte man erkennen, dass eine Heilung im Gange war. Gröning hatte oft einen Arm voll Krücken und Stöcken, die er den Kranken abgenommen hatte. Ich höre noch Gröning sagen, als er vor einem sehr Ängstlichen stand, der nur ganz erstaunt seine nun beweglichen Beine betrachtete: „Wenn ich Ihnen sage, Sie können gehen, können Sie gehen, gehen Sie!“ Und er konnte gehen und ging. Ein Tauber beklagte sich, dass er nichts höre, worauf Gröning lispelte: „Hören Sie mich jetzt?“ Worauf der ehemalige Taube erwiderte: „Schreien Sie nicht so, ich höre Sie ja.“

Es wurde einmal ein Mann von seiner Frau hereingeführt. Man hatte von ihm den Eindruck eines lebenden Leichnams, völlig apathisch. Er begriff nur mit Mühe und mit Nachdruck, dass er auf einem Stuhl Platz nehmen sollte. Als Gröning herein kam, ging er sofort auf ihn zu. Man sagt von Gröning, dass er, bevor er den Raum betrat, in dem die zu Heilenden versammelt waren, bereits über die Krankheiten jedes Einzelnen sich bewusst war. In voller Konzentration stand Gröning vor dem Mann. Und nun begann es in diesem Mann zu arbeiten. Man sah, wie langsam Ausdruck in sein Gesicht kam, dann ein Erkennen. Die ganze Skala der Ausdrucksmöglichkeiten konnte man ihm ablesen. Gröning musste auch noch die Frau, die aus Dankbarkeit an seinem Halse hing, beruhigen. Als der Mann ging, wirkte er vollkommen normal. Wir waren tief beeindruckt.

Ein anderer Fall hatte mich seiner Zeit am Traberhof erschüttert, und mein an-erzogener Gleichmut der Öffentlichkeit gegenüber war unfähig sich durchzusetzen, als ich die Freude einer Mutter erlebte, als Gröning ihrer blinden Tochter das Augenlicht wiedergab. Es tut einem weh, einen Menschen leiden zu sehen, aber auch ein so gewaltiges Glück ist kaum zu überwinden.

In den Anfangszeiten, als Gröning heilte, ließen sich die Geheilten von ihrem Arzt untersuchen, um sich bestätigen zu lassen, dass sie gesund sind. Dies geschah besonders bei inneren Erkrankungen. Später, als Gröning Heilverbot hatte, durfte kein Arzt die Heilung bestätigen. Die Ärztekammer drohte diesem Arzt mit Ausschluss.

Ein Fall scheint mir da besonders bezeichnend für die Heilungsfähigkeit Grönings. Ein ehemaliger Blinder geht nach der Heilung zu seinem Augenarzt. Die Diagnose: „An Ihren Augen hat sich nichts geändert, mit Ihren Augen können Sie nicht sehen.“ Und der Geheilte muss dem Arzt erst beweisen, dass er sieht. – ich habe mich oft mit einem ehemaligen Dorftrottel unterhalten, der nach der Heilung vollkommen normal, sogar intelligent wirkte.

Die Heilkraft Grönings ist nicht an seine körperliche Anwesenheit gebunden, seine Strahlen wirken unbegrenzt. Wenn ihn jemand für einen nicht anwesenden An-gehörigen um Heilung bat, ließ ihn Gröning nicht ausreden. „Ich weiß schon, gehen Sie nach Hause, es ist alles in Ordnung.“ Und der Betreffende, für den er gebetet, empfing ihn gesund zu Hause.

Auch ich hatte öfters Wünsche, wenn auch meistens ohne Wissen der zu Heilenden. Einmal, als mich Gröning begrüßte, fragte er mich: „Heute wollen Sie nichts von mir?“ Im Augenblick war ich überfragt, und so sagte ich aus bloßem Übermut: „Sie könnten mich um 20 Jahre jünger machen.“ Damals war ich 59 Jahre alt. Gröning wurde ernst und sagte: „Aber Schönheitsdoktor bin ich nicht!“, gab mir die Hand und ging. Die Folge war, dass ich das bekam, was Frauen in dem Alter schon längst hinter sich gebracht haben. Und mit dem sind wohl Stoffe abgegangen, die das Alter bewirken. Heute bin ich 74, und ich mache mir oft den Spaß, Fremden gegenüber mein Alter zu nennen, um die erstaunten Blicke zu genießen, mit denen sie mich testen.

Die erste Gerichtsverhandlung, bei der ich anwesend war, in der Gröning sich verantworten sollte, dass er das gegen ihn ausgesprochene Heilverbot übertreten hatte, wurde plötzlich abgebrochen. Gröning stand vor dem Richter, der ihn fragte: „Sie haben trotz Heilverbot wieder geheilt?“ Gröning entschuldigte sich. „Wer mit mir Kontakt bekommt, wird geheilt!“

Dann hörten wir den Richter sagen, über derlei Vorkommnisse könne er kein Urteil abgeben, und die Verhandlung war zu Ende.

Später erfuhren wir, dass der Richter selbst geheilt worden war.

Gröning konnte auch Schmerzen von einem auf den anderen übertragen.

Wenn ein Kranker seine Heilungsempfindungen auf Fragen Grönings nicht schildern konnte, übertrug Gröning die Schmerzen seinem Nachbarn, der dann die Heilungsschmerzen schilderte, bis Gröning sie ihm wieder abnahm.

Gröning konnte auch Metalle in sein Kraftfeld einbeziehen, so Uhren und jegliche Apparate, die nach seinem Willen funktionierten oder nicht, dabei hatte er sie gar nicht berührt. So stark war die Wirkung, dass das Metall sich ausdehnte oder schrumpfte und die einzelnen Teile sperrig wurden. Dann nahm uns Gröning den Apparat ab, und alles funktionierte normal.

Anfangs, als noch kein Heilverbot für Gröning ausgesprochen worden war, mussten wir für Gröning bangen, dass er nicht entführt würde. Ein slawischer Typ trieb sich in der Nähe des jeweiligen Aufenthalts Grönings herum. Sie hatten die Gefahr begriffen, die darin bestand, dass ein Einzelner auf Entfernungen hinaus Waffen, sei es welcher Art, nach seinem Willen unbenutzbar machen konnte. Als das Heilverbot ausgesprochen war, verschwand dieser Bewacher. Es bestand, da der Kampf im Lande gegen Gröning im Gange war und seine Tätigkeit unterbunden wurde, keine Gefahr mehr für sie.

Die meisten Kranken, die bei Gröning Heilung suchten, kamen, weil sie als unheilbar galten. Ihnen konnte medizinische Behandlung nicht helfen, ihre Krankheit war durch unbewusst lastende Seelenkonflikte oder durch Erschütterung ihres Seelenlebens erzeugt worden, deren Behebung nur durch die Wirkung auf den Geist erreicht werden konnte.

Um gesund zu bleiben, mussten sie weiterhin den Glauben an die Wende in sich bewahren. Gröning entströmte eine Eigenkraft, die bestimmend auf fremde Wesen einwirken konnte. Gröning war von seiner Sendung ganz erfüllt, aber die Welt und deren Wissenschaft war noch nicht reif, Gröning zu erfassen. Sie kann nicht begreifen, dass Glauben an Stelle des Wissens treten kann, dass es Sphären gibt, die unsere Sinne nicht erfassen können und dass eine Lebenswirklichkeit jenseits unseres Wissens besteht.

 

Quelle:
FREIE ARBEITSGEMEINSCHAFT BRUNO GRÖNING (Hrsg.): Das Tor zum Weg (Stephanskirchen bei Rosenheim 1968, 1969) Nr. Oktober; November; Dezember; Januar