Zu "Heidelberger Klausur 1949"

Bruno Gröning, undatiert
Abschrift (PDF)

Hinweis
Die Schreibweise wurde an die Richtlinien der aktuellen Rechtschreibung angepasst. Unterstreichungen wurden wie im Original vorgenommen.


Kurzgefasster Bericht, in dem nur das Wichtigste aufgeführt ist.

Im Juni 1949 erhielt ich von staatlicher Seite unberechtigter Weise ein schriftliches Heilverbot ausgehändigt. Dieses war deshalb unberechtigt, weil nicht ich, sondern es heilte. Meine aufklärenden Worte, die ich zu versammelten Hilfesuchenden sprach, waren von so einer starken Durchschlagskraft, dass es bei vielen Anwesenden, d. h. Hilfesuchenden, die bereits ärztlicherseits als unheilbar erklärt worden waren, zu Heilungen führte. Dieses fiel sehr vielen Menschen auf. Auch Herr Professor Fischer, zu der Zeit wohnhaft in Marburg, (in Zusammenhang mit der Zeitschrift „Revue“) war so stark beeindruckt, dass er bei schon Geheilten nachforschte und dabei feststellte, dass tatsächlich Heilungen zustande gekommen waren. Somit steigerte sich das Interesse immer mehr, und es blieb nicht aus, dass man an Ort und Stelle in Herford Erhebungen anstellte, die ebenfalls den Erfolg bewiesen. Ich selbst war zu dieser Zeit nicht in Herford, sondern in Norddeutschland. Herr Professor Fischer hatte in Herford alles mobilisiert, sodass ich in Norddeutschland die Nachricht erhielt, ich möchte sofort nach Herford kommen, da ein gewisser Professor Fischer und andere Herren auf mich mit größtem Interesse warteten, die die Absicht hatten, mir den Weg zum freien Wirken freizumachen. Ich kam dieser Aufforderung nach. In Herford führte ich die Unterredung mit Herrn Professor Fischer, dass mir von seiner Seite in Zusammenarbeit mit Herrn Professor Weizäcker [sic!] und in dessen Klinik in Heidelberg jede Unterstützung zugesagt wurde. Man wollte nicht nur alles daransetzen, um nicht nur den Weg für mich freizubekommen, sondern auch die Ärzteschaft hatte an mir selbst wie an meinem Wirken das größte Interesse, und schon aus diesem Grunde wollte man eine Zusammenarbeit für alle Zeiten zustande bringen. Die Herren waren deshalb so stark interessiert, weil sie sich, wie sie betonten, von meinem Wirken hundertprozentig überzeugt hätten und vor allem deshalb, weil man mein Wirken der ganzen Menschheit zugutekommen lassen müsse. Vereinbart wurde, dass ich mich den Genannten für zehn Tage in der Heidelberger Klinik zur Verfügung stellen sollte; dies auch deshalb, um der gesamten Ärzteschaft beweisen zu können, dass Heilungen durch die Person Gröning ärztlicherseits überprüft und befürwortet werden könnten.

Einige Tage später erfuhr ich, dass die Zeitschrift Revue dieses ganze Unternehmen finanzieren wollte. Zuvor wurde mir noch in der Nähe von Frankfurt (Main) ein Blockhaus zum Aufenthalt für einige Tage zur Verfügung gestellt, damit ich Gelegenheit hatte, mich für meine bevorstehende Aufgabe innerlich sammeln zu können.

Die ärztliche Überprüfung hat zu einem guten Resultat geführt. Mir wurde dies durch Herrn Professor Fischer und auch Herrn Dr. Wüst, der sich (von Professor Weizäcker beauftragt) für diese Überprüfung mit zur Verfügung gestellt hatte, mitgeteilt. Aufgrund dieses Überprüfungsergebnisses wurde mir erst recht die feste Zusicherung gemacht, dass der Weg für mein weiteres freies Wirken nun endgültig freigemacht werde. Es sollten mir Heilstätten zur Verfügung gestellt werden, in denen auch Ärzte tätig sein sollten. Dies deshalb, um alle Fälle genauestens kontrollieren zu können, um weitere Bestätigungen nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch der Medizin gegenüber zu erhalten.

Herr Professor Fischer verlangte von mir aber ein Gehalt von monatlich über 3.000,–DM, dazu hohe Tagesspesen und außerdem sollte ich mich verpflichten, an Herrn Professor Fischer 30% aller Betten abzutreten, und zwar deshalb, weil – wie er mir später erklärte – er die 30% aller Geheilten als von ihm geheilt, d. h. um diese 30% aller Geheilten auf seinen Namen und auf die Wirkung der Psychotherapie verbuchen zu können. Außerdem sollte ich Herrn Professor Fischer noch eine schriftliche Vollmacht geben, dass er der allein leitende Arzt dieser Klinik sei und Ärzte für diese Heilstätte verpflichten könne, wie er es für gut befände.

Natürlich wurden hierüber viele Besprechungen geführt, auch mit Herren, die dieses Werk finanzierend unterstützen wollten.

Ich habe mich mit diesem Vorschlag von Herrn Professor Fischer nicht einverstanden erklären können und ihn abgelehnt deshalb, weil ich

  1. über keinen Pfennig Geld verfügte, sodass ich ihm gegenüber meinen finanziellen Verpflichtungen nicht hätte nachkommen können,
  2. nie daran gedacht habe, aus dem ganzen Vorhaben ein Geschäft zu machen.

Bei diesem Vorschlag war mir wohl die Pflicht auferlegt worden, Gehälter auszuzahlen; über ein Verfügungsrecht über die Geldeingänge durch mich wollte man jedoch noch nicht verhandeln, obwohl man mir eine Unterschrift abverlangte, die mich von vorherein zu Zahlungen verpflichtete.

Es war dies für mich daher ein unmögliches Verlangen.

Außerdem wollte ich nur das tun, wie es mir durch meine Berufung gegeben: den Hilfesuchenden helfen und mich deshalb den Ärzten wie Psychotherapeuten zur Verfügung stellen, aber niemals ein Geschäft aus der ganzen Sache machen.

Herr Professor Fischer hat mir nach der ganzen Klausur versichert, dass ich ein positives Gutachten von ihm sowie von Herrn Professor Weizäcker erhalten werde. Ein solches Gutachten ist mir nie übergeben worden. Im Gegenteil, man hat alles zu meinen Ungunsten ausgelegt und entstellt und Positives in Negatives verdreht.

Auch hier muss ich wiederum feststellen, dass man mit mir nur ein gutes Geschäft machen wollte, bei dem Herr Professor Fischer sich seinen Lebensunterhalt und einen guten Lebensabend sichern wollte, und ich sollte meine Unterschrift dafür hergeben. Wo blieb für mich das fest versprochene Freimachen des Weges, damit ich frei wirken konnte? Es war hiervon gar keine Rede mehr, nachdem man erkannte, dass aus dem guten Geschäft nichts wurde.

Zu meinem ersten Prozess im Jahre 1951 wurde von der Staatsanwaltschaft ein Gutachten von der bereits genannten Heidelberger Klinik über mich eingefordert. Mit diesem Gutachten konnte das Gericht deshalb nichts anfangen, weil die Beantwortung der vom Gericht gestellten Fragen daraus nicht zu entnehmen war. Dieses Gutachten gibt mir wieder einmal den Beweis dafür, dass für mich, wie bereits soeben geschildert, die negative Seite gut genug war, weil ein gutes Geschäft nicht dabei zustande kam. Das Gutachten wurde vom grünen Tisch aus angefertigt, in das man allen Schmutz und Dreck, der sich beim Gericht über mich angesammelt hatte und der zum Teil noch nicht einmal geklärt war, hineinflocht. Mit diesem Gutachten haben sich die sogenannten Gutachter keine Ehre eingelegt, sondern mir wieder einmal den Beweis dafür gegeben, wie schmutzig Menschen sein können, wenn sie ihren Vorteil nicht erreichen. Außerdem hat man hiermit weder der Medizin noch der Psychotherapie zur Ehre verholfen. Selbstverständlich zähle ich nicht zu den Menschen, die nun alles über einen Kamm scheren, sondern dieses als Ausfälle betrachte und hier gut zu unterscheiden weiß.

Durch die Handlungsweise der oben genannten Herren der Psychotherapie hatte die Presse nun erst recht Gelegenheit, den ihr hier zur Verfügung stehenden Stoff nach der negativen Seite hin zu beleuchten.

Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung