Lebenslauf über die Zeit, da ich Bruno Gröning kennenlernte, bis heute

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Josette Gröning, undatiert

 

Vorbemerkung
Zwar trägt das Originaldokument keine Datumsangabe, anhand anderer Archivmaterialien darf jedoch davon ausgegangen werden, dass Josette Gröning ihren Lebenslauf Ende November/Anfang Dezember 1956 abgefasst hat.

Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst.


Ich, Josette Gröning geb. Duffossé, bin am 4.2.1921 in Gonnehem bei Lille geboren.

Im August 1950 kam ich nach Deutschland aus folgendem Grunde:

Ich hatte in Lille eine Freundin, die sehr schwer gallen- und leberleidend und fast blind war. Die Ärzte hatten sie als unheilbar aufgegeben. Da in vielen französischen Zeitungen unter dem Titel: „Bruno Gröning, der deutsche Wunderheiler“ über meinen Mann geschrieben worden war und besonders darüber, dass mein Mann viele Erfolge zu verzeichnen hatte, suchten meine Freundin und ich, als ihre Begleitung, meinen Mann in Deutschland auf, um ihn um Hilfe für meine Freundin zu bitten.

Wir trafen meinen Mann in München bei dem Heilpraktiker Enderlin. Mein Mann machte mir damals einen sehr unnahbaren und reservierten Eindruck, sodass ich zuerst recht eingeschüchtert war und nicht den Mut fand, mit ihm zu sprechen. Nachdem ich jedoch mit ihm gesprochen und ihm den Grund unserer Anwesenheit mitgeteilt hatte, war mein Mann gütig und freundlich. Er bat meine Freundin und mich, im Vortragsraum Platz zu nehmen und sprach dann zu uns versammelten Leuten, die alle mit einer Bitte um Hilfe gekommen waren. Da ich schon etwas deutsch verstand und auch sprechen konnte, konnte ich auch meinen Mann verstehen und musste zu meinem Erstaunen feststellen, dass er nicht von Krankheiten und Heilungen sprach, sondern von Glauben und Vertrauen an die göttliche Ordnung. Ich begriff damals nicht, warum er so sprach und auch keinerlei Untersuchungen vornahm und auch keine Diagnosen stellte. Als ich ihn danach fragte, erklärte er uns, dass er dies nie tue und es auch durchaus nicht notwendig sei. 

Meine Freundin und ich blieben 14 Tage in München und in dieser Zeit merkte ich zu meinem Entsetzen, wie mein Mann ausgebeutet wurde, besonders von Herrn und Frau Enderlin; wie die für meinen Mann gegebenen Spenden (Geld wie kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten) in den Taschen von diesen Leuten verschwanden. Ich merkte daraus, dass niemand um meinen Mann war, der mit wirklich ehrlichem und aufrichtigem Herzen seine Sache vertrat. Er war für diese Leute lediglich eine melkende Kuh. Und so fühlte ich mich verpflichtet, Bruno Gröning aufmerksam zu machen auf die Geschäftemacherei der Enderlins. Bei einer ausführlichen Unterhaltung mit Bruno Gröning gestand er mir, dass er bis heute nur von schmutzig denkenden Menschen umgeben gewesen sei, die aus ihm nur Geschäfte zu machen wüssten. Er habe das Vertrauen an seine ganze Umgebung verloren, es würde aber auch die Zeit dafür kommen, dass ihm ein ehrlicher, aufrichtiger Mensch zugeführt würde, der seine Aufgabe darin sehe, zu ihm zu stehen, sodass er sich von den üblen Geschäftemachern würde befreien können.

Diese Aussprache gab mir zu denken, zumal ich selbst feststellen konnte, dass seine in kurzen Worten gemachten Angaben auf Wahrheit beruhten, denn ich selbst hatte das rabiate Vorgehen der Enderlins erlebt. So haben Enderlins auch dafür 10,- DM verlangt, wenn meine Freundin und ich, nach einer schon bezahlten offiziellen Begegnung mit Bruno Gröning, noch privat mit ihm sprechen wollten, obwohl ich Herrn Enderlin schon gesagt hatte, dass wir über kein deutsches Geld mehr verfügten, denn die Devisenvorschriften waren zu der damaligen Zeit sehr streng. Aber Enderlins waren rücksichtslos in ihren Forderungen und wollten uns aus dem Hause weisen, wenn wir nicht zahlten, was sie verlangten.

So sprach ich von dem Verlangen Enderlins zu Bruno Gröning, der hiervon nichts wusste, denn Enderlins steckten alles Geld in ihre Taschen. Er ordnete an, dass wir nichts zu zahlen brauchten, da wir arm waren. Hierüber waren Enderlins sehr erbost. Ich aber musste auch hieraus erfahren, von wie habgierigen Menschen mein Mann umgeben war und kam immer mehr zu der festen Überzeugung, in Bruno Gröning einen charaktervollen, aufrichtigen, gütigen, hilfsbereiten Menschen kennengelernt zu haben, dem unbedingt ein zuverlässiger Helfer zur Seite stehen musste. Seine Zurückhaltung und Güte ermutigten mich auch, bei einer passenden Gelegenheit über das Thema „Frauen“ mit ihm zu sprechen, denn ich stellte auch hier fest, dass Bruno Gröning von den Frauen direkt verfolgt wurde. Er sagte mir, dass er das wisse, aber gerade für diese Art Frauen kein Interesse habe, dass aber auch dieses Problem gelöst werden müsse, da auch dadurch auf sein Wirken und ihn selbst ein sehr schlechtes Licht falle.

All diese Erkenntnisse und das Wissen um die Gefahren, denen mein Mann und sein Wirken ausgesetzt waren, beeindruckten mich so tief, dass ich beschloss, nachdem ich meine Freundin, die sofort eine Besserung verspürt hatte, die Schmerzen an Galle und Leber bald verlor und nach 3 Tagen bereits sehen konnte, nach Hause gebracht hatte, zu Bruno Gröning zurückzukehren, und ich sagte dies auch bei meiner Abreise.

Nach etwa 3 Wochen fand ich mich daher wieder in München ein, denn ich war fest entschlossen, meinen Mann aus den Klauen seiner Ausbeuter herauszuziehen. 

Auch die unzähligen Briefe, die für meinen Mann bestimmt waren, wurden von Enderlins geöffnet und sogar des Geldinhalts beraubt, und Enderlins machten es meinem Manne unmöglich, über die für ihn eingegangene Post einen Überblick zu gewinnen. Obwohl mein Mann des Öfteren ausdrücklich danach fragte, wurde ihm von Enderlins geantwortet, dass alles bestens in Ordnung sei.

Damals wohnte ich in einer Pension, während mein Mann bei Enderlins wohnte. Nach 2 Wochen, nachdem ich eingetroffen war, gab mein Mann bei Enderlins alles auf. Wir hatten eine Wohnung in Riederau am Ammersee gefunden und so konnte ich hier etwas Ordnung in die Geschäftspapiere und Briefe meines Mannes bringen.

Dort suchte meinen Mann der Journalist Dr. Trampler auf, der meinen Mann schon von Rosenheim her kannte.

Die Wohnung in Riederau wurde uns jedoch nicht endgültig zugesprochen und so zogen wir nach 3 Monaten nach Uffing in eine Pension zu Bekannten, und mein Mann hielt in Gräfelfing in der Pension Weikersheim ein oder zwei Mal in der Woche Vortrag.

Ich konnte feststellen, dass mein Mann, nachdem er jemand an seiner Seite wusste, der zu ihm hielt und es ehrlich mit ihm meinte, jetzt freier wurde und nicht mehr so gehetzt war.

Im Jahre 1951 wurde ich Privatsekretärin bei meinem Manne und gewann nun einen genauen Überblick über alle Geschehnisse um meinen Mann.

Es gab mir besonders zu denken - und ich verfolgte alles genauestens - dass meinem Manne nicht das richtige Verständnis entgegengebracht wurde für die ganze Art seiner Tätigkeit, die eine ganz andere war, als die der Heilpraktiker und Ärzte und ich selbst zerbrach mir den Kopf darüber, wo hier der Fehler liegen mochte. Heute weiß ich, dass der Lebensweg meines Mannes ein ganz anderer ist, als der, den die Menschen im Leben gehen. Er selbst hat es bisher nicht für notwendig gehalten, der Welt Aufschluss zu geben, wie seine Tätigkeit ist und woraus sie eigentlich besteht.

Ich war schon so weit, dass ich, auf alle die vielen zu Unrecht erstatteten Anzeigen und Prozesse, die ja zumeist auf aus Nicht-Verstehen hervorgegangener Böswilligkeit der Menschen und Behörden zurückzuführen waren, dem Gericht nahezulegen und es zu bitten, doch erst einmal meinen Mann verstehen zu wollen und sein Tun und seine Lebensführung genauestens zu überprüfen und sich die Mühe zu machen, sich in diese ganze Art und Weise hineinzudenken, um feststellen zu müssen, dass mein Mann die Güte selbst ist und allein aus Menschenliebe und Hilfsbereitschaft heraus so handelt, wie es ihm einfach sein Inneres vorschreibt. Denn alleine aus dieser Menschenliebe und Hilfsbereitschaft heraus wird mein Mann überhaupt dazu befähigt, den Menschen das verloren gegangene göttliche Gut wiederzugeben.

Wie mir im Laufe der Jahre des Zusammenseins mit meinem Manne klar geworden ist, hat mein Mann durch seine rein menschlich-göttliche Einstellung vielen Menschen dazu verhelfen können, die innere seelische Ordnung wieder zurückzugewinnen.

Ich möchte hier auch zum Ausdruck bringen, dass an sich nicht böswillige Menschen, durch materialistisch denkende Menschen beeinflusst, selbst der Böswilligkeit und dem Materialismus unterlagen und deshalb nun auch böswillig und ungut - auch meinem Manne gegenüber - handelten.

Ich habe niemals verstehen können, wie man meinem Manne vorwerfen konnte, er habe gegen das Heilpraktikergesetz verstoßen, denn dies traf insofern nicht zu, als mein Mann 

1. jedem Hilfesuchenden (ob einzeln oder in der Masse) den strengen Hinweis gab und gibt, über Krankheit nicht zu sprechen,

2. in jeder nur möglichen Form darauf hinweist und –wies, dass er nicht behandelt,

 

3. bei jeder sich ihm nur bietenden Gelegenheit auf die Ärzte verweist, den die Berechtigung zur Behandlung und Medikamentenverabfolgung zugesprochen sei.

Zudem hat mein Mann niemals irgendein Mittel oder Medikament verschrieben oder verordnet.

Mein Mann erfasst die Menschen von der rein seelischen Seite, indem er die Menschen zur Selbstdisziplin und Selbstbesinnung führt, sodass der Mensch wieder weiß, was er will, und erfährt, dass er nötig hat, an das Gute zu glauben und dementsprechend zu leben und zu handeln.

Ich könnte hier laufend fortfahren das zu schildern, was ich an der Seite meines Mannes erfahren konnte, - und das möchte ich besonders betonen - feststellen, dass mein Mann in jedem Menschen das Selbstvertrauen zu wecken wusste und jedem Menschen klar zu machen verstand, dass er auch zu seinem Arzt Vertrauen haben müsse. Mein Mann hat so oft den Menschen gesagt, so wie jeder in innerer Unordnung lebende Mensch das Vertrauen zu seinem Arzt wiedergefunden habe, er schon zu 60% gewonnen habe, und wenn das wiedergewonnene Vertrauen zu seinem Arzt bestehen bleibe, er bald eine Besserung und Heilung erfahren werde.

Richtigerweise müsste mein Mann für diese seine Anweisungen von der gesamten Ärzteschaft belohnt anstatt bekämpft werden. Und es hat mich zutiefst erschüttert, dass man meinem Manne statt dessen aus Nichtverstehen und Nichtverstehenwollen heraus einen Prozess nach dem anderen macht. Besonders die Anklage gegen meinen Mann wegen Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz hat mich mit Trauer erfüllt, Trauer darüber, dass die Tätigkeit meines Mannes aus Nichtverstehen heraus unterbunden werden soll, wo doch diese seine Hilfe, die er den Menschen zuteil werden lässt, den Menschen nur zum Segen gereicht. Und jeder ehrliche und aufrichtige Mensch, der sich nur die Mühe machen würde, meinen Mann richtig verstehen zu wollen, müsste schon viel früher zu dieser meiner Überzeugung gekommen sein.

In einem Punkte konnte ich meinen Mann früher nicht verstehen, nämlich, dass er in aller Ruhe alles auf sich zukommen ließ, ohne sich zur Wehr zu setzen. Er hat mir das so erklärt, dass er alles über sich ergehen lassen müsse, um hierdurch die genaue Feststellung machen zu können, wie weit die Gegner von einer geistig-seelischen Ordnung entfernt seien. Mein Mann sagte mir oft, dass man jedem, auch der Gegenseite, die Gelegenheit geben müsse, aus sich herauszugehen, ihn reden und handeln lassen müsse, um ihm dann sagen zu können, was nach seiner Überzeugung Irriges vorläge. Mein Mann lehrte mich durch Beispielsanführung verstehen, dass man unmöglich einen Menschen, der zu stehlen beabsichtige, als Dieb bezeichnen könne, man müsse ihn erst zur Tat kommen lassen, wodurch man dann wirklich den Beweis erbringen könne, dass er seinen Gedanken auch zur Tat werden ließ. Ich kann jetzt auch verstehen, dass Menschen, die die Ruhe - wie mein Mann sie besitzt - verloren haben, nicht mehr in der Lage sind, geordnete Verhältnisse in und um sich zu schaffen. 

Im Jahre 1952 boten uns gute Freunde eine Wohnung in Grafrath an, die wir auch bezogen. Damals hielt mein Mann oft Vorträge, da uns viele Leute schriftlich darum baten. Sie konnten dies jetzt tun, da wir ja nun eine feste Anschrift hatten. 

Im November 1953 wurde der Gröning-Bund gegründet. Sein Sitz war und ist in Stuttgart. Um diesem Bund näher zu sein, zogen wir nach Plochingen (Neckar) um, wo wir noch heute wohnen. Wir heirateten am 25.6.1955.

Immer wieder kamen in der Zwischenzeit Menschen, die sich als Mitarbeiter meinem Manne anboten. Diese wurden jedoch nicht angenommen, bis auf einen gewissen Egon-Arthur Schmidt, jetzt wohnhaft in Heidelberg, Römerstr. 65, der schon 1949 als Manager (in Herford) sich einzuschleichen gewusst hat und, wie mein Mann mir oft berichtete, zu den schlimmsten Ausbeutern gehörte. 1949 hatte mein Mann Herrn Schmidt schon abgelehnt, nachdem mein Mann erkennen musste, dass Schmidt nicht korrekt war. Schmidt kam Oktober 1952 zu meinem Manne zurück, bat um Verzeihung und verstand es, seine alte Tätigkeit sich bei meinem Manne wieder zu ergaukeln. 1955 mussten wir feststellen, dass Schmidt seine eigenen Ziele verfolgte. Er wollte Geschäftsführer des Gröning-Bundes werden. Nachdem der gesamte Vorstand des Gröning-Bundes ihn ablehnte und er erkannte, dass auch mein Mann ihn durchschaut hatte, hat er sich von meinem Manne getrennt und versucht nun durch Prozesse usw. meinem Manne die größten Schwierigkeiten zu bereiten. Allein schon aus diesem Grunde wäre es notwendig gewesen, dass ich mich an die Seite meines Mannes stellte.

Josette Gröning

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung