Peter Klingelhöfer

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Kochel, 1960
Heilungsbericht
Abschrift (PDF)

 

Am 16. September 1950 wurde ich in München von einer umstürzenden Reklamesäule aus Beton getroffen, und von einem Polizei-Streifenwagen leblos und blutüberströmt in ein Krankenhaus eingeliefert. (Die Stadtgemeinde München wurde am 27. November 1952 vom Landgericht 1 verurteilt und sollte nun alle entstandenen Behandlungskosten sowie Schadenersatz tragen.) Erst nach vielen Tagen erreichte ich das Bewusstsein wieder. Ich erfuhr, dass ich in dieser ganzen Zeit bereits in der sogenannten Totenkammer lag und dort drei Mal versehen worden bin. Man rechnete, also mit meinem Ableben. Der Arzt berichtete mir, dass ich einen schweren Schädelbasisbruch mit Gehirnverletzung und Gehirnquetschung erlitten habe. Dadurch treten dauernde Hirnblutungen auf. Außerdem wurde ein linksseitiger Schulterbruch und sämtlicher linken Rippen festgestellt, Der linke Brustkorb war eingedrückt, das Herz verschoben, also verlagert.

Meiner furchtbaren Schmerzen wegen erhielt ich nun Betäubungsspritzen, die mich zum Schlafen zwangen. Dies ging einige Monate lang. Als sich eine leichte Besserung zeigte, wurde ich in ein Ausweichkrankenhaus eingeliefert. Dort erfuhr ich, dass inzwischen mein Malergeschäft vollkommen aufgelöst wurde, da die Arbeiter keine Löhne ausbezahlt erhielten. Dieser Schreck sowie die vielen Föhnwetterlagen verschlechterten meinen Zustand. Es musste täglich wieder gespritzt werden. Der Chefarzt setzte mir vier Blutegel an den Kopf, doch dies brachte mir noch rasendere Schmerzen ein, sodass ich dagegen alle paar Stunden Morphium eingespritzt bekam. Ich konnte auch nichts mehr essen, denn ich sah im Essen und auf der Bettdecke als Folge meiner Gehirnverletzung lauter Käfer laufen.

Kurz vor Weihnachten wurde ich im morphiumbetäubten Zustand in eine Nervenklinik nach München transportiert. Als dort meine Schmerzen etwas nachließen, erhielt ich die Erlaubnis, nach meinem Heimatort zu fahren. Dort war inzwischen nicht nur mein Geschäft, sondern auch meine Wohnung aufgelöst. Bekannte nahmen sich meiner an. Bald mussten sie jedoch meiner rasenden Schmerzen wegen einen Arzt rufen, der mir eine Spritze gab. Ich setzte nun durch,dass ich nicht mehr in die Nervenklinik zurück musste, sondern zur ambulanten Behandlung zugelassen wurde. Herr Dr. X. spritzte in der Hauptsache Traubenzucker, aber auch Betäubungsmittel ein.

Durch den Verkauf meiner restlichen Handwerkzeuge erhielt ich etwas Geld zum Leben, und ein früherer Gehilfe gab mir einen Raum in seinem Keller zum Wohnen. Eine frühere Kriegsschwester nahm sich meiner Pflege an, sie versetzte dafür ihre ganzen Wäschebestände. Ich konnte aber das Bett nicht mehr verlassen, weil mein Herz öfter zu schlagen aufhörte. Ein in der Nähe wohnender Arzt gab mir nun laufend Herz- und Impletolspritzen. Als ich wieder fast am Sterben war, holte mich im letzten Moment ein ehemaliger Kriegskamerad mit meiner Pflegerin zu sich per Auto nach Ingolstadt. Fast dreiviertel Jahre lang lag ich meinem Kameraden auf der Tasche. Der Arzt spritzte Tag und Nacht. Endlich nach eineinhalb Jahren setzte ein Anwalt durch, dass ich eine jeweilige monatliche Rente von 200 DM erhielt. Ich zog darauf mit meiner Pflegerin nach Kochel/Oberb. und begab mich in die Behandlung von Herrn Dr. med. X. und Herrn Dr. med. Z. Dieselben gaben mir unzählige chemische Spritzen im Laufe von eineinviertel Jahren.

Auf Ansuchen der Allianz-Versicherung musste ich wieder in die Nervenklinik München. Doch konnte ich es durchsetzen, dass ich in private Behandlung von Herrn Prof. Dr. X. kam. Hier wurde ich erst acht Tage lang beobachtet in Anwesenheit eines Stadtratsmitgliedes. Es wurde noch Nervenoberarzt Dr. X. zugezogen, und außer vielen Spritzen auch Röntgenaufnahmen gemacht, da die vor Jahren gefertigten nicht mehr auffindbar waren. Da die Schmerzen immer schlimmer wurden, schnitt man mir an beiden Seiten des Halses ein, um die verletzten Kopfnerven abzutrennen. Dies geschah bei vollem Bewusstsein. Außer den wahnsinnigsten Schmerzen bekam ich nun hohes Fieber. Ich weigerte mich, noch länger in dieser Behandlung zu bleiben und kehrte zurück nach Kochel in die Behandlung von Herrn Dr. X., der mir wiederum Morphiumspritzen verabreichte. Auf allgemeines Anraten wurde ich dann in München alle Wochen punktiert bei Herrn Dr. X. Doch mein Zustand wurde daraufhin noch schlechter, mein Körper sollte durch die Punktierung von den tausenden Spritzen entlastet werden. Es musste aber neuerdings gespritzt werden, da ich der Schmerzen wegen dem Wahnsinn und dem Selbstmord nahe war. Nochmals versuchte man im Krankenhaus eine Entziehungskur, und ich musste Tag und Nacht meine Schmerzen in die Kissen brüllen. Ich war dem Ende nahe und wollte mich umbringen.

Da hörte ich von Bruno Gröning – und „es griff Gott ein“!

Am 31. Mai 1954 kam für mich ein telefonischer Anruf, dass ich nach Grafrath zu Bruno Gröning kommen soll in der Zeit von 10 - 11 Uhr. Ein Bekannter in Kochel verfrachtete mich, mehr tot als lebend, in seinen Wagen und fuhr nach Grafrath, immer in Sorge, dass ich unterwegs sterbe. Aber um 1/2 10 Uhr klingelten wir an dem Haus von Bruno Gröning. Ich wurde bereits erwartet und sorgfältigst von Frau Gröning und dem Bekannten ins Haus getragen. Dort wurde ich in einen Sessel gelegt.

Für mich war nunmehr der entscheidende Augenblick über Leben oder Tod gekommen. Ich hatte wie immer rasende Schmerzen. Auf einmal war das Zimmer wie in ein blendendes Licht getaucht. Bruno Gröning stand vor mir. Er trug ein einfaches Hausgewand. Ich sah ihn an und hatte das Empfinden (ein scheinbares Empfinden natürlich!), der Engel Gabriel war mir von Gott gesandt, um mich zu erlösen von all der jahrelangen Qual und Schmerzen.

Mit volltönender Stimme hörte ich Gröning sagen: „Es stimmt alles, dieser Mensch hat Furchtbares hinter sich, ich muss ihm helfen!“ Er ergriff meine beiden Hände, und ich spürte ein angenehmes Rieseln durch meinen Körper, eine wunderbare Kraft strömte in mich ein. Ich begann, freier zu atmen und merkte einen feinen Duft auf mich zukommen. Während Bruno Gröning meine Hände in seinen warmen guten Händen hielt, sprach er von meinen Kriegsverletzungen und dem Unfall mit dessen Leidensweg, so als wäre er dabei gewesen. Frau Gröning (damals noch seine Sekretärin) liefen die Tränen herunter, als sie das alles mit anhörte.

Ich hatte immer mehr das Gefühl, dass nicht nur ein Mensch, sondern auch eine Engelkraft vor mir steht. Nach ungefähr einer Viertelstunde zog mich Bruno Gröning mit den Händen hoch vom Sessel und sagte, ich solle fest stehen – und tatsächlich, ich stand wie in früheren Tagen wieder fest auf meinen Beinen!

Bruno Gröning hielt mich immer noch an den Händen, und es floss durch mich wie ein prickelnder Strom eine wohltuende Kraft ein. Er sagte: „Es wird alles wieder gut, du wirst vollkommen gesund werden. Ich schenke dir die ganzen Kräfte!“ Bis auf meine bohrenden Schmerzen im Kopf und einer eisigen Kälte im unteren Teil meines Körpers fühlte ich schon eine wunderbare Veränderung in mir. Nach einiger Zeit frug mich Bruno Gröning, wie ich mich fühle. Ich sagte: „Wunderbar, nur diese große Kälte im unteren Körper ist mir neu.“ Darauf ließ er meine Hand los und gab mir zwei Stanniolkugeln je in eine Hand und erklärte mir: „Das wird gleich anders sein!“ – Er ging von mir weg, um eine Widmung am Tisch zu schreiben. Ich stand fest allein mit den Kugeln da.

Plötzlich zog eine wunderbare Wärme in meinen ganzen Körper bis zu den Füßen. „Nur im Kopf habe ich noch Schmerzen“, sagte ich, als er mich frug, ob ich mich schon wohler fühle. Er nahm wieder meine Hände und fuhr dann mit einer Hand mit den Worten: „Ich nehme dir jetzt die Schmerzen weg“ über meinen Kopf – und die Schmerzen waren weg. Ich hätte vor Freude und Lust singen können, ich war wie ein neugeborener Mensch!

Da sah ich ihn an und erschrak, denn plötzlich war sein Gesicht in Schmerzen ver-zerrt. Ich musste weinen, aber er sagte zu mir: „Musst nicht traurig sein, ich habe nur deine furchtbaren Schmerzen von dir übernommen,aber ich bringe sie schon wieder los!“ Er nahm meine beiden Hände und sagte: „Ich werde nun immer bei dir sein, wenn du mich brauchst, es wird alles wieder gut!“

Nach ungefähr einer Stunde fühlte ich mich so frisch und gekräftigt wie in meinen jungen Jahren. Bruno Gröning sagte: „Ich lasse dich jetzt allein, obwohl ich immer bei dir bin, du kannst jetzt nach Hause fahren, aber ganz gesund bist du noch nicht; ich muss dir erst noch die vielen tausend Spritzen aus dem Körper holen, und das dauert vierzehn Tage lang.“

Ich konnte nun die Treppe sogar herunter springen, als wenn mir nie etwas gefehlt hätte! Mein Bekannter, der im Wagen auf mich draußen wartete,war sprachlos und konnte es kaum fassen. Er sagte: „So etwas gibt es ja gar nicht! Kein Arzt konnte mehr helfen, und nun springt mir ein vollkommen gesunder Mensch entgegen ! Noch vor kurzer Zeit dachte ich, er muss sterben, bevor wir in Grafrath ankommen. Gröning muss wahrlich ein Wundermensch sein!“ Wir fuhren los, und ich sang und war fröhlich wie noch nie in meinem Leben. Da es inzwischen 12 Uhr wurde und wir über Weilheim fuhren, hatte ich das Bedürfnis, tüchtig zu essen, was ich schon monatelang nicht mehr konnte. Mein Bekannter konnte sich kaum fassen, als ich wie ein Verhungerter aß. Er schüttelte immer wieder den Kopf und konnte vor Staunen fast keinen Bissen hinunterbringen. Dann in Kochel angekommen, lief ich durch den Garten die Treppe zu meiner Wohnung hinauf wie ein Junger, sodass mein Bekannter kaum nachkam. Die Hausbesitzerin kam herausgelaufen, und als sie mich so gesund sah, bekreuzigte sie sich und holte aus ihrem Zimmer Weihwasser und besprengte alles rundum, da sie der Meinung war, ich sei „vom Teufel besessen“ – sie wusste doch, dass ich restlos von den Ärzten aufgegeben war!

In meiner Wohnung schrieb ich sofort meinem Arzt, dass er nicht mehr zu kommen brauche, da ich von den Ärzten genug habe und ihm auch alle noch vorhandenen Spritzen und Pillen, besonders Morphium, als Geschenk zurücksende! Mein Bekannter musste sie ihm bringen. Er kam nach einer halben Stunde zurück und be-richtete mir, dass der Arzt traurig den Kopf geschüttelt hat und meinte: „Der arme Klingelhöfer ist nun so weit, er ist wahnsinnig geworden!“ – Mein Bekannter hatte vorher von mir die Anweisung erhalten, dem Arzt nichts zu verraten von Bruno Gröning.

Bald darauf kam eine große Müdigkeit über mich. Es stellte sich Fieber ein, ich legte mich und brach in starken Schweiß aus. Auf einmal war mein Zimmer voll einem hell-rötlichen Lichtschein und der feine wundervolle Duft kam wieder in meine Nase, wie in der Wohnung von Bruno Gröning. Stundenlang schwitzte ich im Bett. Ich war mir klar, dass der Entzug der Spritzen, wie mir Bruno Gröning vorausgesagt hatte, begann, und so hatte ich keinerlei Angst und Bedenken. Doch meine Hausbesitzerin war überzeugt, dass ich „vom Teufel besessen“ war und schlug ständig mit einem Holzstück auf ein Blech vor meinem Fenster. Als mir das zu sehr auf die Nerven ging, ließ ich von meiner Pflegerin bei Bruno Gröning anrufen, er möge mir helfen, dieses böse Tun zum Schweigen zu bringen. Ganz plötzlich war Ruhe. Nun fiel ich nach stundenlangem Schwitzen in tiefen Schlaf, erwachte aber um Mitternacht und sah wieder das Zimmer voll einem rötlichen Schein. Wieder strömte der feine Duft wellenartig auf mich zu. Ich begann von neuem zu schwitzen,, Ich dachte an Bruno Gröning, der für mich wie der Engel Gabriel war – und beobachtete, wie dies alles vor sich ging. Gegen drei Uhr schlief ich wieder ein und erwachte morgens mit Hunger und Durst, aber noch sehr schwach.

Um den weiteren Anspielungen meiner Hausfrau zu entgehen, entschloss ich mich, zu Bekannten nach Hammersbach bei Garmisch zu fahren, um ungestört meiner weiteren Reaktion nachzugeben. Ich bat wieder meinen Bekannten, mich mit seinem Wagen nach Murnau zum Garmischer Zug zu fahren. Da ich noch sehr zitterig auf den Beinen stand, war ich etwas in Sorge, wie ich wohl den schweren Koffer allein zum Zug bringen sollte, denn derselbe hatte eine Stunde Verspätung. Mein Bekannter musste gehen, ich war mir selbst überlassen. Da nahm ich meine beiden Kugeln in die Hand und dachte an Bruno Gröning und meinen Engel Gabriel. Auf einmal kam ein Herr auf mich zu, zog den Hut und frug, ob er mir den Koffer tragen darf. Als der überfüllte Eilzug einlief, öffnete er die nächste Wagentür und bat für einen Platz mit den Worten „Möchten Sie so freundlich sein und diesen Herrn hier sitzen lassen,der Mann war sehr krank.“ Daraufhin, als er mich versorgt sah, grüßte er und ging weg, grüßte nochmals durch Winken zum Fenster herein. Mir war klar, dass dies wieder eine Hilfe von Bruno Gröning und meinem Engel Gabriel war.

In Garmisch angekommen, musste ich nochmals umsteigen zum Zugspitzbahnhof und dabei einige Treppen hoch steigen. Ich dachte einen Gepäckträger zu finden, aber da keiner da war, stand ich etwas zaghaft vor meinem schweren Koffer mit meinen zittrigen Beinen. loh setzte mich auf den Koffer, nahm meine Stanniolkugeln in die Hand – und da strömte der feine Duft wieder auf mich zu, eine Kraft durchdrang mich. Ich stand auf, packte den Koffer und trug ihn mit Leichtigkeit zum Zug, auch bei meiner Ankunft zum Haus meiner Bekannten in Hammersbach. Auf der ganzen Fahrt war um mich der feine Duft, und in mir ein Singen und Jubeln, als wenn ich in ein neues Leben nun komme! Ohne dass meine Bekannten wussten, dass ich komme, hatten sie alles hergerichtet und verwöhnten mich mit Essen und Ruhe. Ich legte mich gleich ins Bett, da war auch wieder der rötliche Schein mitsamt seinem Duft im Zimmer. Es war drei Uhr nachmittags, ich schlief bis fünf Uhr morgens durch. Mein Blick fiel durch das offene Fenster auf die Berge, und in einer eigenartigen Wolke sah ich deutlich Brunos Kopf, so deutlich wie er in Grafrath vor mir stand. Ich hörte seine Worte: „Nun wird alles gut!“

Langsam wurde ich nun in meinem Körper von den Giften frei, genau wie Bruno Gröning sagte, nach vierzehn Tagen würde ich alles los sein.

So ging es von Tag zu Tag vorwärts. Ich konnte alle Tage längere Spaziergänge machen und in der Sonne sitzen. Schon am neunten Tag fühlte ich mich kräftig, und die Schwäche war weg. Ich stieg auf einen Berg, ich war ein neugeborener Mensch! Alles von der furchtbaren Leidenszeit war fort!

Ich blieb noch einige Wochen bei meinen Bekannten, die mit Freude und Staunen meine volle Genesung miterlebten und mich weiter mit gutem Essen und Trinken verwöhnten. Dankbarst verließ ich dann Hammersbach und kehrte nach Kochel zurück.

Immer spürte ich, wie „mein Engel Gabriel“ bei mir war. Die Leute, die alle wussten, wie aussichtslos erkrankt ich vorher war, konnten vor Verwunderung nur immer sagen: „Da ist ein Wunder geschehen!“ Ich suchte mir einen neuen Arbeitsplatz in Murnau in meinem Handwerk als Malermeister. Ich war so voll Kraft, dass ich alle meine Mitarbeiter übertraf. Nie mehr kam ein Schmerz oder sonst eine alte Erkrankung über mich; seitdem arbeite ich frisch und froh in meinem Beruf, ja, ich be-kam noch eine große Aufgabe in einem Geschäft in München.

Allen meinen Mitmenschen aber möchte ich sagen: Auch heute noch, trotz Weggang des lieben Freundes Bruno Gröning, ist er bei mir, und die wundervoll stärkenden Kräfte kommen zu mir. Er hilft mir weiter, immer und überall!

Peter Klingelhöfer

 

Quelle:
Josette Gröning (Hrsg.): Der geistig-seelische Heiler (Denkendorf bei Plochingen/Neckar 1960) Nr. 1, S. 7–11