H. D.

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M., 13.3.1957
Brief an Bruno Gröning
Abschrift (PDF)


Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst. Eigen- und Ortsnamen wurden anonymisiert, liegen im Ursprungsdokument jedoch ausgeschrieben vor.


Sehr verehrter Herr Gröning!

Die in den letzten Tagen gegen Sie veröffentlichten verleumderischen Artikel der Presse, die mich äußerst empört haben, geben mir Veranlassung, Sie meiner unverbrüchlichen Treue zu versichern.

Auf die besagten Pressenotizen in Form eines Kommentars einzugehen, ist hier m. E. fehl am Platz. Dafür möchte ich lieber die Gelegenheit benutzen und Ihnen folgenden kurzen Bericht über den Verlauf der hinter mir liegenden Krankheit geben:

Im September bin ich nach Entfernung der Polypen plötzlich an Bronchial-Asthma erkrankt. Zunächst war ich insgesamt vier Monate arbeitsunfähig. Davon verbrachte ich drei Wochen im Krankenhaus und vier Wochen bei einem Kuraufenthalt. Besonders die ersten zwei Monate – von denen hatte ich unter schwersten Erstickungsanfällen zu leiden. Die Wiederherstellung meiner Arbeitsfähigkeit hatte ich einer Frischzellenbehandlung zu verdanken.

Nachdem sich aber nach einem halben Jahr wieder Beschwerden einstellten, ließ ich mich diesmal in der Hauptsache mit Calcium behandeln, was vorerst auch Erfolge zeitigte. Als sich jedoch im vergangenen Jahr die Anfälle immer mehr häuften und weder Calcium noch sonst irgendwelche Medikamente Linderung verschaffen konnten, wurde mir das unsagbare Glück zuteil, durch Vermittlung einer meiner Mutter und mir bekannten Frau zu Ihnen zu stoßen.

Bevor ich zu Ihnen kam, lag ich fast jede Nacht 3 – 4 Stunden wach und hatte kolossal unter Atemnot zu leiden. Ferner hatte ich Schwierigkeiten, jeden Morgen pünktlich meinen Dienst im Büro anzutreten, weil ich auf dem Weg ins Geschäft oft ausgedehnte Schnaufpausen einlegen musste.

Aber von dem Tag an, ab dem ich mit Ihnen, sehr verehrter Herr Gröning, in Verbindung trat, war alles ganz anders. Ab sofort war es mir möglich, jegliche medizinische Mittel zu entbehren. Nach 14 Tagen etwa stellte sich eine Reaktion ein, wonach mein Leiden völlig ausgelöscht war. Heute habe ich meine Gesundheit wieder zurückerlangt. Ich bin wieder ohne jede Beschwerden – abgesehen davon, dass ich in letzter Zeit täglich 10 – 12 Zigaretten rauche.

Für Ihre mir zuteil gewordene uneigennützige Hilfe werde ich Ihnen mein Leben lang danken und Ihr Bild stets in meinem Herzen tragen.
Gebe Gott, dass meine Mutter und ich noch viele Stunden mit Ihnen erleben dürfen.

In tiefer seelischer und geistiger Verbundenheit

Ihr
H. D.


Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung