Heilungsbericht: Kopf- und Stirnverletzung (Eidesstattliche Erklärung)

E-MailPDFDrucken

Elfriede Carmesin, Tettenborn
1.4.1949


Original (PDF)
Abschrift (PDF)

Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst.

 

Tettenborn, 1. April 1949

 

Eidesstattliche Erklärung

Am 29. 3. nachmittags ging ich wie jeden Tag zu Frau Mitching. In dem Hause wohnen wir als Flüchtlinge. Frau Mitching erzählte mir, dass sie Besuch von einem Herrn G. hatte, welcher eine wunderartige Ausstrahlungskraft habe. 

Kaum, dass sie mir dieses gesagt hatte, klopfte es und ein schlicht gekleideter Herr kam herein. Frau Mitching stellte mir Herrn G. vor. Als ich mich anstandshalber entfernen wollte, bat mich Herr G., doch sitzen zu bleiben. Daraufhin erzählte Frau Mitching, dass ich auch Flüchtling aus Pommern sei und infolge eines Bombenangriffs eine schwere Kopf- und Stirnverletzung davongetragen hatte. Seit dem Unglück hatte ich schwer zu leiden. 

Ich wollte Herrn G. Näheres erklären, doch dieser winkte ab mit den Beschwerden, dass er genau im Bilde sei. 

Ich war dann sehr aufgeregt und Herr G. fing sofort mit seiner Behandlung an. Im selben Augenblick fühlte ich von den Füßen aufsteigendes Kribbeln. Es ging über den ganzen Körper, Hände und Arme, bis an den Kopf und blieb an der Wunde hängen. Es riss mir an der Wunde, als ob mir da jemand drüberstreiche. Da ich dieses kaum noch ertragen konnte, brach Herr G. ab und bat mich, am Abend wiederzukommen.

In Folge einer Unruhe im Hause konnte ich an diesem Abend nicht zu Frau Mitching gehen. Ich verbrachte dann eine sehr unruhige Nacht, weil es in meinem Körper kribbelte und riss, besonders an der Kopfstelle.

Am anderen Morgen sprach ich Herrn G. und dieser bat mich, am Abend wiederzukommen. Abends behandelte er mich fast drei Stunden. Er erklärte mir, dass er gerade zur rechten Zeit gekommen sei, um mich von einem Unglück zu bewahren. Das glaube auch ich ganz bestimmt, wie schlecht es um meinen Kopf und Körper stand. Am anderen Morgen, Herr G. war gerade abgereist, erwachte ich und fühlte mich wie neu geboren. 

Da mir Herr G. riet, immer in Gottes freie Natur zu gehen, habe ich auch seit der Zeit auch immer den Drang nach draußen und suchte mir Abwechslung. Dass diese Abwechslung die trüben Gedanken zu bannen. 

Ich bin froh und glücklich, dass Herr G. in unser Haus kam und mich von meiner Not befreite. Ich will dem Herrgott immer dankbar sein, dass er Herrn G. auch zu mir schickte.

In Dankbarkeit bleibe ich H. G. immer verbunden.

Elfriede Carmesin

Frau Elli Kratein

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung