Miterlebtes in den Vorträgen in Gräfelfing von Bruno Gröning 1950 – 1951

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Anny Freiin Ebner von Eschenbach, undatiert
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Als Bruno Gröning von keiner behördlichen Seite Unterstützung bekam, um zu den kranken Menschen in geordneten Verhältnissen zu sprechen, richteten Freunde Gelegenheiten ein, meist in privaten Räumen. Hier sollten Heilungssuchende die Möglichkeit erhalten, mit Bruno Gröning zusammen zu kommen, d. h. in größerem Kreis von seiner Lehre und Hilfe Kenntnis erhalten.

Solch eine Gelegenheit war auch in Gräfelfing im Fremdenheim Weikersheim. Hier fanden öfter Vorträge von Bruno Gröning statt, und zwar für die weiter auswärts Wohnenden, welche mit Omnibussen kamen, um 14:00 Uhr und der zweite Vortrag um 20:00 Uhr. Die Teilnehmer mussten sich oft Wochen vorher anmelden und dann einen Eintrittsausweis vorlegen. In einem Doppelzimmer wurde die Schiebetüre geöffnet und für ungefähr 100 Personen Stühle aufgestellt. Aus Platzmangel wurde dann noch die Schweizer, die mit einem Omnibus ankamen, im Parterre ein Raum zur Verfügung gestellt, da sie auch meist noch übernachten mussten.

Es wurden keine Namen vorgestellt; es war wie eine einzige große Familie, die sich nun bittend und lauschend um Bruno Gröning auf ihren zugewiesenen Plätzen niederließ.

Bei den Menschen, die an Krücken und Stöcken hereinkamen oder auch getragen wurden und bei den Blinden konnte man sehen, weswegen sie wohl kamen.

Bei den vielen inneren Krankheiten erfuhr man es meist an den Reaktionen, die plötzlich und oft sehr heftig während des Vortrags vor sich gingen. Die sogenannten Gehbehinderten wurden meist in die erste Reihe gesetzt, da sehr viele von ihnen unbehindert zu laufen begannen.

Bevor jedoch Bruno Gröning den Raum betrat, wurde zuerst ein Einführungsvortrag – hier von Dr. Trampler – gegeben. Es war notwendig, von der neuen Art des Heilers Bruno Gröning zu sprechen und den Bedingungen, um ohne innere Widerstände den Heilstrom zu empfangen. Es sollte auch dadurch in den Anwesenden eine innere Ruhe hergestellt werden und ein Loslassen der täglichen Gedanken; besonders dem Gedanken an die Krankheit. Obwohl Bruno Gröning meist in einem entfernteren Nebenraum sich befand, wurde die Heilwelle von vielen schon verspürt und die innere Spannung wuchs von Minute zu Minute. Manchmal saß Bruno Gröning auch im Hintergrunde des Vortragsraumes und hörte sich den Einführungsvortrag mit an. Als er nun dann in den Mittelgang des Raumes trat, blieb er erst einige Minuten still in tiefer Konzentration stehen und die Luft um ihn begann förmlich zu vibrieren. Mit einer klangvollen, gütigen Stimme begrüßte er dann die „Heilungssuchenden“ und sprach von dem Glauben an Gott und dem Loslassen des Bösen, des Satanischen. Die Krankheit ist satanisch und nur die göttliche Kraft kann sie vertreiben. Oft steigerte sich seine Stimme zu einem lauten Rufen, wenn er dem Bösen den Kampf ansagte oder von dem satanischen Einfluss in der Welt sprach. Es war dann, als wenn er es in das ganze Weltall rief.

Während seinem Reden stellten sich an allen möglichen Ecken und Enden im Raum Ereignisse ein. Menschen warfen ihre Krücken weg und gingen auf Gröning zu mit strahlend, glücklichen Gesichtern und riefen aus: „Ich kann ja wieder frei gehen, ohne Stock und ohne Schmerzen!“ Und dann liefen sie auch gleich zum Zimmer hinaus und öfter die Treppe auf und ab. Die steif gewordenen Glieder mussten sich erst wieder einlaufen. Manch ein Mann oder Frau wollten Gröning ihre Krücken schenken, doch mit den Worten: „Da müsste ich eigens einen Möbelwagen mitführen!“ brach Gröning die oft faustdicken Stöcke ab, als wären es Zündhölzer. Man konnte sehen, was für physische Kräfte in diesem eigentlich klein und zierlich wirkenden Menschen Bruno Gröning waren. Die Trümmer dieser Stöcke gab er dann zum Andenken zurück, oder ließ sie noch von Hand zu Hand weitergeben und schildern, was nun jeder damit in und an sich empfand. Da konnte man dann hören: „Oh, ich glühe förmlich,“ oder „eine elektrische Welle geht bei mir durch,“ oder auch „ich friere,“ oder „die Schmerzen sind weg,“ usw.“ Wenn Bruno Gröning seinen Vortrag beendet hatte, sagte er oft: „Nun habe ich viel gesprochen, nun möchte ich aber von Ihnen hören, wie Sie sich in diesem Raum befinden, was für ein neues Gefühl ist in Ihnen, was geht in Ihnen vor?“ Er ging zu jedem einzelnen, blickte ihn mit strahlend großen, blauen Augen an und deutete auf ihn mit seinen geschlossenen Händen, davon der Zeigefinger ausgestreckt war. Dieser Blick ging bis auf den Grund der Seele und aus dem Zeigefinger sprang eine Kraft über, die einem durch und durch ging. Asthmatiker begannen zu röcheln und zu keuchen und Bruno Gröning blieb so lange stehen, bis er oder sie immer ruhiger wurden und dann normal durchatmeten.

Manchmal musste Bruno Gröning sagen: „Nicht so verkrampft – lassen Sie los!“ Jahrelanges Asthma wurde ausgeheilt in einigen Sekunden. Herzleidende brachen in Schweiß aus und schilderten, wie ihr Herz tobte, dann immer ruhiger wurde und die Beengung weg war.

Stumme gaben auf die Frage Bruno Grönings laut und fließend Antwort und waren über sich erstaunt, dass sie plötzlich reden konnten. Sie berichteten dann den Anwesenden, dass sie jahrelang nur mit Zeichen sich verständigen konnten.

Einmal saß eine junge Frau mit abgehärmtem Gesicht und einem ungefähr neunjährigen Mädchen in der zweiten Reihe. Als Gröning sie fragte: „Nun Mutti, was fühlen Sie?“, antwortete sie: „Leider nichts, Herr Gröning“. „Ja, Mutti, nicht immer zurückblicken in die Vergangenheit. Der Schreck davon steckt noch in Ihnen; davon müssen Sie erst loslassen. Es war während eines Bombenangriffes; Sie befanden sich in einer Art Gartenhaus und wurden verschüttet und waren im achten Monat. Als Sie wieder gerettet wurden, kam das Kindchen zur Welt und war blind, stimmt´s?“ Erstaunt antwortete die Frau: „Ja, genau.“ Darauf Bruno Gröning: „Nun also nicht mehr an diese Schreckenszeit denken, fest an Gottes Hilfe glauben und Ihn bitten. Das Kindchen brauchen Sie nicht immer mitzubringen, wenn nur die Mutti fest glaubt!“ Acht Tage darauf war die Mutti wieder da. Der sorgenvolle Ausdruck im Gesicht war weg; sie war förmlich verjüngt. Als nun Gröning sie frug, antwortete sie: „Ja, heute durchrieselt mich eine Wärme und ich fühle mich froh und frei!“ „Nun, Mutti, bleiben Sie dabei, bald ist es soweit!“ Eine Woche darauf war die Frau wieder da und Bruno Gröning ging mitten im Vortrag auf sie zu, blieb still stehen und sagte: „Mutti, am Donnerstag 17:20 Uhr nehmen Sie Ihr Kindchen und führen es in einen verdunkelten Raum - es wird sehend - und da es noch nie Farbe und Form gesehen hat, würde es erschrecken und der Schreck könnte es krank machen. Gewöhnen Sie es langsam an alles in seiner Umgebung.“

Da dieser Fall mich besonders interessierte, erkundigte ich mich und erfuhr etwas später, dass alles so auf die Minute eintraf, wie es Bruno Gröning sagte. Nach einigen Jahren frug ich Bruno Gröning selbst nochmals nach dem Kind und erfuhr, dass es so normal sieht, als wenn es nie blind gewesen wäre.

Einmal wurde eine junge Frau mit schneeweißem Gesicht hereingefahren. Während des Vortrags verlor sie das Bewusstsein und sah aus, als wäre sie tot. Bruno Gröning warf nur einen kurzen Blick auf sie und beruhigte die um sie Anwesenden, die etwas in Sorge gerieten, besonders der Mann an ihrer Seite. Nach einer knappen halben Stunde erwachte sie, streckte sich, hatte rote Backen und stieg aus dem Rollstuhl und ging auf Gröning zu; noch etwas unsicher, aber mit strahlendem, erstauntem Ausdruck in den Augen. „Schön, gute Frau, wenn man wieder so auf seinen eigenen Beinen stehen kann und das Herzchen dazu wieder im normalen Takt schlägt! Nun aber nicht gleich die verlorenen Jahre nachholen; langsam den Körper an seine Pflichten führen!“ Als die Frau sich bedanken wollte, meinte Gröning: „Danken Sie Gott! Ich bin nur sein kleiner Helfer, beweisen Sie nun, dass Sie ein wahres Kind Gottes sind!“ Der Mann, der sie herein brachte, stand auf und sprach mit bewegter Stimme: „Herr Gröning, ich bin ihr Gatte und selbst Arzt. Für mich war meine Frau unheilbar, nachdem ich alles versuchte, doch hatte sie nur den einen Wunsch, zu Ihnen. Ich war überzeugt, dass sie mir noch auf der Fahrt hierher stirbt, denn sie war so herzleidend, dass jede Bewegung mit Lebensgefahr verbunden war.

Ich bin erschüttert über dieses Wunder und kann es kaum glauben!“ Weinend vor Freude schob er den leeren Rollstuhl hinaus und setzte sich mit seiner Frau auf Stühle und horchte sich den zweistündigen Vortrag mit an. Öfter sah er seine Frau fragend von der Seite an, als wenn er sich erst an den Anblick seiner gesunden, glücklichen Frau gewöhnen musste.

Im Hintergrund saßen oft Taube, an die nun Gröning ganz leise, im Flüsterton, die Frage stellte: „Wenn ich so laut spreche, hören Sie mich gut?“ Antwort: „Ja, jedes Wort verstehe ich, wenn Sie so laut sprechen und im Kopf geht ein Summen und Schwirren los.“

Alles lachte, da man doch vernommen hatte, wie leise Gröning gefragt hatte. Die Gehörapparate ließ sich Gröning meist vorher geben, wenn sie nicht schon durch den Einführungsvortrag weggelassen waren. Gröning meinte dann: „Ihr kleiner Apparat hat nun ausgedient. Hängen Sie ihn mit einem schönen Schleifchen daran über Ihr Bett; zum Andenken!“

Oft mussten Gelähmte, die plötzlich aufstanden und sich streckten und dehnten, Grönings herabgefallene Zigarettenschachtel bis zu zehn mal aufheben, was sie voll Freude taten und erstaunt waren, wie leicht sie es nun konnten, nachdem sie oft jahrelang nur auf fremde Hilfe angewiesen waren.

Es gab aber auch welche, die die Gesundheit gar nicht wollten. Folgender Fall: Eine junge Frau saß im Rollstuhl und neben mir die Krankenschwester, die sie hereingefahren hatte. Plötzlich sagte Bruno Gröning: „Ist doch schön, wenn man krank ist und das ganze Haus Mitleid hat und alles einen so verwöhnt. Man braucht nicht arbeiten und bekommt auch so sein gutes Essen und die vielen Geschenke!!“ Die Schwester neben mir stupste mich und sagte zu mir: „Das gilt meiner Frau da. Sie wollte nicht, dass ich sie herbringe. Sie tyrannisiert das ganze Haus und strengt sich nicht im geringsten an gesund zu werden, dabei ist sie erst 30 Jahre alt.

Ich hoffe aber, nachdem sie nun so viel Wunderbares gesehen hat, dass der Wunsch und Wille in ihr erwacht, Gröning wird uns helfen. Das ist mein Wunsch und Glaube, denn für uns im Haus ist es bald unerträglich geworden; ihr Tyrannisieren.“ Sie wurde wieder genauso hinausgeschoben, wie herein.

Einmal stand eine Dame auf und sagte: „Herr Gröning, ich bin gekommen, um mich zu bedanken. Meine Tochter lag in New York in einem Krankenhaus, und da sie Brustkrebs hatte, sollte ihr die Brust weggeschnitten werden. Von Verwandten in Deutschland bekam ich Zeitungsartikel, in denen von den großen Heilungen am Traberhof geschrieben stand. Ich telegrafierte meinen Verwandten: „Bittet Bruno Gröning für L. um Hilfe!“ Das Telegramm war kaum in Händen meiner Verwandten, da ging die Geschwulst meiner Tochter von Tag zu Tag zurück, bis nur mehr ein kleines, schwarzes Pünktchen über war, das dann der Arzt leicht herausschnitt.

Meine Verwandte schrieb mir, dass sie Herrn Gröning antraf und die Bitte anbrachte und Sie ihr genau das Zimmer beschrieben und dessen Möbel, in dem meine Tochter in der Klinik lag und deren Heilung, wie besonders die Ärzte verblüfft waren und von einem Wunder sprachen. Ich erhielt Ihren Brief mit dieser Beschreibung, noch bevor sie meine Mitteilung bekam. Es stimmte alles. Nun bin ich eigens nach Deutschland gekommen, um Sie zu sprechen und zu bitten: Kommen Sie doch zu uns nach Amerika! Dort würden Sie sicher frei arbeiten können, denn dort sind auch die Ärzte aufgeschlossener und man würde Ihnen überall helfen!“ „Ja, gute Frau, ich muss da bleiben, wo der Boden am heißesten ist und was macht das - ein kleines Wasser dazwischen – Sie sehen doch, es geht auch so! Grüßen Sie Ihre Tochter herzlichst!“

Einmal frug eine Frau: „Herr Gröning, ich soll nächste Woche operiert werden, soll ich es machen lassen?“ Gröning darauf: „Das müssen Sie selbst entscheiden, aber ich geb Ihnen den Rat, nehmen Sie heute Nacht alle Taschentücher mit ins Bett, die Sie besitzen!“

Im nächsten Vortrag berichtete diese Frau folgendes, nachdem Herr Gröning sie ansprach: „Na, wie war nun die Operation?“ - „Ja, ich brauchte nicht mehr operiert werden, denn der Arzt, der mich untersuchte meinte: „Was sollen wir denn operieren, da ist ja gar nichts mehr da von der Geschwulst, Myom, so ungefähr sagte er.

Erst hatte ich das mit den Taschentüchern nicht ganz verstanden, aber ich tat es und wirklich, nachts ging es los. Ich bekam eine starke Blutung, mit fast schwarzem Blut und die Tücher reichten nicht aus. Ich bekam beinahe Angst, doch da hörte ich immer Ihre Worte und dachte an Sie und schlief bald ruhig ein und überließ alles Weitere Ihrer Hilfe und das Urteil des Arztes bewies mir, wie Sie alles herausgeworfen haben, Herr Gröning. Ich war am andern Tag so frisch und ohne Schmerzen, und da ich ja zur Operation angemeldet war, musste ich zum Doktor gehen. Der machte wirklich ein verblüfftes Gesicht und meinte, dass er sich wohl geirrt hatte.“ Gröning meinte darauf: „Es geht auch ohne Messer! Ich gebe auch Spritzen, die aber ganz sicher wirken. Ich versuche nicht, ich ersuche Gott!!“

Doch waren nicht nur Heilungssuchende anwesend, oft schlichen sich auch Journalisten ein, auch Kriminalbeamte. So stand Gröning einmal mitten im Vortrag vor einem jungen Mann und sagte: „ Was führte Sie hierher? Sie wollen eine dicke Brieftasche. Ich könnte Sie hinausweisen lassen, aber ich rate Ihnen, schreiben Sie die Wahrheit, passen Sie gut auf!“

Der Mann sah Gröning mit einem roten Kopf verblüfft an und am Ende des Vortrages besprach er sich freundlichst mit Bruno Gröning. Andere Journalisten, die störend wirkten, ließ Bruno Gröning oft vorher durch Dr. Trampler hinaus weisen, eher betrat er nicht den Raum.

Eine Frau hatte ihre große Tasche, während des Vortrages zu ihren Füßen, in der ersten Reihe stehen. Bruno Gröning sagte zu ihr: „Nehmen Sie Ihre Tasche doch auf den Schoss und legen Sie Ihre Hände darauf! Was empfinden Sie nun?“ „Oh, Herr Gröning, wie elektrische Ströme geht es durch mich durch und mein starker Schmerz ist weg.“ „Gut“, meinte Gröning, „nicht Ihr Schmerz, er gehört nicht zu Ihnen, oder wollen Sie ihn als Eigentum besitzen?“ „Nein, nein,“ wehrte sie ab, „bin so froh seit langem endlich ohne Schmerz zu sein!“ Gröning: „Nun lassen Sie die Tasche weiter von Hand zu Hand wandern, denn nun ist es keine Handtasche mehr, sondern eine Heiltasche und passen Sie nur auf, dass Sie nicht auf die Anklagebank kommen – Vergehen gegen das Heilpraktikergesetz – Oh! es ist sehr strafbar, Menschen zu helfen!!“ Alles lachte und die wandernde Tasche befreite wirklich viele von ihren Schmerzen und Leiden. Jeder berichtete, was in ihm vorging, manche konnten gar nicht sprechen, so schüttelte es sie durch. Gröning war dabei meist im entgegengesetzten Teil des Raumes und arbeitete dort.

Einmal nahm Gröning einem Mann den Hut von seinem Schoss und setzte ihn auf seinen Kopf (vom Mann) und fragte: „Na, was ist nun?“ „Ach, Herr Gröning, meine Kopfschmerzen, die mich seit Jahren plagen sind wie weggeblasen!“ Der Mann getraute sich nun nicht mehr den Hut abzunehmen. Gröning nahm ihn ab und meinte: „Da ist auch noch einer, der könnte ihn gebrauchen und warf ihn in der letzten Reihe einem zu. Der setzte ihn auf und weg waren seine Schmerzen.

Dann frug Gröning: „Wer hat Schmerzen?“ Viele erhoben die Hände. Gröning machte mit der rechten Hand über alle eine segnende Bewegung und alle bestätigten, dass der Schmerz weg ist. Nach einiger Zeit frug Gröning wieder: „Wer hat neue Schmerzen oder ein komisches Gefühl, das ihm neu ist?“ Als sich einige meldeten und berichteten, meinte Gröning: „Freuen Sie sich, denn das ist ein Regelungsschmerz, der wieder Ordnung schafft. Lassen Sie sich nicht von Ihrer Umgebung draus bringen, damit das Böse, das nun hinaus geschafft wird, zurückkehrt! Lenken Sie sich ab, indem Sie beten. Dieser Schmerz muss oft sein, denn wenn das neue Leben plötzlich wieder in die toten Glieder kommt und neues Leben bringt, das tut weh, denn Satan räumt nicht gerne seinen Platz!“

„Heute ist Polizei da!“, sagte plötzlich Gröning einmal im Vortrag. Alles sah sich im Raum um, aber kein Polizist war zu sehen. Auch Dr. Trampler meinte, das müsste er doch wissen. Gröning ging auf einen Mann zu, der in der hinteren Reihe saß, und sagte nur: „Na?“ Dieser stand auf und sagte: „Ja, ich bin Polizist, aber nicht als Beamter hier; daher auch nicht in Uniform, sondern meines Kindes wegen.“ „Ja“, sagte Gröning, „das stimmt, und ihr Kleiner wird Ihnen gesund entgegenlaufen. Merken Sie sich die Zeit; es ist 21:15 Uhr! Wenn Sie mich nun deswegen verhaften wollen, so sage ich Ihnen: Keine Fessel oder Handschelle ist stark genug, dass ich sie nicht sprengen könnte; keine Gefängnismauer dick genug, dass ich nicht durchgehen könnte. Selbst wenn ich in 1.000 Stücke zerrissen würde und tief in die Erde gegraben – das Heilen geht weiter!“ „Nein, Herr Gröning, nie würde ich mich zu so etwas einsetzen lassen – da gebe ich gleich meinen Dienst auf. Ich habe im Dienst am Traberhof so Wunderbares mit angesehen, dass ich bei meinen Kameraden immer sage, wie sehr man Ihnen Unrecht tut, Sie zu verfolgen und Ihnen Prozess zu machen!“ Gröning darauf: „Der größte Menschenfreund wurde auch verfolgt und sogar ans Kreuz geschlagen. Die satanische Macht ist wieder sehr groß geworden und ich habe ja weiter nichts zu tun, als diese zu bekämpfen, und das Andere geschieht dann von selbst. Der Mensch nennt es Wunder, weil er selbst davon abgekommen ist. Da will ich Sie wieder zurückführen, denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle Kinder Gottes sind. Gott wird uns helfen, wenn wir den Weg zu Ihm wieder gefunden haben!“

Einmal war ein Mann anwesend, der ständig laut lachte, sodass allmählich auch die anderen zu lachen begannen. Da ging Gröning zu ihm und sagte zu uns allen ernst: „Bitte, nicht lachen, denn das ist „seine“ die Krankheit. Da wo er weinen möchte, muss er lachen.“ Er blieb still vor ihm stehen und sah ihn an, bis er immer stiller wurde und dann war alles gut.

Einmal saß eine Dame mit einem Stock in der ersten Reihe und Gröning sagte zu ihr: „Nanu? Sie liefen doch schon ohne Stock und waren gesund?“ „Ach ja, Herr Gröning, ich ging gesund und frei vom Traberhof nach Hause, alles staunte darüber. Da kamen die furchtbaren Artikel in der Zeitung über Sie und die vielen fast täglichen Extrablätter, in denen Sie auf einmal ein Scharlatan und Verbrecher sein sollen. Kurzum, meine Umgebung, meine Angehörigen bestürmten mich, doch nicht zu glauben, dass meine erworbene Gesundheit anhält, da ich von einem Teufel geheilt worden sei! Ich geriet in Zweifel und schon war der erste Schmerz wieder da. Da bekam ich Angst und Sorge und von Tag, ja von Stunde zu Stunde wurde ich in die alte Krankheit zurück geworfen. Nun sehen Sie, meine einzige Stütze ist der Stock.“ Bruno Gröning: „Da sieht man, was die Umgebung, die Beeinflussung zum Bösen, zustande bringt! Ich sage immer: Schaut Euch Eure Umgebung an; duldet keine bösen Menschen um Euch, zieht Euch davon zurück, wenn Ihr sie nicht zum Guten führen könnt. Sie sind Werkzeuge des Satans! Daher sollen Heilstätten entstehen, dass die noch schwachen Kranken – ich meine die innerlich schwachen – aus ihrer ungläubigen Umgebung wegkommen. Ich gebe Ihnen den Rat: Solange Sie noch auf dem Weg der Heilung sind, sprechen Sie mit niemand darüber. Dies ist in fast allen Fällen die Ursache des Rückfalles in das alte Leiden. Der Neid ist so groß geworden – dies ist nun der Kampf gegen mich. Kommt da so ein kleiner, hat nicht studiert und es geschehen Heilungen, die kein Professor und Doktor mehr fertig brachten. Doch lassen Sie sich nicht mehr draus bringen. Mein Weg geht durch Schmutz; das weiß ich.

Ich muss förmlich durch zähen Lehm waten und was ich aufbaue, wird mir oft wieder zerstört. Ihr Glück, dass Sie den Weg wieder hierher fanden, gute Frau, und den Stock legen Sie nun für immer weg!“ Freudig stand sie auf und ging auf Gröning zu, gab ihm den Stock und schritt dann mit den Worten: „Nein, keiner kann mich mehr zum Bösen beeinflussen; das verspreche ich Ihnen, Herr Gröning!“ Dutzendmale die Treppe auf und ab. Voll geheilt ging sie dann weg.

Manches Mal übertrug Bruno Gröning das Krankheitsbild einer anderen anwesenden Person, die dann schilderte, was sie verspürte und was weiter nun in ihr vorging. Bruno Gröning machte nur eine schleudernde Bewegung mit der offenen Hand, und am Schluss der Schilderung des übertragenen Krankheitsbildes musste der Betreffende mit offenem Mund kurz ausatmen, dann war für ihn die Übertragung beendet. Einmal saß ein Ehepaar in der ersten Reihe und Gröning machte diese schleudernde Bewegung gegen den Mann. Dieser wand sich förmlich in Schmerzen und stöhnte: „Herr Gröning, ich habe plötzlich fürchterliche Schmerzen im Unterleib; was ist denn das auf einmal?“ „Ja“, sagte Bruno Gröning, „dies sind die Schmerzen Ihrer Frau. Nun werden Sie es glauben, dass sie wirklich solche Schmerzen hat, und Sie werden sie nicht mehr auszanken als eingebildete Kranke! Stören Sie sie auch nicht mehr durch Ihren Spott in ihrer Heilung!“ Der Mann musste tief ausatmen und war nun durch diese schmerzliche Belehrung auch geheilt von seiner seelischen Härte.

Manches mal konnten sich Heilungssuchende nicht von störenden Gedanken so schnell lösen. Da frug sie Bruno Gröning ganz unvermittelt: „Was haben Sie da für eine schöne Brosche, ist die echt?“ Oder: „Was für eine merkwürdige Farbe hat Ihre Krawatte doch?“ Der oder die Betreffende befasste sich im Augenblick mit dem gefragten Gegenstand und in diesem Moment leitete Bruno Gröning mit einem Blick den Heilstrom in die Betreffenden und die Heilung war geschehen. Dies erlebte ich so oft mit!

Jeder Teilnehmer erhielt eine kleine Stanniolkugel vor Beginn des Vortrages, die er dann mit nach Hause nehmen durfte. Bruno Gröning sagte: „Und wenn das Haus abbrennt, und wenn Sie alles verlieren würden; nur die kleine Kugel dürfen Sie nie verlieren. Sie ist das Wertvollste für Sie; sie ist Ihre Gesundheit und Ihr Schutz! Sie zieht alle guten Kräfte an und stößt alles Böse ab!“ Viele Anwesende ließen oft am Schluss Rosenkränze, Schmuckstücke und Bilder von Bruno Gröning in die Hand nehmen, und sie waren damit „angesprochen“.

Stets am Ende des Vortrags sagte Bruno Gröning: „Wenn es Ihr Wunsch ist, dass auch den Kranken zu Hause geholfen wird, da er nicht selbst kommen konnte, so helfe ich auch diesen Menschen. Grüßen Sie ihn von mir!“ Und so oft wurde dann berichtet, dass der oder die zu Hause in diesem Augenblick, da Bruno Gröning dieses sagte, sich vom Krankenlager erhob als gesund oder eine plötzliche Reaktion zeigte, die, wenn sie nicht von der Umgebung durch Unverstand gestört wurde, stets zur vollen Heilung führte.

So erlebte ich viele, viele Vorträge mit, bei denen alle Arten von Menschen anwesend waren. Verschiedene Bildungsgrade, verschiedene Berufe, verschiedenes Alter und jeder Vortrag war in seiner Form jeweils verschieden in den Beispielen; immer dem Verständnis des Betreffenden angepasst, doch im Sinne immer derselbe - ein Hinführen zu Gott! Denn wie Bruno sagte: „Kein Mensch kann heilen - immer nur Einer ist es – Gott!

Der größte Arzt aller Menschen ist und bleibt unser Herrgott!“

 

Anny Freiin Ebner von Eschenbach

[Unterschrift]

 

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung