Gröning kommt

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J. S., undatiert
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Die folgende Schilderung stammt aus der Zeit der Begebenheiten am Traberhof.

G R Ö N I N G kommt

Die Erwartungen erfüllt

Lahme können gehen – Blinde können sehen

 

Der Platz vor dem Traberhof, die Zufahrtsstraßen und Wege zum Gestüt und die Koppeln gleichen einem riesigen H e e r l a g e r  v o n  I n v a l i d e n.

Am Rande haben Stände und Kioske, die von der Wurstsemmel bis zum Klappstuhl all das verkaufen, was hier gebraucht wird, niedergelassen. Bei den Fahrradwächtern stehen viele Hunderte von Fahrrädern, und zu den Parkplätzen gibt es überhaupt keine Wege mehr. Die umliegenden Gehöfte werden zu Nachtquartieren, und Tag und Nacht ist die Landpolizei mit der Regelung des Verkehrs beschäftigt.

Auf einer der Koppeln wurden Zelte errichtet. Es sind amerikanische Armeezelte, welche jetzt die Schwerkranken aufnehmen sollen. Schwestern des Bayerischen Roten Kreuzes versorgen die Bedürftigen. Im Hof des Gestütes steht der Aufnahmewagen mit den Männern vom. Bayerischen Rundfunk, die ebenfalls wie wir, hier die ganze Nacht hindurch auf Bruno GRÖNING gewartet haben. Von den elektrischen Leitungen am Dach des Traberhofes führen dicke Kabel in alle Räume des Hauses. Vor allem auf der Veranda stehen die großen Scheinwerfer der Rolf-Engler-Filmproduktion. Sie sind es, die bei Nacht die riesige Menschenansammlung beleuchten und auch Aufnahmen während der Dunkelheit ermöglichen. Rolf Engler, der jüngste Filmproduzent Bayerns, dreht hier den Film, der sich wohl das schwierigste Thema zur Aufgabe gemacht hat. Er ist es, der alle Phasen der Heilungen dokumentarisch festhält, um später Grönings Arbeit belegen zu können.

Gegen 16:00 Uhr nachmittags fährt ein großer rotgelber Wagen in Richtung Traberhof. Es ist ein Mietfahrzeug der Export Taxi-Corporation. Der Engler-Film hat es ge-mietet, und mit ihm fuhren der Aufnahmeleiter, Herr Sch. und der Kameramann H. mit nach Bremen. Nun steht in dem offenen Wagen Bruno Gröning, rechts und links von Landpolizisten flankiert. Wie die ersten der wartenden Menschen seiner ansichtig werden, bricht ein unbeschreiblicher Jubel los. Die freudig erregten Rufe gehen, als Gröning die Einfahrt des Traberhofes erreicht, in das Lied über „G r o -
ß e r  G O T T,  w i r  l o b e n  D i c h!“

Gemeinsam aus wohl 15.000 Kehlen gesungen, soll es ein Dank sein für Grönings Kommen. Als Gröning im Hof aus dem Wagen steigt, sind es wiederum kranke Menschen, die ihn sofort umringen. Kaum dass er die schmale Treppe zur Veranda, die hinter dem Hause liegt, hinaufsteigen kann.

Er nimmt sich keine Zeit, uns zuerst zu begrüßen, sondern geht sofort hinaus und spricht die Begrüßungsworte zu der Menge. Dann kommt er wieder, gibt uns allen die Hand und sammelt sich einige Minuten, um dann wieder hinauszugehen und zu den Anwesenden zu sprechen. Seine Worte werden in tiefer Ergriffenheit hingenommen. Er berichtet von seiner bisherigen Arbeit, von seinen Versuchen, Heilstätten zu errichten und seinem Kampf mit den Behörden.

Dann spricht er als erstes die Schwerkranken an. Bald ertönen aus der Menge die Rufe: „Herr Gröning, eine Heilung!“. Das Gröning-Wort „Lahme gehen, Blinde sehen“ beginnt sich zu erfüllen. Ein Lahmer winkt Herrn Gröning mit seinen Krücken zu, ein anderer zeigt allen Umstehenden seine Gehmaschine, die er nicht mehr benutzen muss, ein Vater hält sein wieder sehend gewordenes Kind in die Höhe, Mütter danken Gröning unter Tränen für die ihren Kindern zuteil gewordene Hilfe, bis wiederum die Menge ein lautes gemeinsames Gebet beginnt, das sich an diesem Tage noch oft wiederholt und das mit Chorälen und Kirchenliedern abwechselt. Bis spät in die Nacht dauern die Heilungen an.

Doch die Menge wird nicht weniger, und es ist längst dunkel, und lange schon leuchten wieder die Scheinwerfer, als Gröning wiederum auf der Veranda steht und heilt. Er bittet die Menge heimzugehen und nicht mehr an die Krankheit zu denken, an die  H e i l u n g  z u  g l a u b e n  und abzuwarten. Dann werden auch diejenigen geheilt, die jetzt noch glauben, keine Heilung zu verspüren, keine Änderung in ihrem Körper wahrnehmen können. Wichtig ist, dass sie an GOTT glauben und dass er den Willen hat, sie zu heilen. Als er endlich die Veranda verlässt, sind es die Kranken, die im Hof auf Bahren liegend auf ihn warten. Nach ihnen werden die Hilfesuchenden, die im Spielsaal ebenfalls auf Gröning hoffen, geheilt werden. Die ganze Nacht über kommt Bruno Gröning nicht zur Ruhe. Immer ist er bereit zu helfen und zu heilen, getreu der Aufgabe, die er sich gestellt hat.

J. S.

 

Quelle:
FREIE ARBEITSGEMEINSCHAFT BRUNO GRÖNING (Hrsg.): Das Tor zum Weg (Stephanskirchen bei Rosenheim 1961) Nr. März