Wer war Gröning?

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Professor X, 1960
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Anmerkung: Dieser Artikel entstammt der Feder eines in Süddeutschland lebenden Professors, den derselbe noch zu Lebzeiten Grönings, herausgegeben hatte. Er wurde jedoch deswegen sehr angegriffen und angefeindet. Aus diesem Grunde haben wir den Namen des Verfassers mit „X“ bezeichnet.

Ich besuchte erstmalig im Sommer 1955 eine Gastversammlung in Rosenheim, und bekam hierbei erstmals Kontakt mit Herrn Gröning.

Sein Begleiter sprach zuvor ein paar einführende Worte, etwa folgende:

„Es wird jetzt gleich Herr Gröning zu Ihnen sprechen. Wie Sie wissen, ist er kein gewöhnlicher Mensch, sondern besitzt übernatürliche Kräfte. Jeder empfängt davon, auch wenn dieser oder jener nichts spüren sollte. Einige werden plötzlich befreit, andere müssen länger warten.“ usw.

Über der Versammlung lag eine glückliche, erwartungsvolle Stimmung, nicht wie vor einem Konzert oder Theater, sondern ein feierlicher, verinnerlichter Ausdruck, wie vor der heiligen Handlung in der Kirche. Jeder war schweigsam in sich versunken, in Sammlung und Andacht vertieft. Es war eine echt religiöse Einstellung, die Zuversicht und Geborgenheit verriet.

Dann trat Gröning ein.

Er sprach in einfachen, kurzen Sätzen über Gut und Böse. Er stand da mit verschränkten Armen, völlig passiv. Nicht das Geringste von heilender Tätigkeit war zu bemerken. Diese passive Einstellung behielt Gröning bis zum Schluss bei.

Er sprach ruhig und gelassen, hielt inne, stellte ab und zu eine Zwischenfrage, fuhr langsam fort, ging auf die heutige Zeit, erwähnte die Bedrohung durch die Technik und die Atombombe, zeigte die Gefahren des Bösen auf und erklärte im einzelnen, wie die Menschheit davon bedroht wird. Er bemerkte, wie Hass, Habgier und Neid Kriege vom Zaune brechen, wie das Böse uns alle zugrunde richtet.

Dann machte er plötzlich eine längere Pause, musterte Reihe um Reihe eine Weile schweigend die Anwesenden.

Dann griff er eine Person heraus und fragte sie: „Was führte Sie zu mir?“ Der Angesprochene wurde stutzig. So gab Herr Gröning selbst die Antwort: „Nun, das Böse! – Sie kommen doch her, um das Böse abzulegen. Wenn Sie sich nicht mit dem Bösen behaften, dann sind Sie frei und glücklich. Also weg damit! Erst wenn Sie mit GOTT verbunden sind, dann sind Sie geboren. Das ist aber sehr einfach. Legen Sie ab: Hass, Neid, Habgier, Stolz, Lüge und Klatschsucht, Betrug, Hartherzigkeit. Werfen Sie hinaus all das Böse und Sie werden verbunden mit der göttlichen Kraft! Dann erst ist Ihr Seelenleben gesund, denn Sie stehen ja in Verbindung mit GOTT. Dann ist auch Ordnung in Ihrem Körper. WO GOTT IST, GIBT ES KEINE DISHARMONIE! Schauen Sie hinauf in den Sternenhimmel, betrachten Sie die Schönheiten der Natur! Alles ist doch so kraftstrotzend und gesund, wenn es mit der göttlichen Kraft in Verbindung steht. Dort gibt es keine Krankheit. So auch bei Ihnen, wenn Sie sich mit der GÖTTLICHEN KRAFT einen. Bewundern Sie doch die Schönheit und Herrlichkeit der Blumen und Pflanzen. Ja, welche große Gesundheit überall! Viel, viel mehr davon bekommt der Mensch ab, wenn er nur GUT ist und will, denn er ist ja die Krone der Schöpfung! Alles wird ihm geschenkt mit vollen Händen, wenn er sich von dem Bösen trennt, wenn er gottgläubig und GUT ist, wenn er natürlich lebt und sich nicht mit der Sünde behaftet.

Ich bringe Ihnen das GUTE, ich gebe Ihnen die GÖTTLICHE KRAFT. Nicht aus mir selbst, ich stehe unter Auftrag, ich muss es tun. Ich kann nicht anders. Aber danken Sie mir nicht. Ich bin ganz klein, ich bin Ihr Schüler, nicht Sie. Sie sind meine Lehrer. Ich heile nicht. Als Werkzeug, als Mittelsmann gebe ich an Sie GÖTTLICHE KRAFT ab. Bitte, bedienen Sie sich! Es liegt ganz an Ihnen, wie viel Sie davon empfangen! Jeder erhält so viel, wie er gerade verdient, das heißt wie weit er an GOTT glaubt und auf das GUTE eingestellt ist. Wer sich abschließt, ins Böse steuert, kann die GÖTTLICHE KRAFT nicht erhalten. Dem kann auch nicht geholfen werden.

Ich bin zu Ihnen gekommen, und biete Ihnen allen diese übersinnliche Kraft an; aber eine wirkliche Chance haben nur die GUTEN. Die Zweifler, die Skeptiker, die Feindseligen schließen sich selbst aus! Ich bin diesen Menschen nicht böse. Ich hasse nicht, denn ich behafte mich nicht mit dem Bösen. Ich will aber jedem von Ihnen das Heil bringen, weil ich eine Mission zu erfüllen habe. Ich selbst aber verdiene keinen Dank. Danken Sie dem da oben! Ich bin ja nur sein kleiner, armer Diener. Ich habe diese Kraft nicht aus mir. Sie fließt mir zu! So bin ich nur angeschlossen an diese GÖTTLICHE KRAFTQUELLE. Nicht ich heile! ES HEILT DAS GROSSE, ALLMÄCHTIGE ÜBER MIR. – Ich bin mit dieser GÖTTLICHEN KRAFT aufgeladen. Wenn Sie sich gläubig bedient haben, sind Sie jetzt auch aufgeladen. Was spüren Sie denn, beobachten Sie Ihren Körper!“

Es folgen Antworten:

Die erste herausgegriffene Person berichtet: „Wärmegefühl im Körper.“

Die zweite herausgegriffene Person: „Zucken in den Händen.“

Die dritte Person: „Kribbeln im ganzen Körper.“

Die vierte: „Ich fühle mich so frisch und wohl!“

Die fünfte Person äußert: „Ich habe plötzlich keine Kopfschmerzen mehr!“

Herr Gröning springt hier ein und moniert: „Sie behaften sich ja wieder mit dem Bösen! Wenn die übersinnliche Kraft Ihnen geholfen hat, dann rufen Sie doch nicht die Krankheit an! Sie behaften sich ja mit dem Bösen von neuem!“

In dieser Weise ging es zweieinhalb Stunden in einem fort. Kein Wort über Krankheitssymptome, keine Diagnose, keine Verhaltungsmaßnahmen, kein Streichen, Massieren, keine Arznei, keine Tees, kein Kräutlein wurde verordnet. Kein Angriff wie z. B. Gesundbeter Y. mit donnernden Worten auf die Tiefenseele, keine indirekte Seelentherapie nach Carl Jung, kein Aufspüren nach seelischen Komplexen, keine Atemkur, keine Kneippkur, auch keine Suggestion oder Hypnose. Diese Verfahren lehnte Gröning von vorneherein ab.

Völlig passiv steht dieser Mensch als Gottgesandter da und vermittelt seinen Mitmenschen die GÖTTLICHE KRAFT.

Er steht da als Medium einer höheren Macht und bittet die Anwesenden, sich zu bedienen.

Ich war einfach sprachlos und dachte immer wieder an die Worte des Kapuziner-Mönches in der Rosenheimer Klosterkirche: „Die Wunderheilungen Grönings erinnern an das Neue Testament und sind nur auf übersinnliche Weise zu erklären.“

Gröning hat jedenfalls mit den Paragrafen der unerlaubten Ausübung der Heilpraktikerschaft überhaupt nichts zu tun. Sobald man in diesem Punkt Anklage erhebt, klagt man den Herrgott selbst an. Was er wirklich tut, das heißt, wo er in Tätigkeit tritt, ist Apostelgeschichte. Er hält Glaubensvorträge. Er tröstet, mahnt, richtet auf, bringt Frieden und Ruhe für die Menschen in GOTT.

Das ist seine wirkliche Tätigkeit. Kann man ihn deswegen bestrafen? Müsste man dann nicht jeden Seelsorger, d. h. jeden Pfarrer, der Krankenbesuche macht, der aufrichtet und tröstet, auch unter Anklage stellen? Kein demokratischer Staat darf eine solche seelsorgerische Hilfe verbieten!

Am Schluss dieser Versammlung kamen von verschiedenen Seiten an Herrn Gröning noch Anliegen für Unglückliche daheim. Immer wenn hierbei eine Krankheit genannt wurde, wies Bruno Gröning die Bezeichnungen von Krankheiten zurück und fügte hinzu: „Mit solchen Dingen befasse ich mich nicht, diese Bezeichnungen gehören der Medizin, sind Aufgaben für den Arzt. Auf dem Gebiet habe ich nichts zu suchen. Ich stelle nur fest, dass Sie sich mit dem Bösen behaften. Sie brauchen mir überhaupt nichts Trauriges anzuvertrauen. Ich sehe im Geist, was Ihrer Tochter – Sohn – Vater – usw. fehlt, im Grunde genommen doch die Hilfe Gottes! GLAUBEN Sie selbst fest, geben Sie diesen Glauben Ihrer Tochter, halten Sie fest am GUTEN, öffnen Sie sich der GÖTTLICHEN KRAFT! Ich gebe sie Ihnen mit, und alles wird gut!“

Ich fragte nach der Versammlung mehrere Teilnehmer nach ihren persönlichen Erfolgen. Zwei bestätigten, dass sie von unheilbaren Krankheiten, Asthma und Lähmungen, plötzlich geheilt worden sind.

Mit recht starken Vorurteilen war ich in die Versammlung gegangen, und nahm nun folgende Überzeugung mit nach Hause:

Das Gröning-Wirken war keine Spiegelfechterei, keine marktstellerische Angelegenheit, keine Quacksalberei auf medizinischem Gebiet. Es war zunächst eine sittlich gute TAT, eine Berufung gegen unsere materialistische, seelenlose, egoistische, liebeleere, atheistisch bestimmte Zeitepoche.

Und trotzdem wurde ihm nachgestellt. Da ist der Gesundbeter Y. besser dran! Warum maß man hier mit zweierlei Maß, obwohl Gröning als übersinnliche Erscheinung hoch erhaben über dem Gesundbeter Y. stand, und mit diesem erst gar nicht verglichen werden konnte?

Schon nach kurzer Bekanntschaft erkannte man, dass Bruno Gröning unter der Führung einer höheren Macht stand. Sein Auftreten erinnerte an das Wirken der Apostel wie an die ersten Glaubensboten in unserem Vaterlande. Herr Gröning streute auch, wie jene, Samen in die Herzen Gutwilliger, um so ein solides Fundament für eine sittlich-religiöse Erneuerung zu legen. Er wollte hineinführen in eine humanere Welt, wo Friede und Ruhe in Gott herrschen!

Bruno Gröning war kein konfessioneller Missionar, sondern ein großer Mystiker. Mystik kommt her aus dem Griechischen und heißt „geheim“. Gemeint ist die geheime und direkte Verbindung der menschlichen Seele mit GOTT. Die Mystik sieht den Kern des Religiösen in engster Gottverbundenheit.

Immer wenn die GÖTTLICHE Ordnung nicht mehr im Mittelpunkt des menschlichen Denkens stand, wie heute bei uns, fanden sich Begnadete, die zur Besinnung und Rückkehr zum Allmächtigen aufriefen. Für solch eine Sondererscheinung halte ich unzweifelhaft Bruno Gröning.

In den nächsten beiden Gemeinschaftsabenden wurde diese meine Auffassung noch wesentlich bestärkt. Bei Aufbruch nahm ich mir die Freiheit, Herrn Gröning persönlich auszufragen, was mir durch Abwehrzeichen der Umstehenden verwehrt werden sollte, weil Herr Gröning über seine außergewöhnliche Veranlagung – und grundsätzlich – nicht spricht oder nur sehr ungern Aufschluss gibt.

Ich fragte, ob er Privatstudien treibe, da seine einfachen Vortragssätzchen oft wissenschaftliche Ergebnisse enthielten. Er antwortete: „Ich brauche keine Bücher, mir fällt das zu.“ Und überhaupt: „Der Mensch wird gedacht! Die Gedanken kommen doch von ganz alleine, auch über ganz unbekannte Dinge. Sie werden doch ohne unser Zutun gegeben!“ Er begründete dies durch entsprechende Beispiele.

Ich hörte auch immer wieder, wenn er zu den Bittstellern sprach: „Seien Sie doch still, ich weiß noch viel genauer, als wie Sie es überhaupt ahnen.“

So kreuzen sich hier die Wege. Wir bleiben die gewöhnlichen Menschen, er aber der ganz auffällig übernatürliche Mensch, der Sonderfall, der Gottbegnadete, die zu respektierende Ausnahme.

Von Bedeutung war mir auch folgende Aussage: „Ich kann die Hilflosen nicht im Stiche lassen. Ich habe einen zwingenden Auftrag. Mein Gewissen treibt mich, ich muss allen Unglücklichen helfen, ich kann nicht anders!“ Daraus ergibt sich: Es ist schon so, wie ich bereits eingangs erwähnte. Herr Gröning arbeitete nicht nur wie wir mit dem Oberbewusstsein, sondern besaß ganz seltene Fähigkeiten. Er war im Unterbewusstsein durch das andere Ich, durch die „Tiefenseele“, in Intuition mit einer allmächtigen Kraft, wie einst die Propheten, direkt verbunden.

Ich beziehe mich dabei auf einen sehr angesehenen Theologen unserer Zeit, Herrn Univ.-Prof. Dr. Schmaus, München. Wenn man die epochemachenden Bände seiner wissenschaftlich streng begründeten Dogmatik aufmerksam durchgeht, erkennt man leicht den Unterschied zwischen einem Genie und intuitiver Gottverbundenheit. Ein begabter Dichter beispielsweise arbeitet autoritär, er schöpft sein Gedankengut aus seinem Genie, seiner Anlage, er ist direkt aktiv tätig. Der Prophet hält nur die Feder, und die Gedanken werden ihm durch eine höhere Macht hineindiktiert. Er ist passiv, betont passiv. Ganz genauso Bruno Gröning. So empfingen die Apostel am Pfingstfest ihre Fähigkeit, fix und fertig in fremden Sprachen zu reden, aber nicht durch ihr Genie, sondern einzig und allein durch Intuition.

Bruno Gröning empfing ebenfalls seine Gedanken und seinen Auftrag direkt von einer höheren Macht. Er war doch ein einfacher Mann mit Volksschulbildung, der nie daran gedacht hatte, Privatstudien zu betreiben. Wie hätte er denn übersinnliche Tatbestände von solch unerhörtem Ausmaß schaffen können!

Er war ein Meister inneren Seelenlebens, ein Kenner der Tiefenseele, nicht durch Studium – um es noch einmal ausdrücklich zu erwähnen –, sondern durch direkte Verbindung mit der übersinnlichen Welt. ER SCHUF UND STÄRKTE DAS GUTE UND BEKÄMPFTE DAS BÖSE.

Wenn wir dem Gröning-Geschehen gerecht werden wollen, müssen wir eine geistig-göttliche Welt anerkennen. Wir müssen die Tatsache bejahen, dass Herrn Gröning aus einer höheren göttlichen Welt übersinnliche Kräfte zugeflossen sind, die er, trotzdem er sich völlig passiv verhielt, laufend ausstrahlte. Darum sagte er ja in jeder Gemeinschaftsstunde: „Ich tue nichts. ES HEILT DIE GÖTTLICHE KRAFT!“

Voll und ganz wurde ich davon in der letzten Versammlung im Oktober 19.. überzeugt.

Vier bis fünf Meter von Herrn Gröning entfernt, stand ein junger Mann von über 30 Jahren. Herr Gröning verhielt sich wie immer und frug ihn, ob er göttliche Kraft aufnähme. Er bejahte. Herr Gröning fragte ihn nochmals, ob er noch mehr haben möchte. Der Angesprochene bejahte und Herr Gröning erwiderte ihm: „Bitte, nehmen Sie nur. Bedienen Sie sich!“ Im selben Augenblick wurde dieser Mensch unruhig und lebendig. Der Zustand steigerte sich merklich mehr und mehr, bis der ganze Körper durcheinander geschüttelt wurde, so etwa fünf bis sieben Minuten lang. Gröning ließ ihn gewähren, und fragte ihn zum Schluss nach seinem Befinden. Er antwortete, dass ein wunderbares, wohliges Gefühl seinen Körper durchziehe und er sich so leicht und befreit befinden würde. Gröning rief ihn darauf nach vorne, ließ wie aus Versehen seinen Schlüsselbund fallen. Der Betreffende bückte sich völlig schmerzfrei und hob denselben ohne Schwierigkeit auf. So ein zweites und drittes Mal, und zwar abwechselnd mit der linken und der rechten Hand. – Später fragte ich den Menschen nach seiner Krankheit. Er gestand mir, dass er schwerkriegsbeschädigt war, sich überhaupt nicht bücken konnte, und wegen einer Verletzung der Wirbelsäule an zwei Stöcken ging und fast ganz gelähmt war.

Ärzte und Klinikbehandlung konnten ihm nicht helfen. In seiner Verzweiflung suchte er durch Suggestion, Hypnotiseure und Magnetiseure Hilfe, und alles war umsonst. Einzig und allein Herr Gröning konnte ihm helfen. Heute ist er verheiratet und geht voll und ganz seinem Beruf nach.

Einer Frau hatte Herr Gröning die volle Gesundheit wiedergegeben, wo der behandelnde Arzt durch Laboruntersuchung Bauchspeicheldrüsenkrebs feststellte und bescheinigte, dass diese Patientin durch Herrn Gröning von dieser Geißel befreit wurde.

Bei einer Frau in Oberitalien war eine Unterleibskrankheit bereits soweit in Fäulnis ausgeartet, dass die Klinik diese Todeskandidatin nach Hause schickte, mit dem Bemerken zu den Angehörigen, dass sie nur noch einige Tage zum Leben hätte. Durch Herrn Gröning wurde ihr der unauffassbare Erfolg beschieden, dass sie völlig gesund wurde.

Dann aber noch die Fernerfolge bis ca. 14.000 km nach Übersee, bis nach Brasilien und nicht zuletzt hundert andere Beispiele, die gar nicht alle aufgeführt werden können.

Ein anderes Mal war ich Zeuge einer sehr eindrucksvollen Beeinflussung der Materie durch die Heilkraft, welche durch Herrn Gröning hindurchfloss. Ein Radioapparat, welcher auf einen Plattenspieler eingestellt war, aber sich nicht in Tätigkeit befand, stand im Versammlungsraum. Da geschah das Unerklärliche: Herr Gröning schaltete den Apparat durch Auflegen seiner Hand oben auf die glatte Holzfläche auf die Radiosendung ein. Auf dieselbe Art schaltete er den Apparat nach einiger Zeit wieder aus und wiederholte dieses Experiment zu meinem allergrößten Erstaunen nach Belieben. Frau Baronin Ebner von Eschenbach, die neben mir saß, bestätigte mir, dass Herr Gröning tatsächlich die Materie beeinflussen konnte. Sie sei dabei gewesen, wie bei einer größeren Versammlung eine Reporterin mit dem Fotoapparat auftauchte. Herrn Gröning störte dies Gebaren und so versagte die Blitzlichtlampe den Dienst. Die Reporterin ging in den Nebenraum, dort klappte es großartig. Sie kam wiederum in den Saal und machte einen zweiten Versuch, wiederum der gleiche Misserfolg. Der Reporterin wurde das Spiel unheimlich. Sie war völlig verwirrt. Aber die Versammlung war bereits nahe am Schluss und Herr Gröning bemerkte: „Jetzt bin ich einverstanden, jetzt können Sie Ihre Aufnahme machen!“ Und dann ging alles glatt.

Ich fragte Herrn Gröning über diese übersinnliche Fähigkeit aus. Er nannte mir noch eine ganze Reihe solcher Vorkommnisse, fügte aber hinzu, dass er derartige übersinnliche Handlungen nur ausnahmsweise vornähme, um die Glaubenskraft zu stärken, niemals aber um nur Neugierde zu befriedigen, auf gar keinen Fall aber auf Kommando. Das dürfe er auch gar nicht, weil das gegen sein Gewissen sei. Er hätte den Auftrag, nur im göttlichen Sinne zu wirken und müsse sich korrekt verhalten. Er könnte mir noch viel mehr sagen, was mich aber nur verwirren würde. Gerade Wissenschaftler wären die allergrößten Skeptiker und könnten ihm am schlechtesten folgen. 

Zusammenfassend möchte ich meine Beobachtungen und Erfahrungen wie folgt darlegen:

1) Bruno Gröning war ein großer Mystiker und durch die Tiefenseele mit der übersinnlichen Kraft direkt verbunden. Er kannte die Kraft des GUTEN und wusste um die Macht des Bösen.

Er hatte als göttlichen Auftrag die Aufgabe, das GUTE in die Menschheit hineinzutragen, sie zur Gottesnähe zu führen und den GLAUBEN unter den Menschen zu erneuern.

Aus diesem Grunde hielt er Glaubensvörträge, die stets über zwei Stunden dauerten; Vorträge, wie ein bekannter Pater aus Amerika sie gehalten hat, Vorträge, wie sie die Zeltmission ausführte, welche sogar von städtischen und staatlichen Behörden dafür eine Unterstützung erhielt und noch dazu einen Eintritt erhob.

Warum gewährte man Bruno Gröning nicht das gleiche Recht?

2) Es durchströmten Bruno Gröning phänomenale Kräfte, die nicht in seine Natur hineingeboren waren, sondern die ihm laufend aus der übersinnlichen Welt zuflossen. Es muss hierbei festgehalten werden, dass ohne sein Bemühen, ohne besondere Einstellung diese heilende Kraft ihn wieder verlässt. Er selbst war völlig passiv. Er wirkte wie ein Transformator, wie ein elektrischer Leitungsdraht. Ohne sein Zutun wurden Heilungssuchende aufgeladen, sie empfingen den Strom.

3) Bruno Gröning war ein Sonderfall. Seine Heilungen lagen völlig abseits von jeder üblichen Heilpraxis. Er frug nie nach einer Krankheit, gab nie Anweisungen. Er war lediglich Werkzeug einer höheren Macht, eines höheren Willens. Er war ein Sprachrohr zwischen den Menschen und dem Jenseits, wie einst die Propheten. Er konnte sich diesem übersinnlichen Schicksal nicht entziehen, auch wenn das ganze Strafgesetzbuch ihn bedrohte! Er konnte den Heilparagraf nicht anerkennen, weil er den übersinnlichen Heilstrom nicht abstellen konnte, noch durfte!

Stellen Sie sich rückerinnernd Herrn Gröning als Angeklagten in der Gerichtsverhandlung vor. Alle empfingen im Gerichtssaal von seiner Heilkraft, sogar die Herren Richter, auch wenn sie es nicht merkten. Sie hatten also bei Heilverbot von diesem Menschen Verbotenes entgegengenommen, sie hatten sich damit also mit strafbar gemacht, was sie selbst durch ihre Verurteilung mit heraufbeschworen hatten, und das war das Groteske. Ein Urteil, das wie ein Bumerang auf den Schützen, eines Tages auf die Verursacher zurückfliegen wird …

Sehen Sie zum leichteren Verständnis Herrn Gröning als eine Höhensonne an, die der große allmächtige Arzt da oben uns allen angeboten hatte. Durch sie hindurch spendete er uns Heilstrahlen für unseren Körper und unsere Seele. Die Gottgläubigen, die Gutgesinnten, die Aufgeschlossenen erhielten die größte Stärkung. Die Neutralen, die Wankelmütigen weit weniger. Die Feindseligen, die Widersacher, die sich gleichsam wie durch eine bösartige Scheidewand abschirmten, empfingen nichts.

Sagte nicht auch Christus: „Gehe hin, dein GLAUBE hat dir geholfen!“ oder: „Sündige hinfort nicht mehr, damit dir nichts Schlimmeres widerfahre!“

Die Umwelt betrachtete das Phänomen Bruno Gröning nur aus dem alltäglichen Rahmen heraus. Ein so seltenes Vorkommnis wie das Gröning'sche muss man von einer höheren Warte aus beurteilen. Hinter einem so überirdischen Ereignis musste doch ein wichtiger Sinn verborgen sein!

Wie war denn unsere heutige Zeit, wie ist sie jetzt noch? Existenzphilosophie, Atheismus, Materialismus. Einzelne Philosophen sehen das seelische Klima der Welt etwa so: Eine große starre Eiswüste, wo man rücksichtslos über Leiden hinweg schreitet. Wegen ein paar Kleinigkeiten steht der Weltkrieg vor der Tür, und bei einem Aufschrei nach Freiheit und Menschenwürde muss ein ganzes Volk in Terror und Blut ersticken. Welch ein Meer von Tränen, welch ein Abgrund von Dämonie! Und hinzu kommen noch mehr und mehr Höllenwaffen, Atombomben, die einen ganzen Planeten vernichten können.

Da schickte uns die göttliche Vorsehung einen Boten, so einfach und schlicht und doch so gewaltig in seiner Wirkung, dass er allgemein als „Wundermensch“ auffiel. Jeder sollte und musste auf ihn aufmerksam werden.

Von Schleswig-Holstein bis zum Bodensee und noch weiter reiste er umher, steckte überall Lichter auf, erwärmte die Herzen, wirkte Heilwunder auf Heilwunder auf indirekte Art, eben durch seine Gegenwart, und arbeitete so am Umbruch unserer finsteren Zeit und wies auf eine lichtere, hoffnungsreichere, menschenwürdigere Zukunft hin.

Und ihn verfolgte man und stellte ihn – wie einst Jesus – vor Gericht …

Es wurde mir ernsthaft bange. Ich dachte an einige Richtlinien im „Mythos des 20. Jahrhunderts“ [1], wo man weder Gott noch den Teufel fürchtete, und dann kam alles so urplötzlich – unser ganzes Volk war in den Abgrund geschleudert worden durch die Mächte der Finsternis. So hatte ich mich zu Lebzeiten Bruno Grönings gefragt: „Darf man auch nur indirekt die Hand gegen unseren Herrgott erheben? Er hatte uns unverkennbar dieses Zeichen gesandt. Warum ließ man diesen Menschen nicht gewähren?“

Einfach und ohne „höhere Bildung“ vermochte er dasselbe, was in Lourdes geschieht, göttliche Zeichen, vor denen selbst eine internationale Ärztekommission sich demütig verbeugt. Dasselbe zeigte Gröning in Hunderten und Hunderten von Beispielen auf. Wundertaten, die mit Einschränkung an Jesus selbst erinnern!

Wir wurden über diesen seltenen Menschen vom Jenseits aus ganz deutlich angesprochen, das fühlte doch ein Blinder mit dem Stock, wie der Volksmund sich ausdrückt. Welch ein Mensch war denn enger mit der übersinnlichen Macht verbunden und schaute klarer in das Antlitz einer jenseitigen Welt?

Wenn wir als Christen den kategorischen Imperativ [2] ad acta legen und das Übersinnliche abweisen, warum feiern wir dann noch Weihnachten – Ostern – Pfingsten? Wenn wir uns so einstellen, dann rollt doch viel leichter ein zynisches, grausames, teilnahmsloses Schicksal über uns hinweg, weil wir uns ja absperren von jeglicher göttlichen Hilfe.

Wie war das also zu erklären, dass ein völlig Schuldloser, ein Gottbegnadeter angeklagt wurde???

Erstens lag das an unserer Rechtsordnung. Ich bin wohl ein Freund der Antike, aber eines steht doch fest: Die alten Römer haben ihr Weltreich zusammengeraubt. Diesen Raub verteidigten sie dann durch Gesetze, indem sie die Paragrafen über die Menschen stellten. Bei unserer heute noch römischen Rechtsgrundlage geschieht es oft, dass Richter sagen: „Nach menschlichem Empfinden tun Sie mir leid, aber der Paragraf bindet mich …“

Bei Bruno Gröning verlor der Heilparagraf seinen Herrschaftsanspruch voll und ganz, denn die exakte Wissenschaft, die moderne Medizin schließt bis auf den heutigen Tag mit dem empirischen Wissensbereich ab, sie reicht nie ins übersinnliche Gebiet hinein.

Die Anklagen stützten sich also auf Spiegelfechtereien und waren nichts anderes als Scheinkonstruktionen. Somit fallen die Anklagen in sich selbst zusammen, denn sie müssen sachlich gerügt werden.

Zweitens ist das deutsche Volk anzeigefreudiger als Völker anderer Länder. Die Laienrichter konnten bei der Entnazifizierung gar nicht alle freiwilligen Belastungszeugen annehmen, so viele drangen heran. Wie kam das? In Deutschland flossen sechs Rassengruppen zusammen; drei verschiedene Landschaften; Norden als Tiefland, das Mittelgebirge und Süddeutschland als Hochland schaffen drei weitere Menschentypen, und die Mainlinie trennt uns konfessionell. So stellen sich verschiedene Gesetze gegeneinander. Einmal ein großes Plus, andererseits aber die furchtbare Schattenseite: Uneinigkeit und Hader sind historische Tatsachen. Quicklebendig bleibt das Denunziantentum bei uns. Seit Menschengedenken ist keine wirkliche Einigkeit vorhanden. So sucht man gern den Elefanten mit einer Lupe nach einem Floh ab und auf diesem Kleininsekt fliegt dann die Anzeige hinaus.

Drittens: Wenn schon die Wissenschaft nicht ins übersinnliche Gebiet hineinreicht, wie sollte sich ein gewöhnlicher Mensch auf dem mystisch-übersinnlichen Gebiet Grönings zurechtfinden?

Herr Gröning predigte in jeder Versammlung immer wieder: „Ich heile nicht! – ES heilt, das heißt die göttliche Kraft!“

Trotzdem sagten selbst seine engen Freunde aus der Gemeinschaft: „Was redet er da? Er hat mich doch gesund gemacht!“ – Diese Menschen sahen Herrn Gröning und dachten zurück an ihre Krankheit, und das Auge gab den Ausschlag.

Unter diesem Aspekt leisteten dann natürlich auch Grönings Gegner freiweg den Belastungseid, und zwar in der Sache falsch, dem Gewissen nach in Ordnung. So hätten alle Erdenbewohner vor Kopernikus geschworen, die Sonne bewege sich um die Erde. Das ist ein relativer Belastungsschwur. Die Einstein’sche Relativitätstheorie bezieht sich ja auf alle Gebiete des Lebens, so auch auf die Justiz. Solch ein Eid ist aber null und nichtig, denn er steht hart auf Messers Schneide zwischen Plus und Minus, so als ob ich zehn Mark bei mir habe und gleichzeitig zehn Mark Schulden. Beides hebt sich auf und die Null bleibt übrig. Außerdem spielte die Fragenstellung eine ganz bedeutende Rolle. Zunächst einmal wurde bei dieser mystischen Angelegenheit an der Tatsache vorbeigefragt, und andererseits war der Befragte ja gar nicht im Bilde. Es wurde aber durch eine solche Überforderung ein wirres Knäuel geknüpft, das sich kaum noch lösen ließ, es sei denn, dass die Belastungszeugen nach gründlicher Aufklärung zurückgeschworen hätten. Das war die Richtung, in welcher ein völlig Unschuldiger verurteilt werden konnte.

Für diese Überforderung ein Beispiel. Eine Person aus R… sagte mir Anfang Dezember: „Ich wollte doch für Herrn Gröning zeugen, und nun bin ich als Gegenzeuge aufgestellt. Ich weiß nicht warum!“ So weit ging also die Verwirrung. Und die Anklage muss auch verfahrensmäßig gerügt werden, weil alle Belastungszeugen praktisch ausfielen. So hatte das Verfahren gegen Herrn Gröning überhaupt keine Grundlage mehr.

Ich könnte noch viel mehr Einzelheiten und Erkenntnisse hinzufügen, sehe aber davon ab, ein dickes Buch zu schreiben. Ich möchte aber nicht ungesagt lassen, dass alle Richtungen, die Medizin, der Staat und viele Menschen, sich eine neue Schuld aufgeladen haben, denn sie hätten Herrn Gröning den Weg bahnen müssen. Nun bleibt zu hoffen, dass vielleicht eines Tages berufene Menschen auftauchen, die in Wort und Schrift gegen unsere veralteten Justizgesetze angehen und somit die rechtliche Voraussetzung für die geistige Heilung, die Heilweise der Zukunft schaffen! [3]

 

Quelle:
Josette Gröning (Hrsg.): Der geistig-seelische Heiler (Denkendorf bei Plochingen/Neckar 1960) Nr. 7, S. 100-105 u. Nr. 8, S. 114-118



[1] Buch des NSDAP-Parteiideologen Alfred Rosenberg (1893-1946)

[2] Ethischer Grundsatz, der vom Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) erhoben wurde. Der kategorische Imperativ fordert ein, man möge die eigene Handlungsweise daran messen, ob sie auch tauglich wäre, als allgemeingültige Maxime zu dienen.

[3] Anmerkung: Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass in der heutigen Zeit in Deutschland rechtliche Schritte gegen die Tätigkeit Bruno Grönings unter Berufung auf das Heilpraktikergesetz von 1939 nicht mehr möglich wären. Siehe dazu Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 3.6.2004: http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20040603_2bvr180202.html