Meine Stellungnahme zum Rechtsstreit Graf Soltikow gegen mich

Bruno Gröning, 12.4.1951
Abschrift (PDF)


Vorbemerkung
Der Potsdamer Journalist Michael Graf Soltikow (geboren als Walter Richard Max Bennecke [1]) hatte zur Zeit von Bruno Grönings Wirken auf dem Traberhof bei Rosenheim im Jahre 1949 mehrere Publikationen unter der Bezeichnung „Pressestelle Bruno Gröning“ veröffentlicht, ohne dazu jemals von Bruno Gröning autorisiert worden zu sein.

Nachdem Gröning abgelehnt hatte, mit Soltikow zusammenzuarbeiten, veröffentlichte dieser am 27.9.1949 in seinem Eigenverlag „Schwarzer Adler“ das Flugblatt „Gröning entlarvt“ mit dem Untertitel „Der ‚Traberhof-Heilige‘ und sein unheiliges Leben“. Die darin aufgestellten diffamierenden Behauptungen über Bruno Gröning wurden von vielen Zeitungen und Zeitschriften ungeprüft übernommen.

Zudem hatte Soltikow im Jahre 1951 auf Zahlung von 1.580 DM geklagt. Er habe in der Traberhof-Zeit den Auftrag von Bruno Gröning erhalten, das Extrablatt „Hier spricht Gröning“ herauszugeben. Durch Vergleich vom 9.4.1952 zahlte Bruno Gröning an ihn 1.000 DM in monatlichen Raten von 100 DM ab. Die Kosten des Verfahrens wurden geteilt. [2]

Die vorliegende Ausarbeitung zum Thema fertigte Bruno Gröning im Rahmen dieser gerichtlichen Auseinandersetzung für seinen damaligen Rechtsanwalt, Dr. K. F. Reuss, München, an.

 

Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst.



Bruno Gröning
Uffing, den 12.4.1951

Meine Stellungnahme zum Rechtsstreit Graf Soltikow gegen mich
(Zu Händen Herrn Rechtsanwalt Dr. Reuss, München)

Soltikow ist nie Mitarbeiter gewesen. Unser erstes Zusammentreffen geschah auf dem Traberhof, wo er mir durch Herrn Hülsmann (auf sein – Soltikows – Drängen) vorgestellt wurde und zwar als „Graf und Journalist“. Soltikow schlug mir vor, als ich ihn auf dem Traberhof während weniger Minuten sprach, eine positive Broschüre über mein Wirken schreiben zu wollen und zwar auf Grund von unzähligen Heilungsberichten, die er selbst gesammelt, in seinen Besitz gebracht hatte. Hierbei sagte er, dass er diese Broschüre ganz groß herausstellen wolle unter Aufziehung entsprechender Reklame. Er erklärte auch, wie er diese Propaganda bewerkstelligen wollte. Meine Antwort hierzu war wortwörtlich: „Mir persönlich ist es Wurst, wie Sie dies anstellen, auch ob Sie positiv oder negativ schreiben, Letzteres müssen Sie selbst verantworten.“ Im Anschluss daran sagte Soltikow, dass er das Angebot eines Verlegers erhalten habe, worin er gebeten wird, nicht positiv, sondern um eines guten Geschäftes willen mal negativ zu schreiben. Der Verleger soll bemerkt haben, dass das eines der besten Geschäfte sein würde und er biete ihm dafür DM 50.000,-. Auch hier habe ich zu Soltikow gesagt, er solle das tun, was er für richtig hält. Ich werde ihn in keiner Weise beeinflussen, aber bei gegebener Zeit - falls er negativ schreiben würde - ihn gerichtlich belangen müsste.

Für seine beabsichtigte Broschüre bat er mich, dass ich ihm einige Auslandsbriefe zur Verfügung stellen sollte und er mir dieselben (20 Stück) wieder zurückerstatten wollte. Soltikow betonte, dass er niemals negativ schreiben wolle und könnte, da er mit positivem Material derart überschüttet wäre und damit mehr als eine Broschüre schreiben könnte. Bemerken möchte ich hierzu, dass S. von mir des Öfteren am Traberhof gesehen wurde, gesprochen habe ich ihn im Höchstfälle jedoch nur 3 Mal. Auch hat Soltikow mir das Angebot gemacht, mich einmal vom Traberhof nach München zu fahren.

Auf dieser Fahrt teilte er mir mit, dass er meine Umgebung, wie Hülsmann und Kuhlmann, ablehne und bot mir dabei seine persönliche Hilfe und Unterstützung an. Zu seiner Umgebung gehörten 2 Damen, von denen eine mir als Sekretärin empfohlen wurde und dadurch „der ganze Apparat“ ein anderes Bild bekommen würde. Ferner wurde mir Herr Pitt Seeger als „Fotograf“ vorgeschlagen. Selbstverständlich habe ich dieses sofort abgelehnt, obwohl mir Soltikow versicherte, dass ich nichts zu befürchten noch zu zahlen hätte.

Letztes Zusammentreffen mit Soltikow geschah im Deutschen Theater, im Hause von Herrn Harwart in München, kurz bevor ich von dort nach Norddeutschland zu fahren gedachte. Hier unternahm S, nochmals einen Vorstoß und wollte mir ein gutes Angebot machen. Soltikow sagte wortwörtlich: „Herr Gröning, ich bin Journalist und Volljurist und stehe Ihnen unentgeltlich voll zur Verfügung.“ Meine Antwort ging dahin, dass ich schon mit Journalisten und Juristen versehen bin und betonte, dass ich niemand davon mehr brauche. Soltikow ließ aber von seinem Vorhaben nicht ab und sagte mir, dass er ja für seine Arbeit bei mir oder für mich nichts haben wolle, im Gegenteil, er wolle mich auch hier nur finanziell unterstützen, seine Verdienstmöglichkeit habe er schon 100%-ig dadurch gesichert, dass durch die Broschüren und Zeitungen eine ausgezeichnete Einnahme gewährleistet sei, wovon er mir noch einige Prozent abgeben könnte (!!).

Ausdrücklich stelle ich fest, dass Soltikow von mir niemals veranlasst worden ist, oder gar beauftragt wurde, eine Broschüre oder Zeitungsartikel über mich zu schreiben oder herauszugeben.

Aus diesem Grunde ist es völlig unerfindlich, dass Soltikow - auf Grund der hier von mir dargelegten Tatsachen - irgendwelche Forderungen für seine Person herleitet.

Herr Hülsmann überraschte mich im Hause von Herrn Harwart, indem er mir - mich kurz überfahrend - mitteilte, dass jetzt niemand hier wäre, um die in Aussicht gestellte Heilgenehmigung in Empfang zu nehmen. Hülsmann meinte, es wäre günstig und ratsam, wenn wir Soltikow die Vollmacht für die Aushändigung der Heilgenehmigung zustellten. Ich bin seinerzeit von der Entwicklung der Verhältnisse betreffs der Erwirkung meiner Heilgenehmigung bis zum Tage der Aufforderung, diese Heilgenehmigung in Empfang zu nehmen, von Herrn Hülsmann (der dazu verpflichtet war) nicht unterrichtet worden. Ich war in diesem Zusammenhang tatsächlich vor keine andere Wahl gestellt, als die von Hülsmann vorher abgefasste, handgeschriebene Vollmacht an Soltikow zu unterschreiben. Noch vor Aushändigung dieser Vollmacht versicherte mir Soltikow, dass mir hierbei keinerlei geldliche Kosten erwachsen würden. In der gleichen Nacht verließ ich dann München.

In der Folgezeit unternahm Soltikow aufgrund dieser Vollmacht vielerlei Aktionen, die nicht in meinem Programm vorgesehen waren, wie z. B. besagte Telefongespräche, die zu führen er niemals von mir beauftragt war, abgesehen von seiner Zusicherung, alle meine Person betreffenden Angelegenheiten auf seine Kosten zu bestreiten.

Ich betone noch einmal, dass Soltikow nie Mitarbeiter von mir gewesen ist, noch Aufträge – außer besagter Empfangnahme der Heilbestätigung (was übrigens nie zustande kam) – ausgeführt hat.

N. B.: Auf mein Befragen, warum er sich überhaupt für mich so einsetzen wolle, erwiderte Soltikow: „Herr Gröning, ich will durch Sie populär werden.“

 

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung

 

 [1] Munzinger-Archiv: http://www.munzinger.de/search/portrait/Michael+Graf+Soltikow/0/4683.html (abgerufen am 6.10.2016).
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 [2] Prozess Soltikow./.Gröning beim Landgericht München II – 2 O 417/50-, Archiv Bruno Gröning Stiftung. 
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