Meine Vortragstätigkeit 1952/53 im Anwesen Enderlin und meine Stellungnahme zu den Machenschaften Enderlins

Bruno Gröning, 11.5.1953
Abschrift (PDF)
 

Vorbemerkung
Nachdem er sich im Juni 1950 von Otto Meckelburg und dessen „Verein zur Erforschung und Unterstützung Gröning'scher Heilmethoden“ gelöst hatte, ging Bruno Gröning eine kurzzeitige Kooperation mit dem Münchener Heilpraktiker Eugen Enderlin ein. Von Spätsommer bis Herbst 1950 hielt er mehrere Vorträge in Enderlins Praxis, Nikolaiplatz 6, München, wobei er von Dr. Kurt Trampler (Autor des Buchs „Die große Umkehr“) unterstützt wurde. Bereits im November 1950 beendete Bruno Gröning seine Zusammenarbeit mit Enderlin wieder, nahm diese jedoch 1952/1953 ein weiteres Mal auf. Diese erneute Kooperation mit Enderlin und die Umstände, die zum Scheitern auch dieser Zusammenarbeit führten sind Gegenstand der unten stehenden Niederschrift Bruno Grönings.

Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst. Sämtliche Textauszeichnungen wie Unterstreichungen oder Fettschreibung wurden wie im Original vorgenommen.

 

Bruno Gröning
München 1
Schließfach 144

München, den 11.Mai 1953


Erklärung u. Niederschrift

etr.: Meine Vortragstätigkeit 1952/53 im Anwesen Enderlin und meine Stellungnahme zu den Machenschaften Enderlins

Am 18.11.51 versuchte Herr Enderlin durch eine Mittelsperson in München wieder mit mir in Verbindung zu kommen und unterbreitete zweimal schriftlich sein Anerbieten, mit mir wieder zusammenzuarbeiten.

Es hatte den Anschein, Enderlin sei in idealistischer Weise an Forschungsarbeiten (aufgrund meiner Methode) interessiert.

Meine Antwort über Herrn Einbeck am 17.12.51 lautete u.a.: „… Nach augenblicklicher Lage der Dinge scheint es mir nicht opportun, uns schon 100%-ig festzulegen. Bezüglich der beiden Objekte, welche Sie in Aussicht haben, wäre es doch für Sie am günstigsten, so zu handeln, als käme besagte Zusammenarbeit in absehbarer Zeit nicht in Betracht. ... Vielleicht ist es möglich, in 1 Jahr der Sache wieder näherzutreten.“

Zwei Wochen später, am 30.12.51, erhielt Herr Einbeck einen Brief von Herrn Enderlin, in dem die Antwort u.a. lautete: „Ich habe keine wirtschaftliche oder finanzielle Rückversicherung bei Ihnen gesucht, sondern nur eine ideelle. Selbstverständlich muss ich bei einem eventuellen Hauskauf berücksichtigen, ob die Lage und Größe des Objekts eventuelle Zusammenarbeit ermöglichen ließe oder nicht, mehr aber nicht. Über allem aber steht doch das persönliche Interesse am Problem Gröning.“

Herr Enderlin verfolgte sein Ziel einer erneuten Zusammenarbeit aber hartnäckig weiter und sein schriftlicher „Vorschlag“ vom 20.3.52 sah bereits bedeutend „handfester“ aus. Er schreibt hier u. a.: „Wenn es möglich wäre, 4 x wöchentlich je 100 Patienten dorthin zu bringen, wie es seinerzeit bei mir der Fall war, dann könnten die Herren Einbeck und ich mit wöchentlich DM 2.000.- rechnen, das sind monatlich DM 8.000,-, damit ließe sich allerhand anfangen.“

Ohne die Zusage einer Zusammenarbeit von meiner Seite im Mai 52 war Enderlin von München nach Feldafing gezogen. Um diese Zeit erfolgte auch meine Trennung von Dr. Trampler und auf der Suche nach einem geeigneten Vortragsraum griff ich auf Enderlins Angebot zurück. Am 18. Juli 1952 unterschrieben Enderlin und ich einen gegenseitigen Mietvertrag, nachdem mir an bestimmten Tagen der Woche bestimmte Räume in seinem Anwesen zur Verfügung stehen sollten. (Siehe Mietvertrags-Abschrift als Anlage).

Um die gleiche Zeit kam ich mit Enderlin überein, dass ich – durch seine Vermittlung bei der Württemberger Heilpraktikerschaft den Heilpraktikerschein erwerben sollte. Enderlin wollte als Lehrer mir dabei behilflich sein. Eine diesbezügliche Absprache hatte auch zwischen Herrn Wurm, Enderlin und mir stattgefunden. Irgendwelche Verpflichtungen über meinen Mietvertrag hinaus hatte ich Herrn Enderlin gegenüber nicht. Wahrscheinlich hätte ich – wenn Herr Enderlin in sauberer und korrekter Weise in der Folgezeit an mir gehandelt hätte – einer späteren Zusammenarbeit (nach Erwerb des Heilpraktikerscheins) mit Enderlin zugestimmt.

Innerhalb von nicht ganz zehn Monaten Vortragstätigkeit im Anwesen Enderlin ereigneten sich jedoch sehr unerfreuliche Dinge.

 

Nichteinhalten des Vertrages durch Enderlin

Es trat sehr schnell zutage, dass Herr und Frau Enderlin den Umstand, dass ich Vorträge in ihrem Hause hielt, für sich in rigoroser Weise auszuschlachten versuchten. Meinerseits war es kaum möglich, eine wirksame Kontrolle auszuüben, da Frau Enderlin meine Vortragsbesucher an der Türe empfing und ihnen nahelegte, sich vorher von ihrem Mann untersuchen zu lassen.

Als ich Enderlin das erste Mal darauf aufmerksam machte, sagte ich ihm, eine Untersuchung meiner Hörer sei von mir in jedem Falle unerwünscht und sei nicht vertragsgemäß; durch eine Voruntersuchung von Enderlin würde mein Vortrag zwangsläufig zu einer „Behandlung“ gestempelt. Jede „Behandlung“ könne aber von Behördenseite mit Recht angegriffen werden, da ich noch nicht im Besitze eines Heilpraktikerscheins sei. Enderlin bemerkte darauf, es handele sich ausschließlich um seine Patienten, die zu ihm in die Praxis wollten. Gegen dieses Argument Enderlins – welcher Heilpraktiker ist – war ich machtlos.

Heute nun weiß ich, dass Enderlin nicht nur Hörer meiner Vorträge zur „Untersuchung“ angehalten hat, sondern ihnen auf Befragen erklärte:

die Voruntersuchung sei von mir gewünscht,

die Voruntersuchung sei ein Teil des Vortrages,

ich würde seinen „Heilapparat“ (DM 24,- !!) empfehlen,

er (Enderlin) würde in meiner Abwesenheit „behandeln“ und vor allem „fernbehandeln“.

Beweise

1.    Frau Anna Zaglmayer, Augsburg, schreibt mir am 8.10.52 u. a. von einem Brief Enderlins: „Laut einer Entscheidung dürfe Herr Gröning nicht behandeln, das tue Herr Enderlin, während Herr Gröning nur anwesend sei …“

15.10.52: „Vielen Dank für Ihren freundlichen Brief von heute; ich freue mich nun sehr, Herrn Gröning einige Minuten selbst sprechen zu können.“

„... Herr Enderlin schrieb mir, dass Herr Gröning auch keine Vorträge halten dürfe und von Terminen schreibt er mir kein Wort, sondern von seinem Heilgerät.“ (Originalbriefe in meinen Händen.)

2.    Herr Enderlin schreibt am 6.12.52 an Frau Dittmann, Gronsdorf:

„Ich möchte Sie bitten, möglichst schon um 13 Uhr hier zu sein, dass ich die Voruntersuchung in Ruhe durchführen kann“

3.    Frau Lieberum, München, am 16.8.52:

„Ich würde Sie bitten, vor dem Vortrag zu mir in die Sprechstunde zu kommen, dass der Fall mit genauer Diagnose aktenmäßig festgehalten werden kann!“

4.    Otto Meier, Stuttgart-Rohr, vom 9.10.52: „... Ich werde durch Fernbehandlung weiterhelfen …!“ (Sämtliche Originalbriefe befinden sich in meinen Händen.)


Immer wieder wurden mir Beweise gebracht, wie Herr Enderlin hinter meinem Rücken gegen mich arbeitete, meinen Namen jedoch für sich stets propagandistisch auswertete und so für sich Patienten warb.

Anlässlich eines Besuches in Nürnberg am 28.2.53 in der Wohnung des Architekten Herrn Weber sagte Enderlin in meiner Abwesenheit zu einer kranken Dame, die in Begleitung ihres Mannes anwesend war: „Gröning wird die Frau durch Glauben nicht heilen können.“ Er bot dabei seinen Heilapparat an und bemerkte: „Herr Gröning ist hundertprozentig damit einverstanden, dass diese (Heilapparate) verkauft werden, da er weiß, dass die Dose das schafft, was Gröning niemals schaffen kann, außerdem sei dazu kein Glaube nötig.“


Beweise

Die Herren Weber und Knauss/Nürnberg.

Des Öfteren kam es vor, dass Interessenten meiner Vorträge nach einer „Untersuchung“ durch Enderlin erstaunt oder bestürzt waren, für den Vortrag nochmals DM 3,- bezahlen zu müssen, da sie annahmen, die Untersuchung sei von mir gewünscht und im Vortrags-Unkostenbeitrag enthalten.


Beweise

Aussage Herr Einbeck/München

Fräulein Ilgner/Starnberg

Frau Drexl/Augsburg (von Letzterer liegt ein Originalbrief vom 26.4.55 vor, dessen Auszugsabschrift als Anlage beigegeben ist.)

Im Laufe der letzten Monate fuhr Herr Enderlin in Begleitung seiner Frau mehrmals mit mir nach Stuttgart (in der Angelegenheit meiner Heilpraktikerprüfung). Er benutzte stets die Gelegenheit, einen größeren Kreis kranker Menschen zu versammeln – wobei er mich, d. h. meinen Namen und meine persönliche Anwesenheit als „Lockvogel“ benutzte –, um diese „Patienten“ dann in seine Behandlung zu nehmen. Soweit es nötig war, sprach er von seiner Behandlung, seinen Apparaten und Medikamenten als von mir empfohlen und befürwortet, andererseits versuchte er durch mich, für sich ein eigenes Betätigungsfeld, d. h., einen möglichst großen Patientenkreis in Stuttgart zu erschließen. (Hierbei sprach er dann über mich abfällig.)

Enderlin hat so jedes Mal in Stuttgart sehr gute Einnahmen erzielt!

Aus Sachlichkeitsgründen möchte ich die Vielzahl von kleinen Beispielen, wie Enderlin hinter meinem Rücken in Stuttgart arbeitete, nicht weiter berühren. Ich habe hierzu meine zuverlässigen Zeugen.

Ich hielt vor einem Kreis Interessenten im Hause von Familie Meier (Stuttgart-Rohr) drei Vorträge, am 25. Jan. 53, Mitte Februar 53 und am 8. März 53. Enderlin war jeweils mit nach Stuttgart gekommen und behandelte – ich war dagegen machtlos – die zu mir gekommenen Hörer, getrennt von meinen Vorträgen, gegen gutes Honorar, verkaufte Apparate und Tees.

Für meine Vorträge kassierte Frau Enderlin, und ich bekam am 8. März DM 200,-. Von diesen DM 200,- waren bereits DM 30,- für die Rückfahrt nach Feldafing per Bahn für Enderlins abgezogen. (Es waren also ursprünglich DM 230,-.)

Dazu ist Folgendes zu sagen:

1.) Vierzehn Tage später, am 26.3., verlangte Frau Enderlin von Herrn Einbeck DM 24,– für die Rückfahrtkosten (welche sie bereits erhalten hatte).

Herr Einbeck, der davon nichts wusste, gab sie ihr.

2.) Nach jetzigen Angaben (vom 20.4.) durch Familie Meier hat Frau Enderlin für meine Vorträge am 25.1. und Mitte Februar 53 bestimmt jeweils weit

über DM 200,- kassiert. Am 8.3.53 waren es weit über DM 300,-.

Ich bekam hiervon von Frau Enderlin am 23.1. DM 65,- und Mitte Februar
DM 85,- (!).

Beweis

Aussage der Familie Meier, Stuttgart-Rohr.

Schwere Preistreiberei

Herr Enderlin hat in der Zeit meiner Vortragstätigkeit immer wieder versucht, Interessenten meiner Vorträge, die von auswärts kamen, als Logiergäste bei sich zu behalten, unter der Vorspiegelung, sie könnten somit öfters mit mir zusammenkommen. Enderlins Pensionspreise für Logiergäste stellten schwere Preistreiberei dar.

Beweise

Auszugsweise Abschrift des Briefes von Frau Thomsen aus Steinberg an mich vom 6.12.52; als Anlage beigefügt. (Hier verlangte Enderlin für zehn Tage Pension für eine Frau mit Kind sage und schreibe DM 440,-!)

Abschrift der Originalrechnung von Herrn Enderlin an Frau Thomsen vom 24.10.52.

Brief von Frau M. Meier/Zürich II an mich vom 20.10.52. Hier heißt es u. a.: „Noch habe ich etwas an Sie, sehr geehrter Herr Gröning, zu berichten, d. h. zu fragen: Wissen Sie, dass Herr Enderlin in Feldafing DM 24,- pro Tag für Ihre Pensionäre (Anm.: meine Pensionäre (!?!)) verlangt? Wir selbst mussten für eine Augendiagnose, die wir nicht verlangten und auch keine Behandlung durch ihn, DM 5,- bezahlen. Das alles wurde fein eingefädelt, dass man gerade überrumpelt war, als man durch ihn zu einer Besprechung in ein anderes Zimmer gerufen wurde und er ohne Übergang zu einer Augenuntersuchung schritt. Bitte Herr Gröning, können Sie nicht Abhilfe schaffen, denn wir könnten von hier aus niemand hinsenden, da der Preis zu sehr überschritten ist. Sie selbst werden ja auch wissen, dass man in München für DM 15,- in einem erstklassigen Hotel wohnen kann als Gast mit erstklassiger Bedienung.“

Brief von Frau J. Kunz/Zürich III an mich v. 15.10.52. Frau Kunz schreibt: „Bei Herrn und Frau Enderlin in Feldafing waren wir alle etwas enttäuscht. Gleich nachdem wir angekommen sind, mussten wir uns durch Herrn Enderlin untersuchen lassen, wofür er bei einem jeden DM 5,- verlangte. Herr Hasler und das Fräulein mussten pro Tag für jedes Zimmer DM 24,- bezahlen, wobei das Fräulein die beiden Zimmer noch selber machen musste, da Frau Enderlin, wie sie selbst erwähnte, keine Bedienung habe. Auch wollte Herr Enderlin das Fräulein von Herrn Hasler selbst weiterbehandeln, wie uns das Fräulein erzählte, und sie hätte ihm geantwortet, sie wäre schon in Behandlung und auf das hin waren sie nicht mehr gut auf das Fräulein zu sprechen. Wenn Herr und Frau Enderlin solche Preise für diese einfachen Zimmer verlangen, können wir sie unter diesen Umständen nirgends empfehlen.“

Herrn Steiner/Zürich, welcher bei Enderlin nach dem Pensionspreis gefragt hatte und entsetzt war über die verlangten Preise, antwortete Herr Enderlin am 13.8.52 und motivierte seine hohen Preise wie folgt: „Es handelt sich schließlich um eine einmalige Angelegenheit, die das erstklassigste Hotel nicht zu bieten vermag, die angenehme Wohngelegenheit verbunden mit Grönings Behandlung.“ (Originalbrief befindet sich in meinen Händen.)

Ich machte darauf im November 1952 Herrn Enderlin Vorstellungen und sagte, dass mir diese Dinge sehr schaden würden und er unter allen Umständen solche Preise unterlassen sollte. Frau Enderlin sagte seinerzeit Herrn Einbeck zu, den Pensionspreis für eventuelle Logiergäste zu senken; es blieb aber – wie ich in letzter Zeit erfuhr – im Wesentlichen bei den alten Preisen.

Immer wieder versuchte Enderlin, meine Vortragsinteressenten möglichst lange zu sich in Pension zu nehmen und sie hinzuhalten.

Beweise

Brief von Frau Thomsen vom 6.12.52 (siehe Anlage).

Briefe von Herrn Lorenz/Riedböhringen an mich.

Hier heißt es unter anderem: (12.5.53) „… lässt mir keine Ruhe, muss Ihnen schreiben. War vom 2. – 10.3.52 bei Herrn Enderlin in Quartier, um extra zu Ihnen zu kommen und es war unmöglich. Sagte es Herrn Enderlin mindestens zehn Mal, ich wollte Sie mal sprechen. Und jedes Mal, wenn Sie fort waren, sagte Herr Enderlin zu mir: „Es war zu kurz“ …“

(19.4.53): „… Als ich bei Herrn Enderlin Pensionsgast war vom 3.–10.3.53 merkte ich gleich, was los ist, schon wegen dem hohen Pensionspreis …“

In diesem Zusammenhang sei auf das sogenannte „Enderlin´sche Heilgerät“ hingewiesen, was immer wieder unter Bezugnahme auf mich, meinen Vortragsinteressenten verkauft wurde. Der Wucherpreis: DM 24,-.

Frau Thomsen/Steinberg schreibt hierzu am 6.12.52:

„Als wir es auseinandergenommen hatten, mussten wir feststellen, dass es aus einer Seifendose bestand. Der Inhalt bestand aus drei gewöhnlichen Lichtbatterien, die, miteinander verbunden auf zwei gewöhnliche Blechplatten drückten …“ (Siehe Abschrift obigen Briefes als Anlage.)

Herr Enderlin bot wiederholt meinen Vortragsteilnehmern seinen „Heiltee“ an, von dem er behauptete, er sei nirgends mehr aufzutreiben. Für die 100g-Packung verlangte Enderlin DM 5,- (!!).

Beweise

Herr Otto Meier/Stuttgart-Rohr, welcher mir eine dieser Teepackungen überließ. Nach Feststellung waren es getrocknete Hagebutten. Diese Feststellung wurde nach einer Untersuchung in der pharm. Abt. des Botan. Institutes in München am 7. Mai 53 getroffen.

Herr Lorenz/Riedböhringen, schrieb am 19.4.53 an mich u. a.:

„Herr Enderlin hatte mir auch einen guten Tee von ihm anempfohlen. Da kostete das 100g-Päckchen DM 5,-. Zu Hause ging ich in die Drogerie und ließ den Tee prüfen und dann waren es nur Ebereschenbeeren, die ich für 70 Pfennige bekomme, 200 Gramm.“

 

Veruntreuung

Aus Sachlichkeitsgründen seien hier nur vier einwandfrei belegbare Fälle aufgeführt.

Frau Zagelmayer/Augsburg schreibt an mich am 8.10.52: „Im September schrieb ich noch mal (an Enderlin) und legte meinem ersten Brief DM 10,- bei und bat um das Gröning-Buch.“ (Beweis: Originalbrief in meinen Händen.)

Ich habe weder von dem Brief, noch von den DM 10,- jemals etwas gesehen.

Frau Enderlin steckte mir (es mag im November oder Dezember 52 gewesen sein) einmal einen DM 10,- Schein in die Rocktasche als Geschenk einer Vortragsteilnehmerin, Frau Voß aus Bad Schwalbach. Ich beauftragte Frl. Ilgner, an Frau Voß zu schreiben und sich in meinem Namen zu bedanken. Am 8.1.55 erhielt Frl. Ilgner von Frau Voß einen Brief, in dem es u. a. heißt: „Irgendwie beschäftigt mich immer der Gedanke, dass Frau Enderlin Herrn Gröning einen 10,-DM-Schein in die Tasche gesteckt hat und auch noch in meinem Auftrag. Dieses hätte ich mir nie erlaubt, es ist taktlos unverschämt, zumal mir bekannt ist, dass Herr Gröning überhaupt auf Geld keinen großen Wert legt. So hätte ich einen Laufburschen abfertigen können, aber nicht ihn. Ich war damals gerade nicht bestens bei Kasse, aber ich legte in das Kuvert DM 50,- für Unkosten. Sie haben schon recht, wenn Sie schreiben, da wäre manches zu sagen. Ich werde es Herrn Gröning selbst erzählen.“ (Beweis: Originalbrief in meinen Händen.)

Am 12.4.53 musste ich feststellen, dass Enderlins aus einem an mich gerichteten Paket einen Brief mit Inhalt DM 10,– entwendet hatten.

Beweis

Eidesstattliche Zeugenaussage von Herrn Einbeck/München, und
Frl. Ilgner/Starnberg. (Siehe Abschrift der Niederschrift vom 13.4.55 als Anlage.)

Herr Lorenz/Riedböhringen schreibt mir am 19.4.55 u. a.: „Am 25.2.53 schrieb ich an Herrn Enderlin zwecks Quartier und legte den kleinen Betrag von DM 10,- bei mit der Bemerkung, für Sie, Herr Gröning, wie für Herrn Enderlin, je 5,-“. (Beweis: Originalbrief in meinen Händen.)

Ich habe weder von dem Brief, noch dem Geld etwas gesehen, auch nicht meine Mitarbeiter.

Verschiedenes

Herr Enderlin war – nach dem mir nun vorliegenden Material – völlig uninteressiert, sobald es sich ausschließlich um meine Person handelte. Nur nach außen und soweit es für ihn selbst Profit bedeutete, gab er sich als wohlwollender Freund, Mitarbeiter und Lehrer. Es erreichen mich immer wieder Briefe, aus denen hervorgeht, dass Enderlin von sich aus keine Verbindung zwischen mir und anderen Menschen wünschte.

Beispiele

Aus einer großen Zahl sinngemäß gleichlautender Briefe greife ich heraus:

Herr Moßmann/Steinach-Baden, an mich am 30.4.53:

„Herr Enderlin hat mir am 23.4. geschrieben, dass er Ihnen meine Bitte vorträgt.“

(Ich habe nie etwas erfahren!)

 „Herr Gröning, ich habe schon zweimal bei Herrn Enderlin angefragt, ob Sie nicht auch mal in den Schwarzwald kommen, aber eine Auskunft war nicht zu erhalten.“ 

Frau Meier/Stuttgart-Rohr, sagte mir im April 53, sie habe an mich Briefe mit kleinen Geldeinlagen (für Unkosten gedacht) sowie Päckchen geschickt.

Beweis

Brief von Meier/Stuttgart-Rohr, an mich vom 11.4.53, in dem es u. a. heißt:

Wochenpaket nach Feldafing habe ich abgeschickt.“ “

(Ich habe weder Briefe noch Päckchen erhalten!)

Bei Familie Metzger und Bauer/Stuttgart-Vaihingen, gab Herr Enderlin an, dass alle Post (Geld oder Päckchen) über ihn geschickt werden solle.

Frau L. Bauer/Ingolstadt, schreibt am 29.3.53 in Bezug auf Enderlin an Herrn Einbeck: „Wissen Sie auch, lieber Herr Einbeck, was Herr Enderlin für Einnahmen hatte, ich nehme einen Tag, den 26.3.53 ?“

(Gemeint ist Heilgerätverkauf und Untersuchung meiner Vortragshörer.)

„Ich kann es Ihnen schon sagen, aber Sie werden es nicht glauben. Alles mündlich. Und da verlangt man noch, man solle jede Briefgeldsendung nur über Enderlin gehen lassen und nicht an Herrn Gröning. Das kann ich beweisen.“ (Originalbrief in meinen Händen!)

Herr Lorenz/Riedböhringen, schreibt an mich am 19.4. u. a.: „Dann sagte Herr Enderlin, ich werde Herrn Gröning nie erreichen, die alle werden mich abweisen, auch wenn ich Briefe an Herrn Gröning schreibe, werden alle in den Papierkorb reisen von Herrn Einbeck. Wenn Sie was haben, sagte Herr Enderlin, lassen Sie alles, Telefon und Briefe, durch mich laufen …“ (Beweis: Originalbrief in meinen Händen.)
 

Zusammenfassung

Ich habe mich immer wieder bemüht, Schwächen zu übersehen und hoffte, dass es einmalige Entgleisungen sein würden. Ich fühlte mich Enderlin auch gewissermaßen verpflichtet durch die Tatsache, dass er mir den Weg zur Erreichung der Heilpraktikerprüfung erschlossen hatte und sich erbot, mich in den hier nötigen Wissenskomplex einzuweisen.

Herr Enderlin hat nach unserer Trennung im Jahre 1950 mich in wüster Weise verunglimpft und auch hier bin ich im Besitze eines aufschlussreichen, aber traurigen Beweismaterials. Heute weiß ich, dass sein Versuch einer erneuten Zusammenarbeit, über meine Person hinweg, rücksichtslos materialistische Ziele verfolgte. Man fragt sich, wie solche Dreistigkeit und Arglist, nach allen vorhandenen Unterlagen, in Herrn Enderlins Augen noch weiterhin als Unterpfand einer ehrlichen Zusammenarbeit gelten konnte. Als Abschluss sei auf zwei Briefstellen aus Herrn Enderlins Feder hingewiesen, welche in charakteristischer Weise seine heuchlerische Einstellung mir gegenüber dartun:

Herr Enderlin schreibt am 12.4.1951 an Fräulein Grete Holzbauer/St. Veit an der Glan – Kärnten: „… muss Ihnen leider mitteilen, dass ich keine Vermittlung zu Herrn Gröning herstellen kann. Ich habe mich sehr deutlich von ihm zurückgezogen, weil er keine Spur von Verantwortungsbewusstsein hat. Wenn Sie von mir Fernbehandlung wollen, können Sie ruhig an mich schreiben, ich betone aber ausdrücklich, dass ich die Behandlung mache und dass ich keinerlei Beziehungen mehr zu Gröning habe.

Leider ist der Termin vom 10. ds. wieder verschoben worden.

Die Verhandlung wird dann allerhand an den Tag bringen und zeigen, dass er über Leichen geht.“

Sieben Monate später schreibt Enderlin am 18.11.51 in seinem Brief an die Mittelsperson zwecks Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit mir: „Zusammenfassend glaube ich, dass alle Gründe für eine Zusammenarbeit mit mir sprechen.“

Und einen Monat später, am 30.12.51, an Herrn Einbeck: „Ich habe keine wirtschaftliche oder finanzielle Rückversicherung bei Ihnen gesucht, sondern nur eine ideelle. Über allem aber steht das persönliche Interesse am Problem Grönings; dass ich durch meine ganze Art und Vergangenheit dazu prädestiniert bin, steht doch wohl außer Zweifel.“

Von sämtlichen hier angeführten Briefstellen befinden sich die Originalbriefe sowie
-dokumente in meinen Händen.

München, den 11. Mai 1953


Anlagen:

Abschriften von

Vertrag zwischen Gröning und Enderlin vom 18.7.52

Rechnung Enderlin an Frau Thomsen vom 24.10.52

Brief Frau Thomsen an Herrn Gröning vom 6.12.52

Niederschrift vom 13.4.53

Brief Frau Drexl an Herrn Gröning vom 26.4.53


Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung